Quellen
Einführung
Vorwort
Station
01
Station
02
Station
03
Station
04
Station
05
Station
06
Station
07
Station
08
Station
09
Station
10
Station
11
Station 12
Station
13
Station
14
Station
15
Station
16
Station
17
Station
18
Station
19
Station
20
Station
21
Station
22
Station
23
Station
24
Station
25
Station
26
Station
27
Station
28
Station
29
Station
30
Station
31
Station
32
Station
33
Station
34
Station
35
Station
36
Station
37
Station
38
Station
39
Station
40
Station 41
Station
42
Station
43
Station
44
Station
45
Station
46
Station
47
Station
48
Station
49
Station
50
Station
51
Station 52
Station
53
Station
54
Station
55
Station
56
Station
57
Station
58
Station
59
Station
60
Station
61
Station
62
Station
63
Station
64
Station
65
Station
66
Station
67
Station
68
Station
69
Station
70
Station
71
Station 72
Station
73
Station
74
Station
75
Station
76
Station
77
Station
78
Station
79
Station
80
Station 81
Station 82
Station 83
Station 84
Station 85
Station 86
Station 87
Station 88

 
TAZARA ... mit der Eisenbahn durch die Weltgeschichte © KJS / 2009
 
Friedrich Flick wikipedia
Station 72



Das Ende der Kölner Privatbank Herstatt im Sommer 1974 sorgte weltweit für Schlagzeilen. Bis heute ist es eine der spektakulärsten deutschen Firmenpleiten nach dem Zweiten Weltkrieg: Mehr als eine Milliarde Mark hatte ein kleines Team von Herstatt-Devisenhändlern verspekuliert. Zehntausende von Kleinsparern, aber auch das Kölner Erzbistum und die Kasse der Domstadt selbst wurden um horrende Beträge gebracht. Bankchef Iwan D. Herstatt wurde am 16. Februar 1984 vom Landgericht Köln zwar zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt. Er beteuerte aber bis zu seinem Tod 1995, er habe von den Vorgängen in seinem Unternehmen nichts gewusst.

Danke, Herr Dunkler, für die Einspielung Ihres Internet-Fundes. Doch wir bleiben weiter überzeugt, die Faustregel im Hochfinanzgeschäft lautet eher:
„Je dreister, je feister!“


DIE FLICK-AFFÄRE — Teil 1
Oder: wie in Deutschland Politik gekauft wurde


37 Der weißhaarige Alte, hager, hochgewachsen, mit verkniffenem Gesicht, gebietet über die grösste private Wirtschaftsmacht der Bundesrepublik und die drittgrösste Europas: Seine Düsseldorfer Holdingfirma Friedrich Flick KG beherrscht rund 330 Unternehmen mit einem Jahresumsatz von zusammen 18 Milliarden DM und annähernd 300.000 Beschäftigten. Einschliesslich ihrer Familienangehörigen ist mindestens eine Million Menschen direkt vom ‚Alten Fritz‘ abhängig. Kaum einer hat ihn je gesehen, nur wenige wissen, wie er aussieht ...

Anders als auf unserer rollenden Bühne — nicht wahr, Mr. Rockefeller?
Stichwort: Consolidated Silesian Steel Corporation?
Es geht zurück durch einen unserer Geschichtstunnel, und dann arbeiten wir uns langsam auf der Zeitschiene voran:
Das nach dem Ersten Weltkrieg durch Friedrich Flick mit heimlichen Staatszuschüssen erworbene Konglomerat aus Bergbau- und Stahlbetrieben in Oberschlesien war unter Druck geraten …


37 Nach Artikel 8 des Genfer Abkommens hatte die polnische Regierung ab 1937 das Recht, Unternehmen der deutschen Grossindustrie zu enteignen — wenn sie bis dahin infolge überhöhter Steuerforderungen nicht schon pleite gegangen waren. Da die finanzielle Situation der deutschen Unternehmen immer prekärer, der Druck der polnischen Regierung immer nachhaltiger wurde, konnte nur eine Radikalkur helfen. Wieder fiel Flick eine passende Lösung ein. Wenn die Polen Deutsche enteignen durften und die Betriebe dringend Geld brauchten, gab es nur eins: die Bismarckhütte mit der Kattowitzer Bergbau AG mussten sich unter das Dach einer amerikanischen Holdinggesellschaft flüchten. Einen ‚amerikanischen‘ Betrieb würde Polen in Ruhe lassen, und amerikanisches Geld könnte den angeschlagenen Unternehmen wieder auf die Beine helfen.
Über den Stahlverein hatte er den U.S.-Finanzier W.A. Harriman kennengelernt. Der Wallstreet-Banker war einer der grossen Gläubiger des deutschen Stahltrusts. Harriman, Sohn des legendären amerikanischen Eisenbahnkönigs, später U.S.-Handelsminister und Sonderbotschafter, sah in den notleidenden Kohle- und Erzgruben Oberschlesiens offenbar pures Gold schimmern ...
Harriman ... gründete in der ersten Hälfte des Jahres 1929 in New York die neue Holdinggesellschaft: ‚Consolidated Silesian Steel Corporation‘ ...

Auf der Liste der Verwaltungsratsmitglieder finden sich viele Namen der Wallstreet-Hochfinanz, Mr. Rockefeller, darunter Percy, der Sohn Ihres Onkels William. Percy starb zwar 1934, aber nicht das Rockefeller-Interesse am absehbaren Kriegsboom der deutschen Industrie.
Wir bitten noch einmal auf unsere rollende Bühne: John Loftus, ehemaliger Staatsanwalt der Abteilung für Kriegsverbrechen des U.S.-Justizministeriums. Er wird uns bekannt machen mit einem zweiten deutschen Grossindustriellen, der zusammen mit Friedrich Flick, U.S.-amerikanisches Kapital an die Nazi-Tränke führte …


Die amerikanische Presse ist in all den Jahrzehnten, in denen die Bush-Familie im öffentlichen Leben stand, niemals auf die historische Tatsache eingegangen, daß Prescott Bush und sein Schwiegervater George Herbert Walker durch ihre ‚Union Banking Corporation‘ (UBC), zusammen mit dem deutschen Industriellen Fritz Thyssen, vor und während des Zweiten Weltkrieges Adolf Hitler finanziert haben.
Als Thyssen 1931 offiziell der Nazi-Partei beitrat, bekam deren Bewegung in Deutschland gerade Auftrieb. Dazu trug neben dem charismatischen Auftreten Hitlers die wirtschaftliche Depression sowie Thyssens ‚Bank voor Handel en Scheepvaart‘ in Amsterdam bei, die im Jahr 1924 an der Gründung der ‚Union Banking Corporation‘ in New York beteiligt war.
Im September 1932 lud Thyssen eine Reihe von Magnaten der deutschen industriellen Elite auf seine Burg ein, um Hitler zu treffen. Später erinnerte sich Thyssen, Hitler habe in einer stundenlangen Befragung ‚äusserst zufriedenstellende‘ Antworten gegeben. Geld aus Industriekreisen begann für ihn zu fliessen, weil — so Thyssen — seine ‚monarchistische Haltung‘ hinsichtlich ‚Arbeiter- und Klassenfragen‘ beeindruckt hatte ...


Anders als Hitler-Fan Thyssen betrieb Flick seine frühe „politische Landschaftspflege“ mit den Augen eines Buchhalters. Noch 1932 glaubte er an den Fortbestand der Weimarer Republik …

37 Als er einen Beitrag für den Papen-Wahlfond spendete, schrieb er an den deutschnationalen Pressezaren Alfred Hugenberg:
‚Ich gebe Ihnen das Geld, damit bei den kommenden Wahlen das Bürgertum sich gegen die Nationalsozialisten konsolidieren und die nationalsozialistische Bewegung hindern kann, früher oder später eine radikale Wendung zu nehmen.‘
Doch als vorsichtiger Taktierer hatte er bereits die ersten Kontakte zu den Naziführern hergestellt. Über seinen damaligen Privatsekretär Otto Steinbrinck (höchstdekorierter U-Boot-Führer des Ersten Weltkriegs) liess sich der Konzernchef ab 1931 laufend über das wirtschaftliche und politische Programm der NSDAP informieren ...
Der Konzernboss sah sich Hitler erstmals am 27. Januar 1932 an, als dieser seine berühmt gewordene Rede vor dem Düsseldorfer Industrieclub hielt, die als Beginn des Paktes zwischen der deutschen Grossindustrie mit den Nazis gilt. Flick war neugierig, den stimmgewaltigen NSDAP-Führer näher kennenzulernen, und liess von Steinbrincks Freund Walter Funk (Hitlers späterer erster Wirtschaftsminister) wenige Tage nach der Düsseldorfer Rede ein Gespräch unter vier Augen mit Hitler arrangieren ... ‚Herr Hitler redete beinahe ununterbrochen, so daß ich kaum zu Wort kam‘, erzählte Flick später über sein erstes Zusammentreffen mit dem späteren Diktator ... Flicks erste Spende in die Parteikasse der Braunen belief sich auf 50.000 Reichsmark ...

Thyssens und Flicks Gewinne schnellten im Jahr 1934 auf hunderte von Millionen, und die ‚Bank voor Handel en Scheepvaart‘ in Amsterdam sowie die ‚UBC‘ in New York schwammen in Geld. Prescott Bush wurde zum Chef der ‚UBC‘ bestellt, er war zuständig für das Tagesgeschäft auf der Basis des neuen deutschen Wirtschaftsplans. Bushs Anteile wuchsen mit Hitlers neuer Ordnung.
Am 19. März 1934 zeigte Prescott Bush Averell Hariman die frische Ausgabe der ‚New York Times‘. Die polnische Regierung, so war da zu lesen, wolle die ‚Consolidated Silesian Steel Corporation‘ und die ‚Upper Silesian Coal and Steel Company‘ von ‚deutschen und amerikanischen Interessen‘ übernehmen, weil dort ‚Mismanagement überhand nehme, durch zügellose Kreditnahme, durch fiktive Buchführung und durch Spekulieren mit hinterlegten Sicherheiten‘.
Die polnische Regierung verlangte von den Besitzern der Unternehmen, die 45 Prozent des polnischen Stahl produzierten, zumindest alle ausstehenden Steuern zu entrichten. Bush und Harriman beauftragten das Anwaltsbüro von John Foster Dulles, für eine eventuelle Überprüfung die Eigendarstellung aufzupolieren.
Hitlers Invasion in Polen machte solchen Sorgen ein Ende. Die Nazis retteten die Unternehmen von Thyssen, Flick und Harriman vor polnischen Ansprüchen.
Und man einigte sich, bezahlte Arbeiter durch Gefangene zu ersetzen. Die ‚Consolidated Silesian Steel Corporation‘ befand sich nahe der polnischen Stadt Oswiecim, in einer Gegend mit einem der reichsten polnischen Mineralvorkommen.
Dort entstand das Konzentrationslager Auschwitz.
Die Nazis transferierten Juden, Kommunisten, Zigeuner in das Lager. Jene, die arbeitsfähig waren, wurden in dreissig verschiedene Unternehmen gebracht, eines war die ‚Consolidated Silesian Steel Corporation.‘
Niemand hat bisher diese Verbindung hergestellt: ‚Consolidated Silesian Steel Corporation’, Auschwitz und Prescott Bush.
Das war der Grund, warum das Lager Auschwitz dort gebaut wurde. Die Kohlevorkommen sollten genutzt werden als Heizkohle oder als destillierter Zusatz zu Flugzeug-Treibstoff.


37 18. April 1947: Der ‚Militärgerichtshof IV‘ in Nürnberg eröffnet das Verfahren im ‚Fall 5‘ gegen Friedrich Flick, Otto Steinbrinck, Bernhard Weiss, Konrad Kaletsch, Odilo Burkart und Hermann Terberger ... Über 10.000 Seiten Dokumente, die die U.S.-Rechercheure aus den Konzernarchiven in Berlin, Sulzbach-Rosenberg und Halle holten, sollen die Kriegsschuld der Angeklagten beweisen ...
Aus den Beweisdokumenten geht beispielsweise hervor, daß Flick 1944 fast 50.000 Kriegsgefangene, KZ-Häftlinge und Fremdarbeiter teilweise unter den unwürdigsten Umständen in seinen diversen, fast ausschliesslich der Rüstungsproduktion dienenden Werken beschäftigte. Daß dies nicht nur unter dem Druck des Regimes geschah, beweisen zahlreiche interne Papiere aus den Konzernarchiven. Im Stahlwerk Gröditz, das damals unter der Leitung von (Sohn) Otto-Ernst Flick stand, wurden wenige Tage vor Kriegsende, am 17. April 1945, noch 186 erkrankte Häftlinge von der SS erschossen.
Im (mitteldeutschen) Lauchhammer-Werk arbeiteten zeitweilig 950 KZ-Häftlinge unter ständiger SS-Bewachung täglich von 6 bis 18 Uhr bei einer Tagesverpflegung, die aus 250 Gramm Brot, 5 Gramm Fett und einem halben Liter Suppe bestand ...
Aus den Akten geht ferner hervor, daß Flick von 1933 bis 1945 insgesamt 7,65 Millionen Reichsmark für Spenden an die Nazis ausgegeben hat ...


Alle 88 Stationen vom Weichensteller vorlesen lassen? Animationen? Videos?
DATEN-DVD bestellen! Rechts klicken!
 
Weiter TAZARA-Index
Weichensteller

web page hit counter

web page hit counter