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TAZARA ... mit der Eisenbahn durch die Weltgeschichte © KJS / 2009
Karl Mays orientalische Selbstdarstellungwww.karl-may-gesellschaft.de
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— resin — resin — resin ...

Eine gnädige Weiche lässt uns seit geraumer Zeit in eine neue Himmelsrichtung rollen, unter Führung eines anderen Reiseleiters ...

Nach dem Süden! Das ist so viel wie eine Fahrt ins Unbekannte, ins Geheimnisvolle. Und wer diese Fahrt schon zehn- oder zwanzigmal gemacht hat, dem bleibt der Süden doch immer noch die Gegend des Dunkels, in welcher täglich neue Entdeckungen zu machen sind.

— resin — resin — resin ...

Wir haben unsere Fahrt wieder aufgenommen, offensichtlich unter Leitung eines Führers, der sich nicht bloss bei den Indianern Nordamerikas auskennt …

Man glaube nicht, daß das Wort Sudan gleichbedeutend mit unserm deutschen »Süden« ist ... Da das Wort Sudan, allerdings schon im Mittelalter gebräuchlich, ein jetzt so viel gehörtes ist, so dürfte eine kurze Bemerkung über dasselbe am Platze sein.
Beled es Sudan, das ist der vollständige Name. »Beled« heißt Land, und »es« ist der Artikel. Sudan ist der gebrochene Artikel von »aswad« = schwarz (Plural »sud«). Beled es Sudan heißt also das Land der Schwarzen. Der Ton wird nicht, wie man oft hört, auf die erste, sondern auf die zweite Silbe gelegt; man sagt also nicht Suhdan, sondern Sudahn.


… und der uns offenbar auf die Nerven gehen will mit unerschöpflichen Details aus seinem Zettelkasten. Dabei ist er nicht einmal ein Eisenbahn-Fan.

Jetzt kann man mit der Bahn von Kairo nach Siut fahren; aber eine pfeifende Lokomotive am Nil, eine dunkle, häßliche Rauchwolke in der herrlichen Luft des heiligen Stromes, das will wie eine Entweihung erscheinen. Und wie fährt man auf der ägyptischen Bahn!
Es ist vor einigen Jahren in Ungarn vorgekommen, daß der Zug an einer kleinen Station zwei Minuten zu halten hatte; die Beamten stiegen aus, um Wein zu trinken; der Maschinist that natürlich dasselbe. Da kam den Passagieren der Gedanke, auf einer nahen Kegelbahn ein Spielchen zu machen. Als die erste Partie zu Ende war, wurde noch eine zweite geschoben; dann stieg man gemächlich ein, und der Zug trollte sich mit Beamten und Passagieren von dannen. Wenn das an der schönen, blauen Donau geschieht, was kann man dann am Nile erwarten?
Ich ziehe das Deck eines Schiffes dem engen Bahncoupée vor. Da sitzt man auf seiner Matte oder auf seinem Polster, die Pfeife in der Hand und den duftenden Kaffee vor sich. Der über zweitausend Fuß breite Strom dehnt sich wie ein See vor dem Blicke aus, scheinbar grenzenlos. Das erregt die Phantasie, welche vorauseilt, dem Süden entgegen, um sich denselben mit riesigen Pflanzen und Tierbildern zu bevölkern. Der Nordwind liegt in den Segeln; die Matrosen hocken allerorts und vertreiben sich die Zeit, indem sie schlafen, gedankenlos vor sich hinstarren oder sich mit kindlichen Spielen beschäftigen. Die Augen des Reisenden werden müde; sie schließen sich nicht, und doch beginnt er zu träumen, und er träumt, bis der Ruf erschallt: »Auf zum Gebete, ihr Gläubigen!« Dann knieen alle nieder, verneigen sich nach der Kibblah und rufen: »Ich bezeuge, daß es keinen Gott giebt außer Gott; ich bezeuge, daß Muhammed der Gesandte Gottes ist!«


— resin — resin — resin ...

Auf dieser Etappe erleben Sie als Reiseführer … Sie haben richtig geraten: Karl May, nicht als „Old Shatterhand“, nicht als „Kara Ben Nemsi“, sondern unter dem osmanischen Ehrentitel „Effendi“, als christlichen Abenteurer (oder abenteuerlichen Christen?) unter Moslems im Sudan!
Auf seinen Wunsch haben wir allerdings ein paar Veränderungen vornehmen müssen. Da Herr May partout nicht in unseren Zug steigen wollte, haben wir uns vorübergehend schrumpfen lassen …


— resin — resin — resin ...

„Und Sie rollen in einer Miniaturbahn auf Miniaturschienen durch ein afrikanisches Diorama. Das ist Bestandteil einer Ausstellung dort, wo meine Bedeutung endlich offiziell wahrgenommen wird — in Deutschlands Hauptstadt, in Berlin!
Ich begrüsse Sie im Deutschen Historischen Museum ... eigentlich in der virtuellen Version dieser Ausstellung, die — wie man mir erklärt hat, in etwas, das Internet heisst — Panorama-Blicke in meine Romanwelten erlaubt. Ich denke, deshalb haben die Organisatoren dieser wunderbaren Ausstellung auch diesen Titel gegeben:
„Karl May – Imaginäre Reisen“ ...
Tatsächlich habe ich ja mehr als ein Jahrhundert vor dem Schriftsteller-Kollegen Wilbur Smith die historische Figur des Mahdi zur literarischen Verwertung entdeckt. Das war zu einer Zeit, da war diesem zwar schon der Kopf Gordon Paschas als Trophäe auf einer Lanze präsentiert worden, die Briten hatten den Sudan aber noch nicht von den Mahdisten zurückerobert! ...
Den ersten Teil der Erzählung schrieb ich von Januar bis April 1890. Er erschien ein Jahr darauf zwölf Monate lang in der Wochenzeitschrift „Deutscher Hausschatz in Wort und Bild“. 1896 wurde „Am Nile“ als erster Band der dreibändigen Ausgabe von „Im Lande des Mahdi“ veröffentlicht, als Band 16 der Reihe „Karl May's gesammelte Reiseromane“ beim Verlag Friedrich Ernst Fehsenfeld in Freiburg im Breisgau. Weitere Erzählungen kamen später als Band 17 und 18 hinzu.“

Spannend ist ja, Herr May, daß Sie sich mit Erscheinungen des radikalen Islamismus auseinandsetzten, lange bevor die Debatte um Al Quaida und um Mohammed-Karrikaturen in der Neuzeit begann.
Vor diesem Hintergrund erscheint Osama Bin Laden als Wiedergänger des Mahdi ... und Ihr vor über hundert Jahren ausgedachter Disput mit einem Mahdi-Anhänger wie die Vorwegnahme des Meinungsstreits arroganter Streithähne von heute …


»Wunder über Wunder! Ein Christ will mir, dem gelehrten Fakir el Fukara, Erklärung des Kuran, der Sunna und aller heiligen Schriften geben! Sollte man so etwas für möglich halten! Du bist nicht nur in Thaten, sondern auch in Worten verwegen, Effendi!«
»Von einer Verwegenheit kann da gar keine Rede sein. Was ich sage, hat alles Grund und vollständige Berechtigung. Versuche es!«
»Nein. Ich werde mich hüten, mit einem Christen über den Islam zu disputieren. Du lässest dich doch nicht bekehren. Es waren nur einige wenige Fragen, welche du mir beantworten solltest. Selbst dem weisesten der Weisen ist es unmöglich, ein endgültiges Urteil über unsern Glauben zu fällen, denn Muhammed hat das Werk nur begonnen. Zu Ende führen wird es ein anderer.«
»Wer?«
»Das fragst du? Und doch behauptest du, den Kuran und alle seine Erläuterungen zu kennen! Durch diese Frage hast du bewiesen, daß du sie noch nicht kennst.«
»Du irrst dich abermals. Ich weiß, daß du den Paraklet, den Ma'dijj meinst, den viele von euch erwarten.«
(Dieses Wort darf nicht Mahdi, sondern es muß Ma'diji geschrieben werden; es kommt von dem arabischen Verbum hahdaja her, welches »führen« heißt, und bedeutet: der auf den rechten Weg Geführte, der Helfer, der Vermittler. Doch werde ich dem einmal gewohnten Gebrauche folgen und Mahdi schreiben.) ...


Herr May, könnten Sie Ihren Zettelkasten ‘mal für einen Moment beiseite lassen? Danke!

»Du, weißt das also doch?« fragte er. »Hast du gehört, daß ein Mahdi kommen wird?«
»Gehört und auch gelesen. Der Kuran erwähnt nichts von ihm, und auch den Kommentaren ist die Sendung eines Mahdi unbekannt; er lebt nur in der mündlichen Ueberlieferung, auf die ich nichts gebe.«
»Ich desto mehr. Allah wird einen Propheten senden, welcher das von Muhammed begonnene Werk zu vollenden hat. Dieser Prophet wird die Ungläubigen entweder bekehren oder, wenn sie sich nicht bekehren lassen, sie vernichten und dann die Güter dieser Erde so verteilen, daß ein jeder nach seiner Frömmigkeit erhält, was ihm gebührt.«
»Das sind mehr weltliche als religiöse Hoffnungen und Wünsche. Wäre ich Moslem, ich würde mich nur an den Kuran halten, nach dessen Lehren ein solcher Mahdi nicht erwartet werden kann.«
»Wieso? Wenn der Kuran nicht von einem Mahdi redet, so ist das doch kein triftiger Grund, anzunehmen, daß es keinen solchen geben kann und geben wird.«
»O doch, denn die Prophetologie des Kuran ist vollständig abgeschlossen. Nach Muhammeds eigenen Worten ist er der letzte Prophet, den Allah gesandt hat und senden wird; seine Lehre, der Islam, ist in sich vollendet und kann nicht durch Zusätze ergänzt oder gar verbessert werden, und nach ihm wird, wie er sagt, nur einer kommen, nämlich Isa Ben Marryam (Jesus, Mariens Sohn.), und zwar am jüngsten Tage, an welchem er sich auf die Moschee der Ommijaden in Damaskus niederlassen wird, um zu richten die Lebendigen und die Toten. Ganz abgesehen davon, daß Muhammed da den Heiland der Christen als Weltenrichter hoch über sich selbst stellt, macht er damit eure Mahdi-Hoffnung ganz und vollständig zu schanden.«
»Das sprichst du als Ungläubiger.«
»Nein, sondern als Kenner des Islam, als welcher ich mich in die Anschauung eines Moslem gedacht habe. Wenn jetzt ein Mahdi erstände, welcher beabsichtigte, die sogenannten Ungläubigen, falls sie sich nicht von ihm bekehren ließen, zu vernichten, so wäre das einfach lächerlich. Es giebt weit über tausend Millionen Menschen, welche nicht Muhammedaner sind; ich will aber nur von uns Christen sprechen. Wie wollte euer Mahdi es anfangen, uns zu vernichten?«
»Mit Feuer und Schwert!«
»Er mag kommen! Und das ist es ja eben, daß er gar nicht kommen kann, nämlich nicht zu uns. Kann eine Quelle der Wüste sich herausnehmen, zum Nile zu kommen, um ihn zu verschlingen? Kann sie die Wüste überwinden und dann die Felsenberge, durch welche sie vom Nile getrennt wird? Sie muß, sobald sie sich aus der Oase hervorwagt, schamrot im Sande verlaufen.«
»Allah wird ihre Wellen mehren und ihre Kräfte stärken, daß sie tausendmal breiter wird als der Nil!«
»Gott ist allerdings allmächtig; aber er läßt nicht der Ueberhebung eines Moslem zuliebe ein Meer aus dem dürren Boden quellen und die Höhen der Gebirge überfluten.«
»Ihr kennt uns nicht. Wir sind unwiderstehlich, wenn wir uns im Kriege über eure Länder ergießen!«
»Pah! Euer Strom würde elend versiechen, noch lange ehe er unsere Grenzen erreichte. Kennt ihr unsere Länder? Wo liegen sie? Kennt ihr unsere Völker, unsere Einrichtungen, unsere Heere? Ein Wüstenfloh hat den Gedanken, mit den Elefanten und Flußpferden des Sudan, den Büffeln und Bären Amerikas, den Löwen und Tigern Indiens anzubinden! Wahnsinn! Und kämt ihr zu Hunderttausenden, so hast du gar keine Ahnung, wie schnell wir mit euch aufräumen würden.«
»Allah'l Allah! Hast du einmal einen Moslem im Kampfe gesehen? Wir würden euch im Augenblick zermalmen!«
»Aber einen Augenblick vorher würdet ihr aus den Mündungen unserer Gewehre und Kanonen bis auf den letzten Mann den Tod getrunken haben. Ehe du vom Zermalmen redest, besuche die Länder der Christen, um da Umschau zu halten! Du redest wie der Fisch vom Wüstensturm; sobald er nur aus dem Wasser kommt, ist's mit ihm vorbei. Zähle die Millionen und aber Millionen Krieger, welche wir haben. Und was sind das für Männer! Was sind zehn von euch gegen einen von ihnen! Du fragst mich, ob ich einen Moslem im Kampfe gesehen habe. Nicht einen, sondern viele sah ich schon. Ich selbst habe mit Moslemin gekämpft und wundere mich sehr, daß du mich so fragen kannst. Nimm doch das nächste Beispiel, welches dir zur Verfügung steht, nämlich mich selbst! Man wollte und will mich hier verderben. Ist es gelungen? Sind diese großen Helden nicht alle in ihre eigenen Gruben gefallen? Ich bin der einzige Christ unter euch. Sagt Abd Asl nicht selbst, daß ich mehr zu fürchten sei, als alle Asaker zusammen? Man wollte mich fangen. Was geschah? Ich habe diese sechzig tapfern Moslemin gefangen, und zwar hier, wo sie daheim sind und alle Verhältnisse kennen. Dein Mahdi mag kommen, um uns zu vernichten. Meinst du, daß wir uns gegen ihn zu wehren brauchten? O nein! Wir würden lachen, nur lachen, und vor dem Schalle dieses Spottgelächters würde er samt seinen Helden Hals über Kopf davonlaufen.«

Überaus beeindruckend, Herr May, wir sollten Ihren Vorschlag an das Pentagon und an die U.S.-Kommandeure in Afghanistan und im Irak weiterreichen … obwohl, die haben wenig zum Lachen. Im Irak nennen sich die gegen Amerikaner kämpfenden radikalen Islamisten übrigens „Mahdi-Milizen“.
Unterdessen wollen wir Ihren Kollegen Wilbur Smith weiter erzählen lassen ...



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