© KJS / 2007

Einführung
Vorwort
Kapitel 01
Kapitel 02
Kapitel 03
Kapitel 04
Kapitel 05
Kapitel 06
Kapitel 07
Kapitel 08
Kapitel 09
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
Kapitel 21
Kapitel 22
Kapitel 23
Kapitel 24
Kapitel 25
Kapitel 26
Kapitel 27
Kapitel 28
Kapitel 29
Kapitel 30
Kapitel 31
Kapitel 32
Kapitel 33
Kapitel 34
Kapitel 35
Kapitel 36
Kapitel 37
Kapitel 38
Kapitel 39
Kapitel 40

 
TAZARAmit der Eisenbahn durch die Zeitgeschichte © KJS / 2008
Fresko von Herbert Boeckl im Maria Saaler Dom - Quelle: wikipedia
ACHTUNG AN DER BAHNSTEIGKANTE!
Steigen Sie ein zur Fahrt mit dem TAZARA-Express durch die Zeitgeschichte.
Die virtuelle Reise ist längst über die hier vorgestellten Lesestationen hinaus.
Sie ist auf bisher 412 Seiten dokumentiert.
Eine pdf-Version kann erworben werden für nur:
4 Euro
Einfach am Monitor blättern, oder alles ausdrucken.
Schicken Sie dem Weichensteller, Klaus Jürgen Schmidt, eine Anfrage:
radiobridge@aol.com
Mit dem Text erwerben Sie das Recht, kostenlos auch das Ende der TAZARA-Geschichte als pdf-file zu erhalten, sobald die Protagonisten des virtuellen TAZARA-Expresses das Abstellgleis erreicht haben. Ausserdem gibt es Zugang zu einer Website mit allen ständig aktualisierten online-Quellen.
Diese erlauben eigene, weiterführende Recherchen.

KAPITEL 7

... "Man muss wissen, das New Yorker Rockefeller-Center ist nicht bloss eindrucksvolle Touristen-Attraktion, sondern war schon gleich am Anfang Schauplatz einer interessanten, aber vergessenen Kontroverse ... in die übrigens auch eine Dame verwickelt war, die in Ihrem Leben — Herr Trotzki — eine bedeutsame Rolle spielen sollte ..."


Spann’ uns nicht auf die Folter, Dag!

"Nun, die Dame war Frida Kahlo ... als Gymnasiastin bei einem Verkehrsunfall in Mexico-City schwer verletzt, mit gesundheitlichen Folgen für ihr ganzes Leben.
Nach dem Unfall begann sie zu malen, 1928 bat sie den berühmten mexikanischen Maler Diego Rivera, ihr Talent zu beurteilen. Er war begeistert, 1929 heirateten die beiden.
Die Kahlo wurde eine der bedeutendsten mexikanischen Künstlerinnen, Rivera führender Kopf der staatlich geförderten Initiative zur Renaissance der Wandmalerei, dem Muralismo.
Zugleich war Diego Rivera prominentes Mitglied der Kommunistischen Partei Mexikos. Die Wandmalereien mit sozialer Thematik, die jederzeit frei zugänglich waren, entsprachen in besonderem Mass seiner demokratisch-pädagogischen Kunstauffassung.
Von 1927 bis 1928 unterrichtete er in Moskau.
Danach arbeitete er eine Zeit lang in San Francisco, 1932 erhielt er einen grossen Auftrag vom Automobilhersteller Edsel Ford, der ihn nach Detroit führte. In einem Monumentalgemälde stellte er die Arbeiter in den Fordwerken dar.
Auch in der Kunst passte auf einmal zusammen, was sich nach gängiger Lesart ausschliessen sollte: Diego Rivera, ein überzeugter Kommunist arbeitete für einen der grössten und mächtigsten Industriemagnaten — trotzdem war es ihm möglich, in das Gemälde seine eigene Ideologie einzubringen.
Beim nächsten Auftrag sollte das allerdings schiefgehen, und das war 1933 der Auftrag für das New Yorker Rockefeller Center. Er gab dem Wandgemälde den ellenlangen Titel: ‘Der Mensch am Kreuzweg, hoffnungsvoll schauend und mit der grossen Vision auf eine neue und bessere Zukunft’.
Noch bevor das Gemälde vollendet war, entdeckten Zeitungsreporter, dass sich auf ihm das Gesicht Lenins befand.
Es kam zum Eklat zwischen Diego Rivera und dem jungen Nelson Rockefeller. Der fragte den Maler, ob er das Gesicht von Kommunistenführer Lenin nicht mit dem eines Unbekannten übermalen könne. Darauf erwiderte Diego, im Austausch dafür würde er dann die Gesichter von Abraham Lincoln und anderen bedeutenden Figuren der amerikanischen Geschichte überpinseln.
Weil Diego zu keinem Kompromissen bereit war, liess Rockefeller ihm das vereinbarte Honorar aushändigen ... und das Wandgemälde zerstören."


Und Frida Kahlo? Wo lernte sie unseren Genossen Trotzki kennen — in Moskau?

"Oh nein ... aber, es ist etwas heikel, das in allen gebotenen Einzelheiten darzustellen."

Gut, Dag, unsere Regie wird da aushelfen — mit einem Film-Ausschnitt ...

REGIE!! LICHT AUS! DVD AN!

Originaltitel: FRIDA
Regie: Julie Taymor
Buch: Clancy Sigal, Diane Lake, Anna Thomas und Gregory Nava
nach der Frida-Kahlo-Biografie von Hayden Herrera
2002; 125 Minuten
... Fridas Schwester Cristina (Mia Maestro) hat sich von ihrem Mann getrennt. Während eines Besuchs ertappt Frida (Salma Hayek) sie und Diego (Alfred Molina) auf dem Boden seines Ateliers. Seine Affären hat sie geduldet, aber dass er mit ihrer Schwester schläft, geht zu weit. Verzweifelt schliesst Frida sich in ihrem Teil des durch eine Brücke verbundenen Doppelhauses in San Angel ein und schneidet sich die langen Haare ab. Sie will nichts mehr mit Diego zu tun haben.
Allerdings erfüllt sie seine Bitte und quartiert den von Stalin verstossenen Revolutionär Leo Trotzki (Geoffrey Rush) und seine Frau Natalia Sedova 1937 in ihrem Elternhaus ein, in dem ihr Vater seit dem Tod Matildas allein lebt. Als Trotzkis Frau merkt, dass ihr Mann eine Affäre mit Frida hat, zieht das Ehepaar 1939 in einen anderen Unterschlupf ...



Dort — wir wissen es schon — wird Trotzki 1940 mit einem Eispickel ermordet ...
Hätte Stalins Agent ihn auch im Bett der Frida Kahlo gefunden?
Hätte Diego Rivera sich mehr um die Revolution und weniger um seine Mätressen kümmern sollen, damit die Geschichte einen anderen Verlauf hätte nehmen können?
Wir wissen es nicht, aber bevor Sie protestieren, Genosse Trotzki, ein Schmankerl zur Beruhigung.


Der Maler hat das Glück, eine schweigsame Kunst zu betreiben,
eine Kunst ohne Spektakel. Spektakel wird ohnehin genug gemacht.


"Das Zitat muss eine Fälschung sein! Weder Diego noch seine Kunst waren je schweigsam oder ohne Spektakel!"

Stammt ja auch von einem anderen Maler, einem Österreicher — auch ein Zeitgenosse von Ihnen, Genosse Trotzki: Herbert Boeckl, er lebte von 1894 bis 1966.
Was sich im New Yorker Rockefeller Center ereignete, war vielleicht nur ein Plagiat ... und das ist unser österreichisches Schmankerl für Sie.
Diego Rivera hat vielleicht nur abgekupfert bei dem Fresko-Maler Herbert Boeckl. 1925 bekam der den Auftrag für ein Wandgemälde im Maria Saaler Dom ...

REGIE!! LICHT AUS! INTERNET AN!
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Christus schreitet über die Wellen oder Die Errettung Petri —

Das war der Auftrag, für das Fresko über dem Sakristei-Portal des Doms in Maria Saal, und was sehen wir?
Trotzki reicht dem ertrinkenden Lenin die Hand!
Ein bisschen lang das Haar bei Ihnen, Genosse Trotzki — eben jesusmässig, dafür gar keins beim Genossen Lenin ...
Was mag sich Herbert Boeckl dabei gedacht haben? ...


"Ich bin fasziniert! ... Mr. Rockefeller, helfen Sie einem Juden mit einer Erinnerung aus Ihrer Familienbibel? ... Die Errettung Petri? ... Was liest man bei den Evangelisten dazu?"

"Matthäus 14 - 22 ..."

... Aber in der vierten Nachtwache kam Jesus zu ihnen und ging auf dem Meer. Und da ihn die Jünger sahen auf dem Meer gehen, erschraken sie und sprachen: Es ist ein Gespenst und schrieen vor Furcht. Aber alsbald redete Jesus mit ihnen und sprach: Seid getrost, ich bin’s; fürchtet euch nicht!
Petrus aber antwortete ihm und sprach: Herr, bist du es, so heiss mich zu dir kommen auf dem Wasser. Und er sprach: Komm her!
Und Petrus trat aus dem Schiff und ging auf dem Wasser, dass er zu Jesus käme. Er sah aber einen starken Wind; da erschrak er und hob an zu sinken, schrie und sprach: Herr, hilf mir!
Jesus aber reckte alsbald seine Hand aus und ergriff ihn und sprach zu ihm: O du Kleingläubiger, warum zweifelst du? ...


"Ich bin ergriffen! Das ist meine Rehabilitierung! ...
O du kleingläubiger Lenin, warum hast du meine Hand verschmäht?"

Unglücklicherweise hat das — vielleicht mit Ausnahme von Diego Rivera — niemand zur Kenntnis genommen.
Möglich, dass er bei seiner Reise nach oder von Moskau 1927/28 von dem österreichischen Kunst-Skandal hörte ... um ihn in New York zu wiederholen, mit Lenins Kopf — nicht mit Ihrem, Genosse Trotzki!
Die "Rote Kirche" hatte ja alle Ihre Bilder aus der eigenen Revolutionsgeschichte getilgt, und sie blieb unerbittlich — bis über ihren eigenen Zusammenbruch hinaus ...
... auch der Reformer Gorbatschow versagte Ihnen jegliche posthume Würdigung. 1989 äusserte sich das Politbüromitglied-Mitglied Wladimir Jakowlew gegenüber dem deutschen Politiker Gregor Gysi.


Trotzki war ein erbarmungsloser Mensch, dessen Hände über und über mit Blut befleckt sind.

Gemach, Genosse Trozki! Wenigstens vor der katholischen Kirche fanden Sie späte Gnade, sie liess das Fresko in ihrem österreichischen Dom nicht zerstören — es blieb schlicht verhüllt — vierundfünfzig Jahre lang — bis 1981!
Heute buhlt die Gemeinde Maria Saal zwar nicht gerade mit diesem "Skandal"-Fresko um Touristen, aber es wird auch nicht mehr verschwiegen.


"Darf ich wiederholen?"

Bitte, Dag!

"Wie wir soeben gesehen haben: Nachrichten sind selten das Produkt journalistischer Recherche, sondern öfter das Produkt spezieller Gruppen-Interessen ... zum Beispiel das Produkt aus Room 5600 des Rockefeller Centers ... über Jahrzehnte hinweg Zentrum eines Spinnennetzes für — wie sollen wir es nennen, Mr. Rockefeller?
‘Betreuung der Medien’ — national und weltweit — ‘Management von Nachrichten’, ‘Politische Propaganda’?
Das Rockefeller-Center ist mit der Radio City auch Hauptquartier von NBC, die von hier Programme ausstrahlt wie ‘Nightly News’ mit Brian Williams, ‘NBC Today’, ‘Late Night’ mit Conan O'Brien, ‘Saturday Night Live’ ...
In den vierziger und fünfziger Jahren hiessen die Grossen im Medien-Geschäft und in der Public Relations-Branche Francis A. Jamieson — Pulitzer Preisträger, James W. Young — Chef der J. Walter Thompson Werbeagentur, Karl A. Bickel — erst Präsident der Nachrichtenagentur United Press, danach Vorsitzender von Scripps-Howard Radio.
Room 5600 half einem Ihrer Söhne, Mr. Rockefeller, dem schon erwähnten Nelson, diese Koryphäen bei einer der grössten Meinungsmanipulationen aller Zeiten zu rekrutieren ..."

Halt! Können wir das bitte ‘mal visualisieren, Dag?
Unser Zug-Regisseur ist ganz angetan von der Multimedia-Technik in den Sky Shuttle Lifts des Rockefeller-Centers ... könnten wir problemlos adaptieren ... falls die Stromversorgung nicht ausfällt ...

"Wer führt denn hier die Regie?"

"Gestatten, Dunkler — mein Name, André Dunkler aus Österreich — eigentlich auf der Suche nach afrikanischen Zirkus-Artisten ..."

"Hereinspaziert! Es geht ja um Arbeit mit Netz und doppeltem Boden! ...
Dass Mr. Rockefellers Zweitgeborener es mit Hilfe von Room 5600 schaffte, zuerst Gouverneur des Staates New York und später Vizepräsident der Vereinigten Staaten von Amerika zu werden, ist Allgemeinwissen — wir wollen die Episode davor, sozusagen seine Lehrzeit, beleuchten ...
Funktioniert Ihr Regie-Einfall für eine Kurzfassung?"

"Magisches Licht bei Durchfahrten durch TAZARA-Tunnel als Symbol für Beginn und Abschluss eines erfolgreichen PR-Einsatzes im politischen Leben des Nelson Rockefeller — NR in der Kurzfassung, okay?"

— tazara — tazara — tazara ...

REGIE!! ACHTUNG TUNNEL: MAGISCHES LICHT !!!

Nelson ist noch nicht dreissig Jahre alt, da beginnt ihn als Direktor der Creole Petroleum Company zu interessieren, wie die Kontrolle über die reichen Erdöl-Vorkommen Venezuelas und anderer lateinamerikanischer Länder zu erhalten, wenn möglich auszuweiten ist. Public Relations im Gastland ist seine Antwort.

1939 erhält Präsident Franklin D. Roosevelt (FDR) von NR und Mitarbeitern aus Room 5600 und der ebenfalls durch die Rockefeller-Familie kontrollierten Chase Manhattan Bank ein Dreiseiten-Memorandum mit dem Vorschlag, eine Regierungsagentur zu gründen, die der Nazi-Propaganda in Lateinamerika begegnen solle. Ein Berater von FDR schlägt NR als Leiter dieser Agentur vor, ab 1940 benannt als Coordinator of Inter-American Affairs (CIAA) oder einfacher als das Rockefeller Office — der FDR-Berater erhielt später von NR einen Kredit.

1941, noch vor Kriegseintritt der U.S.A., begann NR, die pro-westlichen Eliten Venezuelas und Brasiliens unter seinem Einfluss zu organisieren in einem Netzwerk prominenter lateinamerikanischer Geschäftsleute und Meinungsführer.

Nach Kriegseintritt erlaubt die amerikanische Steuerbehörde US-Unternehmen, die mit CIAA / Rockefeller-Office kooperieren, in Lateinamerika Werbekampagnen steuerbefreit durchzuführen. Das macht bald 40 % aller Einkünfte für lateinamerikanische Zeitungen und Radiostationen aus, die sich dadurch in die wirtschaftliche Patronage des CIAA / Rockefeller-Office begeben, denn die Anzeigen-Vergabe macht NR vom Wohlverhalten der Medien-Eigner abhängig.

NR’s Aktion in Lateinamerika wird mit 140 Mio. Dollar staatlichen Mitteln (über 5 Jahre) und einem Stab von 1.200 Festangestellten in den U.S.A. sowie zahllosen freischaffenden Journalisten und Werbefachleuten vor Ort zur grössten Propaganda-Kampagne in der damaligen Geschichte der U.S.A.. Zurechtgehämmert nach eigener Interessenlage erfährt die Welt was wichtig ist in Lateinamerika nahezu ausschliesslich aus Rockefellers Medienschmiede.

NR überzeugt Washington davon, dass er in Lateinamerika an einer wirtschaftlichen und an einer psychologischen Front kämpft — und er erhält Grünes Licht für heimliche Meinungsbeobachtung, die durch George Gallup und andere prominente amerikanische Sozialwissenschaftler entworfen und durchgeführt wird. Einheimische Spitzel werden angeheuert, Dossiers werden angelegt — NR erprobt in Lateinamerika ein System, das nach dem Zweiten Weltkrieg dem amerikanischen Auslandsgeheimdienst CIA zum Vorbild wird.


ZUG-SERVICE!
Aus gegebenem Anlass eine Runde BANANA-SPLIT für alle bitte! ...

... und wir begrüssen den ersten Wissenschaftler an Bord!

Herr Dr. Jochen Hippler, was ist Chiquita?


"Nun, Chiquita kommt aus dem Spanischen und bedeutet soviel wie:. ‘klein und niedlich’ ..."

Wir haben Sie eigentlich nicht als Sprachwissenschaftler angefordert, Herr Dr. Jochen Hippler ...

"... In unserem Zusammenhang ist das auch eher eine sprachliche Irreführung: Chiquita Brands International ist nach eigenen Angaben einer der größten Bananenproduzenten der Welt ..."

Wir kommen der Sache schon näher, Herr Dr. Jochen Hippler. Sie sind Politikwissenschaftler?

"Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Entwicklung und Frieden an der Universität Duisburg-Essen. Freiberufliche Nebentätigkeit als Politikberater und Consultant ..."

Wir legen Wert auf die Feststellung, dass Sie hier freiwillig erscheinen und kein Honorar verlangt haben ...
Arbeitsschwerpunkte?


"... Politische Identitäten nationaler, ethnischer und religiöser Art im Kontext von Konflikten und Kriegen sowie bei der Demokratisierung von Gesellschaften; interkulturelle Dialoge; der Nahe und Mittlere Osten; Strukturveränderungen der internationalen Politik."

Im Nahen und Mittleren Osten sind wir noch gar nicht angelangt ... wir dachten, Sie wüssten ‘was über Lateinamerika!

"Nun, Chiquita Brands International wurde 1899 als United Fruit Company gegründet, kurz auch UFC oder UFCO genannt ..."

Die United Fruit Company war seit Jahrzehnten in Guatemala von entscheidender wirtschaftlicher und politischer Bedeutung. Der US-Konzern exportierte aus Guatemala vor allem Bananen, er war der größte Landbesitzer, besaß praktisch das Eisenbahn-Monopol und betrieb den einzigen Atlantikhafen des Landes in Privatbesitz. Neben weiteren wirtschaftlichen Machtfaktoren hatte sich die UFC traditionell in Guatemala einer so starken politischen Stellung erfreut, daß sie den früheren Diktatoren häufig ihre Politik hatte diktieren können.
Im März 1951 trat in Guatemala Jacobo Arbenz Guzman als mit großer Mehrheit gewählter Nachfolger von Juan Jose Arevalo das Amt des Präsidenten an. Sein Ziel lag darin, Guatemala zu einem ‘modernen kapitalistischen Land’ zu machen, was bedeutete, den Übergang von einer abhängigen Nation mit halbkolonialer Wirtschaft zu einem wirtschaftlich unabhängigen Land zu vollziehen.



Wir notieren, von Kommunismus war keine Rede?

Ausländisches Kapital sollte ‘immer willkommen sein, solange es sich den lokalen Bedingungen anpaßt, die guatemaltekischen Gesetze beachtet, bei der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes mitarbeitet und sich Einmischungen in das soziale und politische Leben der Nation streng enthält.’
Diesem Konzept, Guatemala zu einem ‘modernen kapitalistischen Land’ zu machen, folgte Arbenz tatsächlich und mit beträchtlicher Energie. Bereits früh veranlaßte er den Bau eines staatlichen Hafens, um das Monopol des US-Konzerns United Fruit Company, das diese durch ‘ihren’ Hafen Puerto Barrios ausübte, zu brechen. Ein weiteres Bauprojekt bestand in einer Straße zum Atlantik — wodurch das Monopol der durch die UFC kontrollierten Eisenbahnlinie bedroht wurde. Ein regierungseigenes Kraftwerk sollte die Strompreise des US-kontrollierten Monopols bei der Stromerzeugung unterbieten.
Für die wirtschaftliche Entwicklung Guatemalas am wichtigsten und zugleich das Kernstück der Reformpolitik von Arbenz war allerdings die Landreform.
Landbesitz über mehr als neunzig Hektar konnte von der Regierung enteignet werden, falls das Land ganz oder zu über einem Drittel ungenutzt war. Eine Entschädigung wurde in Regierungsschuldscheinen gezahlt. Das so enteignete Land — plus bereits im Regierungsbesitz befindliches — wurde an landlose Bauern verteilt.
Die Unzufriedenheit der UFC mit der Entwicklung in Guatemala sowie das allgemeine Gefühl, deutlich an Einfluß auf die Politik — und damit auch auf die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen — verloren zu haben, führten spätestens ab 1950 dazu, daß die UFC sich systematisch um die Schaffung von Bedingungen bemühte, die die für ihre Interessen bedrohliche Entwicklung stoppen sollten.
Dazu richtete die UFC ihre Aufmerksamkeit zuerst auf die Beeinflussung der Meinungsbildung in den U.S.A. selbst, sowohl was die Medien, als auch was die verantwortlichen Politiker betraf.
1950 begann Edward Bernays, ‘einer der gerissensten lebenden Public-Relations-Experten’, mit einer großangelegten Propagandakampagne gegen die Regierung Guatemalas in den Medien der U.S.A.. Er organisierte Reisen von Journalisten nach Guatemala, die völlig von der UFC bezahlt wurden und bei denen die Journalisten mit von der UFC ausgewählten Interviewpartnern und ‘Experten’ zusammentrafen.
Zahlreiche wichtige Zeitungen und Zeitschriften, sowie die Nachrichtenagentur UPI ließen sich aufgrund von Bernays hervorragenden Kontakten praktisch in die Kampagne integrieren und begannen über die positiven Aktivitäten der UFC in Mittelamerika und die ‘kommunistische Unterwanderung’ Guatemalas zu berichten.
Die Bedrohung der Interessen der UFC und die ‘kommunistische Bedrohung’ begannen ineinander verwoben zu werden, allmählich geriet jede Aktivität, die der UFC schaden konnte, in den Verdacht, zumindest ‘kommunistisch inspiriert’ zu sein ...
(3)

Wir ahnen, wohin das führt ... vielleicht können Sie eine Abkürzung nehmen?

US-Außenminister John F. Dulles formulierte es 1954 so: ‘Der internationale Kommunismus hat seit mehreren Jahren hier und dort in Amerika nach Nistplätzen gesucht. Er hat schließlich Guatemala als einen Punkt ausgesucht, den er in eine offizielle Basis verwandeln konnte, von der aus er Subversion in die anderen amerikanischen Republiken verbreiten würde. Dieses Eindringen des sowjetischen Despotismus war natürlich eine direkte Herausforderung unserer Monroe-Doktrin, des ersten und grundlegenden Grundsatzes unserer Außenpolitik.’ ...
Im Januar 1954 wurden die Vorbereitungen der Invasion und die Rolle der U.S.A. endgültig und kaum bestreitbar öffentlich bekannt. Zahlreiche Dokumente, die die Verschwörung bewiesen, erschienen als Faksimile in den Zeitungen des Landes. Die ertappte US-Regierung blieb kühl. Das Außenministerium erklärte, solche Vorwürfe seien "lächerlich und unwahr", und ließ verlauten:
"Es ist geltende Politik der Vereinigten Staaten, in die internen Angelegenheiten anderer Nationen nicht zu intervenieren. Diese Politik ist von der gegenwärtigen Regierung wiederholt bekräftigt worden." ...
Am 18. Juni 1954 begann der militärische Teil der Intervention, die mit der Einsetzung einer Regierung endete, deren Chef als ‘Befreier’ im Flugzeug des amerikanischen Botschafters eingeflogen wurde, die U.S.A. hatten in Guatemala nach eigener Einschätzung ihre Vorstellungen von Freiheit und demokratischen Werten durchgesetzt. Geschätzte Kosten des Unternehmens: etwa 20 Millionen Dollar.
(3)

Danke, Herr, Dr. Jochen Hippler, vielleicht ist einigen unserer Gäste der Appetit auf BANANA-SPLIT vergangen, schauen Sie doch ‘mal nach, ob für Sie noch ‘was übrig ist ...

Bei uns heisst es jetzt:

DAS OHR AUF DIE SCHIENEN DER GESCHICHTE LEGEN!!!


— ratata — ratata — ratata ...

   
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