© KJS / 2007

Einführung
Vorwort
Kapitel 01
Kapitel 02
Kapitel 03
Kapitel 04
Kapitel 05
Kapitel 06
Kapitel 07
Kapitel 08
Kapitel 09
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
Kapitel 21
Kapitel 22
Kapitel 23
Kapitel 24
Kapitel 25
Kapitel 26
Kapitel 27
Kapitel 28
Kapitel 29
Kapitel 30
Kapitel 31
Kapitel 32
Kapitel 33
Kapitel 34
Kapitel 35
Kapitel 36
Kapitel 37
Kapitel 38
Kapitel 39
Kapitel 40

 
TAZARAmit der Eisenbahn durch die Zeitgeschichte © KJS / 2008
Vater & Sohn Rockefeller - Quelle: Edward J. Epstein
ACHTUNG AN DER BAHNSTEIGKANTE!
Steigen Sie ein zur Fahrt mit dem TAZARA-Express durch die Zeitgeschichte.
Die virtuelle Reise ist längst über die hier vorgestellten Lesestationen hinaus.
Sie ist auf bisher 412 Seiten dokumentiert.
Eine pdf-Version kann erworben werden für nur:
4 Euro
Einfach am Monitor blättern, oder alles ausdrucken.
Schicken Sie dem Weichensteller, Klaus Jürgen Schmidt, eine Anfrage:
radiobridge@aol.com
Mit dem Text erwerben Sie das Recht, kostenlos auch das Ende der TAZARA-Geschichte als pdf-file zu erhalten, sobald die Protagonisten des virtuellen TAZARA-Expresses das Abstellgleis erreicht haben. Ausserdem gibt es Zugang zu einer Website mit allen ständig aktualisierten online-Quellen.
Diese erlauben eigene, weiterführende Recherchen.

KAPITEL 2

BODENSCHÄTZE SIND FÜR AFRIKA KEINE MENSCHENSCHÄTZE

Krieg bei den Nachbarn — in Angola, in Mosambik — verhinderten den Kupfer-Transport an die Küste im Westen oder an die Küste im Osten. Und in die Häfen des Südens? Dein eigener Verein stand da im Wege: Das UN-Embargo gegen die Apartheidsregime in Südafrika und Rhodesien!
Und das ist deine andere Koordinate, Dag — ein bisschen präziser, bis auf die Sekunde, dank GOOGLE ... Kennst du nicht? Gab’s damals noch nicht!
Wir haben’s auf dem Bildschirm:
Geografischer Breitengrad 40° 42’42" Nord, geografischer Längengrad 74° 0’45" West ... ein Grundstück, das 1946 in New York bekannt war als "X-City" und das an Manhattans Ostgrenze wirtschaftlichen Gewinn versprach ...


"Ich hab’s gestiftet!"
"Wer sind Sie, Sir?"
"John D. Rockefeller Jr. — Ist mir eine Ehre, Mr. Hammarskjöld!"
"Haben Sie den selben Tunnel genommen?"
"Es gibt da einen Salonwagen für VIPs ... das Umsteigen ist von da aus ein bisschen bequemer!"

... Und wahrscheinlich ist das Bier da noch kalt! ...

Wir dürfen vorstellen: Hammarskjöld — Rockefeller ...
... der eine 1905 geboren, der andere 1874 — der eine 1961 gewaltsam um’s Leben gebracht — als Opfer der Kartelle, der andere ein Jahr zuvor friedlich aus dem Leben geschieden — als Ikone derselben ... und mit wirksamem Nachlass:
$ Rockefeller-Bank
$ Rockefeller-Stiftung
$ Rockefeller-Universität
$ et cetera ... et cetera ...


"Vergessen Sie bitte nicht den ‘Rockefeller-Forest’ im ‘Humboldt Redwoods State Park’ — abgesehen von vielen anderen Landstücken, die ich gestiftet habe für so manchen Nationalpark in meinen Vereinigten Staaten von Amerika ... Ich meine, ich war damals schon einer mit einem ‘grünen Finger’."
"Wie gerne wäre ich in Ihren Parks gewandert, Sir! ... Grand Teton, Acadia, Great Smoky Mountains, Yosemite, Shenandoah ... Vielleicht sogar zusammen mit Ihnen? Haben Sie es ‘mal versucht? ... Wären Sie doch mit mir gewandert damals in Lappland, vielleicht hätte ich nicht diese Hymne gehört ..."

Der regenschwere milde Ostwind des herbstlichen Lapplands rollt das ausgetrocknete Flussbett hinab.
Am Ufer rütteln die gilbenden Birken im Sturm.
Die ersten Takte der grossen Vernichtungshymne.
Nicht eine Hymne zur Vernichtung oder aus Vernichtung.
Nicht eine Hymne trotz Vernichtung.
Sondern der Untergang, der Hymne ist.
(1)

"Nun, Wandern ist nicht gerade eines der Talente, die mir mein Vater in die Wiege gelegt hat ... ich meine, als jemand, der für den Beginn des industriellen Zeitalters den Schmierstoff lieferte ... um zu wandern, muss man in meinen Vereinigten Staaten von Amerika erstmal autofahren ... also habe ich den John D. Rockefeller Jr. Memorial Parkway gestiftet, den Highway, der den Yellowstone National Park mit dem Grant Teton National Park verbindet."

Entschuldigung — als Ihr Herr Vater seinerzeit in Pennsylvania das Öl-Geschäft entdeckte, in den Siebzigern und in den Achtzigern des vor ... vorigen Jahrhunderts, da gab es noch keine Highways, keine Tankstellen für Autos, weil ... es gab noch nicht mal Auto-Fabriken!

"Mein Vater hat der Welt das Licht gebracht! Als ich geboren wurde, 1874, da sah ein amerikanischer Reisender in den antiken Wohnstätten von Ninive und Babylon Laternen flackern, die Kerosin verbrannten — das Produkt von Vaters Standard Oil ..."

Ninive und Babylon! — Na, alter Schwede, was klingelt da in deinem humanistischen Bildungsreservoir?

"Mesopotamien — älteste Darstellung eines Rades auf einem Flachrelief von Ur ... Ninive — am linken Tigris-Ufer, Hauptstadt des Assyrer-Reiches, zerstört 612 vor Christus durch Babylonier und Meder. Babylon — am alten Euphrat-Lauf, sein Stadtgott Marduk wurde in ganz Vorderasien verehrt ... Nebukadnezar ... die babylonische Gefangenschaft der Juden ... Belsazar und die Schrift an der Wand, das Menetekel ..."

Kennen Sie sicherlich, Mr. Rockefeller?

"Buch Daniel, Kapitel Fünf, unsere Familien-Bibel war frühe Pflicht-Lektüre, wissen Sie."

"Und ich mag die Geschichte, wie sie der deutsche Dichter Heine in seiner Ballade erzählte ... wenn die Anwesenden einverstanden sind? ..."

‘mal ein Gedicht nicht aus deiner Feder? ... Nur zu, Dag!

Die Mitternacht zog näher schon;
In stummer Ruh lag Babylon.

Nur oben in des Königs Schloss,
Da flackert's, da lärmt des Königs Tross.

Dort oben in dem Königssaal
Belsazar hielt sein Königsmahl.

Die Knechte sassen in schimmernden Reihn
Und leerten die Becher mit funkelndem Wein.

Es klirrten die Becher, es jauchzten die Knecht;
So klang es dem störrigen Könige recht.

Des Königs Wangen leuchten Glut;
Im Wein erwuchs ihm kecker Mut.

Und blindlings reisst der Mut ihn fort;
Und er lästert die Gottheit mit sündigem Wort.

Und er brüstet sich frech, und lästert wild;
Der Knechtenschar ihm Beifall brüllt.

Der König rief mit stolzem Blick;
Der Diener eilt und kehrt zurück.

Er trug viel gülden Gerät auf dem Haupt;
Das war aus dem Tempel Jehovahs geraubt.

Und der König ergriff mit frevler Hand
Einen heiligen Becher, gefüllt bis am Rand.

Und er leert ihn hastig bis auf den Grund
Und rufet laut mit schäumendem Mund:

"Jehovah! dir künd ich auf ewig Hohn -
Ich bin der König von Babylon!"

Doch kaum das grause Wort verklang,
Dem König ward's heimlich im Busen bang.

Das gellende Lachen verstummte zumal;
Es wurde leichenstill im Saal.

Und sieh! und sieh! an weisser Wand
Da kam's hervor wie Menschenhand;

Und schrieb, und schrieb an weisser Wand
Buchstaben von Feuer, und schrieb und schwand.

Der König stieren Blicks da sass,
Mit schlotternden Knien und totenblass.

Die Knechtenschar sass kalt durchgraut,
Und sass gar still, gab keinen Laut.

Die Magier kamen, doch keiner verstand
Zu deuten die Flammenschrift an der Wand.

Belsazar ward aber in selbiger Nacht
Von seinen Knechten umgebracht.


"Da hat Ihr Heinrich Heine aber das Wesentliche ausgelassen ... seltsam für einen Juden ... äh, war er doch?"
"Sie kennen’s ja aus Ihrer Bibel, tatsächlich wurde das Menetekel übersetzt und gedeutet von einem Juden ... Zum besseren Verständnis für die weniger Bibelkundigen unter den Anwesenden:
Daniel war ein von Jerusalem nach Babylon verschleppter jüdischer Prophet. Er hatte diesem König schon früher Träume gedeutet und genoss daher hohes Ansehen.
Belsazar liess also Daniel holen, damit der ihm die unbekannte Schrift auslege.
Daniel kam wie befohlen, erkannte, dass es sich um aramäische Verben handelte und las vor ...
Mene, mene tekel u-parsin.
Er übersetzte sinngemäss: ‘Gezählt, gewogen und aufgeteilt.’
Dann erläuterte er die Worte, die der Gott der Juden an die Wand geschrieben hatte: ‘Mene heisst soviel wie gezählt, weil die Tage deiner Herrschaft gezählt sind. Gott setzt Ihnen ein Ende. Tekel heisst gewogen, und Gott hat dich für zu leicht befunden. Du kannst nicht vor ihm bestehen.
U-parsin heisst aufgeteilt, und zwar unter die Meder und Perser. Dein Reich wird aufgeteilt werden’."

Die Schrift an der Wand, Dag — Heine hat’s gedichtet, Rembrandt hat’s gemalt, Händel, Schumann, Rossini haben’s vertont, Mr. Rockefeller hier hat’s in der Familienbibel gelesen. Jeder scheint die Geschichte aus dem alten Babylon zu kennen ... was sagt es aber einem Geo-Strategen der neueren Schule?
Ihr habt da oben doch Radio, oder so ‘was ähnliches? Und das ist doch bestimmt ein bisschen schlauer als das bei uns hier unten!
Ich meine, das bei uns hier unten, will uns ja weismachen, alles zu senden "WAS DIE WELT BEWEGT!" Ihr da oben erfahrt doch wohl eher "WER DIE WELT BEWEGT", oder?

"Ninive und Babylon? — Ruinen im Zweistromland, schon zu meinen Zeiten bekannt als Irak, und — wenn’s mich nicht 1961 im Kongo erwischt hätte — dann vielleicht am Persischen Golf. Im selben Jahr erhob ein irakischer Revolutionsrat schon einmal Ansprüche auf Kuwait ..."

Treffer! Wären’s nicht schon Ruinen gewesen, Mr. Rockefeller, Ihre Vereinigten Staaten von Amerika hätten das schon klein gekriegt ... Übrigens ohne den Segen des vorletzten Nachfolgers in deinem Amte, Dag, das wollen wir gerne festhalten ...
... Doch der zeigte sich nicht so widerspenstig wie du damals in der Kongo-Affäre. Ihn hat man der Welt als Pensionär erhalten ...

... ... ... REGIE! ... Hallo ... AUFTRITT!!!


"Sorry ... in der Geisterbahn klemmt die Tür zum Salonwagen! Kein VIP im Moment zur Verfügung!!!"

Wieso wundert uns das nicht? Da soll der erste afrikanische VIP erscheinen — und wieder klemmt ‘was ... Wer macht weiter?... Herrschaften, ich bitte um Improvisation!

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