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Einführung
Vorwort
Kapitel 01
Kapitel 02
Kapitel 03
Kapitel 04
Kapitel 05
Kapitel 06
Kapitel 07
Kapitel 08
Kapitel 09
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Kapitel 26
Kapitel 27
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TAZARA ... mit der Eisenbahn durch die Weltgeschichte © KJS / 2009

Vater & Sohn Rockefeller Edward J. Epstein

KAPITEL 11  



„Ihr Vater, Mr. Rockefeller, hatte früh erkannt, daß nicht das Fördern von Erdöl, sondern dessen Weiterverarbeitung und Transport gewinnträchtig sein würden.
Durch die Konkurrenz von zwei Eisenbahnlinien und dem naheliegenden Seeweg, kombiniert mit der Zusicherung eines gleichbleibenden Ölflusses für den Transport, konnte er äusserst günstige Frachttarife bei den Eisenbahngesellschaften aushandeln.
Die Kombination von Grösse, Effizienz und Rabatte machten seinen Vorsprung vor der Konkurrenz aus, und seine Vision war die Vermeidung von unnötigen Kosten und Preiskämpfen durch die Fusion aller Raffinerien in einer grossen Organisation, er betrieb also die Monopolisierung der Branche.
Um dies zu verwirklichen gründete er 1870 die Standard Oil-Organisation.
In den Folgejahren vergrösserte sich der Konzern durch die Übernahme weiterer Ölfirmen und Raffinerien. Dabei erhielten die ehemaligen Besitzer eine Beteiligung an Standard Oil und profitierten damit von der steigenden Monopolisierung.
Kartellabsprachen, Aufkäufe durch Strohmänner, Dumpingpreise, illegale, sogar kriminelle Methoden waren gängiges Handlungsmuster beim Aufstieg.
1879 kontrollierte die Standard Oil schliesslich neunzig Prozent der Raffineriekapazität in den U.S.A., aber in der Öffentlichkeit hatte das rabiate und skrupellose Ausschalten von Konkurrenten den Ruf des Namens Rockefeller ruiniert.”
„Mein Vater wurde achtundneunzig Jahre alt! Ich war bereits dreiundsechzig bevor ich sein Erbe antreten konnte, mein Herr!”

Soll das heissen, der Ruf war schon hin, bevor Sie an’s Ruder kamen, Sir?

„Es muss ein Schock gewesen sein — als einziger Spross schon fast im Rentenalter, immer noch ... und bis an’s Lebensende ‚Junior’ genannt ... endlich der erste Versuch, das Familiengeschäft zu übernehmen, und dann passiert das:
Ein Streik bei der Rockefeller-Minengesellschaft Colorado Fuel & Iron Co. weitet sich zu bewaffneten Kämpfen aus. Der Streik begann 1914 in der Minenstadt Ludlow / Colorado, das Recht zur Gewerkschaftsbildung sollte durchgesetzt werden. Als Gegenmittel warf der Konzern die streikenden Arbeiter, die mit ihren Familien in konzerneigenen Wohnungen lebten, mitten im Winter buchstäblich auf die Strasse.
In einer hastig aufgebauten Zeltstadt setzten die Arbeiter den Streik fort, bis es zu ersten Schusswechseln kam mit Milizen, die von Ihrem Unternehmen — Mr. Rockefeller — aktiv unterstützt wurden.
In erbitterten Kämpfen, die auch mit Maschinengewehren ausgetragen wurden, ging den Streikenden schliesslich die Munition aus, und die Milizen der Mine übten Selbstjustiz. Sie schütteten Öl über die Zelte und zündeten sie an, wobei elf Kinder und zwei Frauen starben.
In den nächsten zehn Tagen wurde weiter gekämpft, bis Präsident Wilson die Armee nach Colorado beorderte. Insgesamt starben dreiunddreissig Menschen.
... Das Ludlow-Massaker blieb an Ihnen kleben, Mr. Rockefeller — wie an mir die Niederschlagung des Matrosen-Aufstandes von Kronstadt!”

„The Colorado strike was one of the most important things that ever happened to the family!”

Der Colorado-Streik war eines der wichtigsten Dinge, die der Familie je passiert ist?
Das haben Sie Ihrem offiziellen Biographen, Raymond B. Fosdick, erzählt — und Ihre persönliche Konsequenz?
Ein neues Image musste her! Eines ausserhalb von Corporate Business. Sie schufen dafür einen komplett neuen Industriezweig, Public Relations, mit dem einzigen Auftrag, die öffentliche Aufmerksamkeit vollständig auf die von nun an verstärkte Wohltätigkeitsarbeit Ihrer Familie zu lenken ...
... Junior übergab das Familien-Geschäft professionellen Managern — und wurde Philanthrop!


„... Sehen Sie, Mr. Rockefeller, es ist wahr, in der Sowjetunion erhoben sich Bauern gegen uns, weil wir ihr Korn für unsere Soldaten beschlagnahmten; es ist wahr, als Volkskommissar für das Kriegswesen hatte ich eine Armee aus schlecht ausgebildeten Arbeitermilizen und Freischärlern aufzubauen — demokratische Abstimmungen hätten dieser Roten Armee nicht weitergeholfen gegen einen bestens geschulten und gerüsteten Gegner.
Damals, Mr. Rockefeller, mussten wir mit einer grossangelegten Invasion kämpfen: So befanden sich auf unserem Territorium — neben Truppen Polens — siebzigtausend Japaner, zweitausendfünfhundert Briten, tausendfünfhundert Franzosen, genauso viele Italiener und — achttausend U.S.-Soldaten, ja — auch Amerikaner!
Und die liessen unseren inner-russischen Gegnern, der Weissen Armee, erhebliche finanzielle, materielle und personelle Unterstützung zukommen!
Und warum das alles, Mr. Rockefeller?”

Ich bin bereit zuzugeben, daß ein Bürgerkrieg keine Schule für menschliches Verhalten ist. Idealisten und Pazifisten haben der Revolution immer Exzesse vorgeworfen. Die Schwierigkeit der Sache liegt darin, daß die Ausschreitungen der eigentlichen Natur der Revolution entspringen, die selbst ein Exzess der Geschichte ist. Mögen jene, die dazu Lust haben, die Revolution aus diesem Grund verwerfen. Ich verwerfe sie nicht.

— tazara — tazara — tazara ...


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