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... Die Lok ist 23 Meter lang, hat 1400
PS bei einem Gewicht von 136 Tonnen. Zum
Vergleich: Eine moderne Lok wiegt rund 80
Tonnen ... Auf große Fahrt geht die von
fünf Achsen angetriebene Dampflok
(insgesamt hat sie sechs) während der
Saison (Mai bis Oktober) mindestens
einmal im Monat.
Die Fahrt führt heute von Rinteln über
Hessisch Oldendorf, Hameln, Bad Münder,
Springe, Weetzen, Wunstorf und Nienburg
nach Bremen ... Weil bis zur Kreisstadt
schon mehrere Tausend Liter Wasser
verbraucht worden sind, betankt die
Nienburger Feuerwehr die Lok mit 20.000
Litern. Der Tankvorgang (Ein B-Schlauch
wird benutzt) wird rund 15 Minuten dauern
...
Vor einem Jahr
war der Wiener Prater wieder ein Ort, an
dem sich der Blick auf das
Fremde richtete. Ich weiss, dieser
Blick kann Massen in Bewegung setzen,
wenn die Begierde als leitendes Motiv
entsprechend wach gerufen wird. Und das
ist ja mein Metier. Seit Jahren habe ich
es verstanden, diese Anziehungskraft mit
multimedialen Illusionswelten zu
erzeugen, mit emotional aufgeladenen
Erlebnisräumen, die immer auch den
tristen Alltag ein wenig vergessen
lassen. Jetzt war meine Produktion
Afrika! Afrika! in Wien ...
Und was für einen Schmäh musste ich bei
jenen lesen, die meinem Charme, meiner
internationalen Reputation, noch nicht
verfallen sind?
Daß sich mit Events
und Spektakelkultur viel
Geld verdienen lässt, ist eine
Zeiterscheinung, zu der André Heller
nicht unwesentlich beigetragen hat. (???
nicht Dunkler???)
Noch gilt er manchen als moralische
Instanz, gegen seinen Willen wird er
immer wieder für ein politisches Amt ins
Spiel gebracht. Ein bizarrer Mosaikstein
mehr im gegenwärtigen Sittenbild der
Republik, denn hinter dem
Afrika-Entertainment des Magiers
der Fantasie tun sich historische
und politische Zusammenhänge auf, die
mit den Erfordernissen einer
zeitgemäßen, demokratischen und
weltoffenen Gesellschaft nicht vereinbar
sind.
Die Wiederbelebung kolonialer Phantasmen
ist ein völlig ungeeignetes Mittel,
Afrika in das Blickfeld öffentlicher
Aufmerksamkeit zu rücken. Es ist diese
Inszenierung des Staunens, die letztlich
Andersartigkeit zementiert mit
oftmals fatalen Folgen. Die glanzvoll
dekorierten Zeltpaläste schaffen das
Refugium, für wenige Stunden mit
leuchtenden Augen einem kulturellen
Ausnahmezustand beizuwohnen. Diese
Umkehrung der Wahrnehmungen darf
allerdings nicht ohne Widerspruch
hingenommen werden. Denn außerhalb
herrscht eine Normalität, die für jene
Menschen, die auch aus Afrika zu uns
kommen, um vor Elend, Umweltzerstörung
und Perspektivenmangel Zuflucht zu
finden, keine sichere Distanz
bereithält, sondern eine immer größere
Gefahr bedeutet. Das Staunen gebührt
eigentlich einem Europa, das zur Abwehr
der Migration aus Afrika Festungen hoch
zieht und beim Vollzug immer neuer
Fremdengesetze eine Dimension erreicht,
die das Fundament der Grundrechte
zunehmend erschüttert ...
Koloniale Phantasmen, was
für ein wundervolles Stichwort war das
für unseren Plan! Wir würden den Zug
weiterdampfen lassen, hinaus aus dem
Bremer Hauptbahnhof, wo unsere
Rauchschwaden unter dem gewölbten
Hallendach schon alle Tauben verscheucht
hätten, diese Ratten der Luft
liessen am Bahnhofsvorplatz links liegen
die vorüberhuschende Fassade des
ehemaligen Bremer Kolonial-Museums, das
heute Übersee-Museum heisst.
Über das vorletzte Segment unserer
magischen Zeitschiene würden wir
zurückrollen in das Jahr 1998, auf das
noch existierende Güterzug-Netz der
Hafenbahn, hinein in den Bremer
Übersee-Hafen. Hier würden wir halten,
um schliesslich ein letztes Mal
vorzuruckeln, in das Jahr 1999. ...
Bremens Übersee-Hafen:
einst Ausfuhr-Port für
allerlei Kolonialmissionen
einst Einfuhr-Port für
allerlei Kolonialwaren
... Anfang der
achtziger Jahre war
der Umschlag im Überseehafen dramatisch
zurückgegangen. Die Weser war für die
grossen Containerschiffe nicht mehr tief
genug, und für den einst
umsatzstärksten Hafen der Welt kam 1998
das Aus. Im September jenes Jahres legte
zum letzten Mal ein Frachter an.
Das Becken wurde zugeschüttet mit 3,4
Millionen Kubikmeter Sand, der Bahnhof
beim Hafenhochhaus abgerissen, Stellwerk,
Gleise und Schuppen beseitigt. Zwei Jahre
lang musste sich die riesige Sandwüste
zwischen Europahafen und Holz- und
Fabrikenhafen setzen, bis sie ohne Risiko
bebaut werden konnte ...
Der Wind treibt in jenem Jahr den
Sand immer wieder in belebte
Hafenbereiche, auch in den angrenzenden
Ortsteil Walle.
Die Menschen kommen sich vor wie am Rand
einer afrikanischen Wüste. Ödnis
herrscht plötzlich in Vorgärten, auf
Parzellen-Beete rieselt gelber Sand. Es
knirrscht in mancherlei Getriebe, es muss
etwas geschehen!
Das ist die Ausgangslage für unser
Projekt!
Aber wir brauchen kompetente
Unterstützung, denn wir haben mit
unserem Zug nicht etwa Landarbeiter
gebracht, sondern aus über einem
Jahrhundert zusammengesammelte Bankiers
sowie allerlei Führungspersönlichkeiten
aus Politik und Wirtschaft. Die mögen
allenfalls hin und wieder in die Lage
gekommen sein, hier und da ein
zeremonielles Bäumchen gepflanzt oder
begossen zu haben. ... Doch Hilfe ist
bald gefunden und herbeigeschafft ...
Willkommen beim
Verein Internationale
Gärten!
Die Internationalen Gärten sind Orte, wo
Flüchtlings-, Migranten- und deutsche
Familien Beziehungen aufbauen und durch
interkulturelles Gestalten und
Zusammenarbeit positive Beispiele für
Völkerverständigung und Integration
geben. Das Projekt setzt sich gegen
Ausgrenzung ein, in dem es konkrete
Perspektiven für die gesellschaftliche
Eingliederung von Flüchtlings- und
Migrantenfamilien aufzeigt.
Die Grundlage unserer Aktivitäten sind
drei Gärten in Göttingen. Seit dem
Sommer 2003 entsteht ein weiterer Garten,
der Friedensgarten im Ortsteil Grone. Die
Gärten bestehen aus Einzelparzellen für
den Anbau von Gemüse und Kräutern und
aus Gemeinschaftsflächen. Auf diesen
können Kinder spielen, Erwachsene sich
treffen, Veranstaltungen abgehalten
werden.
Im Projekt arbeiten Familien aus sechzehn
Nationen und unterschiedlichen Religionen
zusammen; insgesamt mehr als dreihundert
Menschen ... Mit dem gemeinsamen
Gärtnern sind unter anderem folgende
Aspekte verbunden:
Förderung der beruflichen
Orientierung (Fachdeutsch lernen,
gärtnerische Berufszweige kennenlernen,
Erarbeitung gesetzlicher Grundlagen usw.)
biologischer Anbau von
Gemüse, Kräutern, Obst und Zierpflanzen
für die eigenen Haushalte
Erleben der Eigenarbeit
durch die Bestellung eines eigenen
Gartengrundstücks
soziale und berufliche
Integration von Migranten- und
Flüchtlingsfamilien
Nachbarschaftshilfe und
Familienbetreuung sowie nicht
zuletzt gemeinsam Feste feiern ...
Hier ist der künftige
Wirkungsplatz für unsere wissenden
Stimmen aus dem Zug. Hier finden
wir Berater mit dem nötigen Know-how.
Im Bremer Hafen, über den einst Händler
und Missionare, Forscher und Soldaten in
den dunklen Kontinent
aufbrachen, soll sich unter ihrer
Anleitung ein Kunstwerk entfalten, das an
die kreativsten Zeiten der Bremer
Kulturszene anknüpfen wird.
In den Achtziger Jahren des vergangenen
Jahrhunderts hatten Bremer Bürger
überall im Stadtgebiet, in ihren
Gärten, in öffentlichen Anlagen, die
unterschiedlichsten Formen aus
Blumenzwiebeln gepflanzt. Unter Anleitung
des amerikanischen Landart-Protagonisten
Gary Rieveschl entstand daraus,
nachvollziehbar auf einem Bremer
Stadtplan, ein Gesamtkunstwerk. Bis heute
blüht in jedem Frühjahr am langen
Deich, der die Hafenanlage zur Stadt hin
abgrenzt, die Waller Welle,
ein schwungvoller Streifen aus gelben
Osterglocken.
Bankiers, Kartell- und Politik-Lenker aus
unserem TAZARA-Express werden hier
lernen, etwas Handfestes zu leisten, sie
werden Samen für Pflanzen säen, die den
Boden halten können. Und einen Sommer
lang, im Jahr 1999, wird als Ergebnis
ihrer Handarbeit aus dem alten Bremer
Übersee-Hafen ein blühender Teppich
entstehen:
Roggen
Ackerquecke
Wiesenrispe
Weißklee |
Und wenn dann alles
verblüht ist?
Nun, das ist der zweite Teil des
ausgehandelten Kompromisses:
Es werden sich ...
... historische und politische
Zusammenhänge auftun, die mit den
Erfordernissen einer zeitgemäßen,
demokratischen und weltoffenen
Gesellschaft nicht vereinbar sind.
Ausgewählte Exemplare der TAZARA-Geister
werden zu sehen sein als
Ausstellungsobjekte bei:
AFRIKA AFRIKA!
DIE ARTISTEN IN DER
ZIRKUSKUPPEL: RATLOS!
Ur-/Erstaufführung: 30. August 1968
Internationales Filmfestival Venedig
(preisgekrönt)
Regie: Alexander Kluge
Drehbuch: Alexander Kluge
Produktion: Kairos Film (Alexander Kluge)
Kamera: Günther Hörmann, Thomas Mauch
Musik: Liviane Gomorrhi und Hellmuth
Löffler (beide Klavier)
Länge: 103 Minuten
Darsteller:
Hannelore Hoger - Leni Peickert
Siegfried Graue - Manfred, ihr Vater
Alfred Edel - Dr. Busch, ihr Freund
Bernd Hoeltz - Herr von Lüptow, ihr
Mitarbeiter
Eva Oertel - Gitti Bornemann
Kurt Jügens - Dompteur Mackensen
Gilbert Houke - Dompteur Hauke
Wanda Bronska-Pampuch - Frau Saizewa
Klaus Schwarzkopf - Philologe Gerloff
Die Filmandlung:
Der Trapezkünstler Peickert träumt
davon, gemeinsam mit Elefanten unter der
Zirkuskuppel aufzutreten. Bevor es dazu
kommt, stürzt er ab. Seine Tochter Leni
will die Ideen ihres Vaters
weiterentwickeln und einen eigenen Zirkus
gründen. Nachdem sie sich mit Kollegen
unterhalten und bei der Konkurrenz
Erkundigungen eingezogen hat, muss Leni
aufgrund eines Gespräches mit ihrem
Jugendfreund Dr. Busch zur Kenntnis
nehmen, daß sie nicht Artistin
bleiben kann, wenn sie freie
Unternehmerin sein will. Nur als
Kapitalist ändert man das, was
ist!.
Lenis Finanzaktionen scheitern, ihre
Elefanten werden von den Gläubigern
abtransportiert. Als ihre reiche Freundin
stirbt, erbt Leni deren Vermögen. Lenis
Reformzirkus nimmt nun
Gestalt an: Artisten werden engagiert,
Interviews gegeben und Programmnummern
geprobt. Aber noch vor der
Eröffnungsvorstellung liquidiert Leni
das Unternehmen, denn die
Utopie werde immer
besser, während wir auf sie
warten. Sie und ihre Mitarbeiter
gehen zum Fernsehen ...
Das Filmkonzept:
Kluges Ideologiekritik entfaltet sich im
steten Wechsel und dialektischen
Ineinander von Textzitaten,
Wochenschaumaterial, Kommentaren und
Spielszenen. Durch den Assoziationsfluss
des collagierten Materials werden
herkömmliche Seh- und
Interpretationsgewohnheiten des
Zuschauers herausgefordert.
In der Hoffnung, Ihre Seh- und
Interpretationsgewohnheiten hemmungslos
herausgefordert zu haben, verabschiedet
sich nun:
Das Team des TAZARA-Begleitpersonals ...
... und der Weichensteller

Klick!
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