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TAZARA ... mit der Eisenbahn durch die Weltgeschichte © KJS / 2009
wikipedia
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Weisst du, was ein „BLOG“ ist, Dag? Gab es noch nicht zu deiner Zeit ...
Ein BLOG besteht aus vielen Worten, die jeder, der es will, jeden Tag jedem, der es will, mitteilt — digitale Chiffren auf flickernden Bildschirmen, ein individuelles Tagebuch, zugänglich im WWW, im WeltWeitenWeb, ein Logbuch für private Gedanken über öffentliche Ereignisse, oft bizarr, manchmal propagandistisch …


2 Du fragst, ob diese Aufzeichnungen nicht letztlich ein Betrug an dem Lebensweg sind, den du dir vorgeschrieben? Diese Aufzeichnungen —? ...

Ach ja, Dag, dein Tagebuch, handgeschrieben, wie wir vermuten, als Teil deines Erbes einem Freund überlassen ...
2 Als der es unter dem Titel „Vägmärken“ in Stockholm erscheinen liess, erlebte das Buch einen sensationellen Erfolg, obwohl es eigentlich alle Erwartungen hätte enttäuschen müssen. Nichts darin von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, jener Welt, in der du als Abkömmling einer alten Adelsfamilie des Landes, zu Hause warst.
Für viele war es veblüffend, in dem kühlen, verschlossenen Politiker einem religiösen Denker, einem Mann der Meditation und des Gebets, einem „christlichen Staatsmann“, einem Dichter zu begegnen …


2 ... Sie waren Wegzeichen, aufgerichtet, als du an einen Punkt kamst, wo du sie brauchtest, einen festen Punkt, der nicht verlorengehen durfte. Und das sind sie geblieben. Aber dein Leben hat sich verändert, und du rechnest nun mit möglichen Lesern. Vielleicht wünschst du sie dir sogar! Für manchen könnte es doch von Bedeutung sein, einen Schicksalsweg zu verfolgen, über den der Lebende nicht sprechen mochte. Ja, aber nur wenn deine Worte aufrichtig sind, jenseits von Eitelkeit und Selbstbespiegelung.

Nun, die „BLOGS“ des Internet-Zeitalters sind eher geschwätzig — auf jeden Fall unzensiert. Insofern bilden sie gelegentlich doch ein Korrektiv zu digitalen Manipulationen spezialisierter Handlanger altersloser Nutzniesser von Konflikten in der wirklichen Welt ...
Ein solches „weBLOG“ haben wir jetzt auf dem Bildschirm.
Zum Thema SUDAN waren bei uns bislang eigentlich nur männliche Schreiberlinge zu Wort gekommen: Karl May etwa, und Wilbur Smith. Deshalb freuen wir uns, jetzt eine Frau begrüssen zu können:
Martina Kausch aus Neunkirchen in Deutschland —
Betreiberin der Web-Debattierecke von „Kausch & Friends“.


Daß die Grenzen des Sudan künstlich gezogen wurden und nicht aus „Eroberungszügen“ stammen, sieht jeder sofort, wenn er oder sie einen Blick auf die Karte wirft: sie sind mit einem Lineal gezogen und haben rechte Winkel. Solche geraden Grenzen sind ein erster Hinweis dafür, daß fremde Herren sich mehr oder weniger friedlich mit den Kolonialherren der Nachbarländer auf deren Verlauf geeinigt haben. Ein weiterer Hinweis bietet ein Blick in jedes Geschichtsbuch, das es wagt, auch die Geschichte Afrikas näher zu beleuchten ...

„The Scramble for Africa! — Das sagt Ihnen doch ‘was, Miss, oder? ‚Die Balgerei um Afrika?‘ — Das Rennen um die saftigsten Scheiben vom afrikanischen Braten, scharf abgetrennt mit dem Tranchiermesser. Das war meine Zeit!
Wenn man eine Linie zieht von Kapstadt nach Kairo, wie ich es tat, und eine andere von Dakar in Westafrika an’s Horn von Afrika im Osten, wie es die Franzosen gerne wollten, dann kreuzen sich die beiden Linien im östlichen Sudan, nahe Fashoda.
Eine französische Streitmacht unter Jean-Baptiste Marchand erreichte das strategisch wichtige Fort bei Fashoda kurz vor einer britischen unter Lord Kitchener. Und so kam es, 1898, zum berüchtigten Fashoda-Zwischenfall, der beinahe zum Krieg zwischen Britannien und Frankreich geführt hätte.
Kitcheners bessere Nerven halfen grandmamma, aus dem Unentschieden einen historischen Sieg hinzudrehen, die Franzosen zogen sich zurück. Im März 1899 einigten sich beide Seiten, die Nil-Quellen und den Kongo-Fluss als Grenzen ihrer jeweiligen Einflußsphären anzuerkennen ...“

Grandmamma? …

„Nun, das war immer mein Name für die alte Heimat, für Britannien. Manche dachten, ich meinte damit Queen Viktoria, die ja auch die ‚Grossmutter Europas‘ genannt wurde. Durch ihre neun Kinder war sie mit fast allen europäischen Fürstenhöfen verwandt, der deutsche Kaiser war ihr Enkel!
Aber für mich war es eher Britannia who rules the world.
Ich lebte in einer Glanzepoche mit höchster politischer Machtentfaltung, mit wirtschaftlicher Prosperität, mit imperialistischer Expansion, mit Indien als Kaisertum! ...“

… und mit kultureller Verflachung und viktorianischer Prüderie, Mr. Rhodes, was — wie wir noch sehen werden — sich auf Ihr Erbe auswirken sollte! …
Frau Kausch, machen Sie doch bitte weiter.


Warum werfe ich jetzt mein Augenmerk auf den Sudan?
Im Westen des Sudans befindet sich die Region Darfur, die vor einigen Jahren (2003) in den Mittelpunkt der medialen und gesellschaftlichen Aufmerksamkeit geriet. Sicherlich erinnern sich jetzt noch alle an die Bilder, oder etwa nicht?
Im Sudan gibt es eigentlich nicht viel, außer vielleicht viel Sand und ERDÖL! Und hier möchte ich nun einfach einen kleinen Hinweis geben, wie Wirtschaft und Regierungen miteinander Tasche in Tasche, Hand in Hand wirken.
(Und wenn Ihr mich im Web besucht, findet Ihr dort für alle verwendeten Texte die Quellen-Angaben.)
1977 stieß der texanische Konzern „Chevron“ (Texaco-Gruppe) bei Probebohrungen südlich der Nuba-Berge auf reichhaltige Ölquellen. Daraufhin legte die sudanesische Regierung die Grenzen der Bundesstaaten neu fest, die Ölgebiete sollten unter die Kontrolle des Nordens gebracht werden. Und die Regierung begann, Menschen aus den Ölgebieten zu vertreiben, da sie an zügiger Förderung interessiert war, um ihren Devisenbestand zu vergrößern.
Wegen der anhaltenden Kämpfe in diesem Gebiet verkaufte „Chevron“ 1983 seine Konzessionen an die kanadische „Arakis Oil Corporation“, die seitdem ein Viertel des Konsortiums hält. Desweiteren sind chinesische Firmen mit 40 Prozent, malaysische mit 30 Prozent, und sudanesische, regierungsnahe Firmen an dem Projekt beteiligt. Außerdem erhielten französische, österreichische und U.S.-Firmen Konzessionen für die Öl-Förderung.
Für die im Bau befindliche Pipeline zwischen den Öl-Gebieten und Port Sudan hatte auch das deutsche „Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit“ (BMZ) 1983 zwei Kredite beigesteuert.
Unter massivem Militärschutz begann 1999 die Produktion durch chinesische, malaysische, kanadische und schwedische Firmen. Im Jahr 2000 wurden acht Millionen Tonnen gefördert. Die Netto-Einnahmen der Regierung wurden in diesem Jahr auf dreihundert Millionen Dollar geschätzt.
Hier unterbreche ich nochmal den zitierten Text für einen persönlichen Einwurf: Ihr erinnert Euch noch an die Bilder aus dem Sudan, die vor wenigen Jahren über den Äther ausgestrahlt wurden. Erinnert Ihr Euch noch daran, wie wohlgenährt und bestens gekleidet die Kinder aus ihren großen Augen in die Kameras sahen? Erinnert Ihr Euch noch an die hervorragend gebauten Häuser und Zelte, in denen die Bewohner des Landes lebten? Nein? Ihr erinnert Euch nur an Hunger und Elend? Nun überlegt, was mit den ca. dreihundert Millionen U.S.-Dollar wohl geschehen sein mag ...
Welche Folgen die forcierte Öl-Förderung für Umwelt und Zivilbevölkerung haben, ließ die kanadische Regierung 1999 untersuchen. Ihre Ergebnisse waren erschreckend: Intensivierung der Kämpfe im Fördergebiet, Flucht und Vertreibung der Zivilbevölkerung, Verschärfung sklavereiähnlicher Zustände, Umweltschäden wie zum Beispiel verbrannte Felder ...
Klar, alle obigen Zitate sind entstellt und aus dem Zusammenhang gerissen, also bemühe ich mich einfach mal darum, herauszufinden, was unsere Bundesregierung, besser das Auswärtige Amt, als Grund für die Not in Darfur angeben.
(Ich lese:)
Traditionell konkurrieren in Darfur sesshafte afrikanische Stämme, wie zum Beispiel Fur, Zaghawa und Massalit, mit arabischstämmigen Nomaden um knappe Ressourcen. Diese Spannungen konnten lange Zeit durch tradierte Konfliktlösungsmechanismen unter Kontrolle gehalten werden. Durch eine weitere Verknappung von Weideland und Wasser (fortschreitende Versteppung und Trockenperioden) wurde der Konflikt seit den achtziger Jahren verschärft. Dazu kommen Arabisierungsbestrebungen der sudanesischen Regierung. Sie nutzte das bestehende Konfliktpotential, um eigene Interessen zu verfolgen.
Die Janjaweed-Milizen begingen unter der Verantwortung und teilweise in enger Kooperation mit der sudanesischen Regierung ungestraft schwerste Menschenrechtsverletzungen und Gräueltaten an der Zivilbevölkerung. Eine durch den Generalsekretär der Vereinten Nationen eingesetzte Untersuchungskommission berichtet von Massenexekutionen, Massenvergewaltigungen, Vertreibungen sowie Verhinderung der Rückkehr der Flüchtlinge durch Abbrennen und Zerstörung der Dörfer. Die sudanesische Regierung hat zudem über viele Monate hinweg humanitäre Hilfslieferungen nach Darfur massiv behindert oder ganz unmöglich gemacht.
Der Bericht der Untersuchungskommission vom Januar 2005 macht deutlich, daß es bei den Militäraktionen der sudanesischen Armee weniger um Angriffe auf Rebellenziele ging, sondern vor allem um die Terrorisierung der Zivilbevölkerung.
Doch auch die Rebellenorganisationen haben sich schwerer Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen schuldig gemacht. Im Zuge des Darfur-Konflikts sind nach internationalen Schätzungen mehr als 200.000 Menschen ums Leben gekommen.
(Das alles erfahre ich vom Auswärtigen Amt im Internet.)
Lest Ihr da irgendwas von Erdöl? Ich nicht ... ich finde nur Hinweise auf ethnische Konflikte und Streitigkeiten um Trinkwasser, böse Rebellen und eine noch bösere Regierung. Kein Wort dazu weshalb die Volksstämme tatsächlich vertrieben wurden, nämlich um in Ruhe endlich an das Erdöl zu kommen ...
Jetzt bin ich gespannt, wen ich wieder enttäuscht haben mag — nur weil ich davor warne, sofort jeder Solidaritätsbekundung zuzustimmen.
Wir müssen unser System, unsere Ansprüche und unser Leben grundlegend überdenken! Höchstwahrscheinlich sind wir noch nicht soweit, uns das selbst einzugestehen.
Mit jedem Anschlag auf diese Tastatur, mit jeder CD, die ich brenne, mit jedem Kilometer, den ich mit dem Auto fahre, mit jeder Verpackung, die ich aufreiße, unterstütze ich solche Aktivitäten, wie oben beschrieben: Zur Herstellung von Plastik wird nun mal Erdöl benötigt, um die Zutaten für die Produktion von CDs zu bekommen, wird nun mal Erdöl benötigt ...
Ahnt Ihr, worauf ich hinaus will?
Und der angedachte Gedankengang mag Euch wohl nicht schmecken, gelle?


Danke, Frau Kausch! Und wir ahnen, wem das alles bestimmt nicht schmecken mag — gelle, Mr. Rockefeller? Stichwort Chevron!

1911 war der „Standard Oil Konzern“ nach einem Anti-Trust Verfahren vom Obersten Gerichtshof der U.S.A. in fünfunddreissig Einzelgesellschaften zerschlagen worden. Durch überkreuzende Direktorenposten und Beteiligungen von Familienmitgliedern sowie befreundeter Manager und Unternehmer konnten die Rockefellers ihren Einfluß auf viele Nachfolgegesellschaften aufrechterhalten, so auf die „Standard Oil of California“ (Socal).
SOCAL fusionierte 1926 mit Pacific Oil und engagierte sich schon Anfang der dreissiger Jahre im Nahen Osten. Als erster Konzern fand SOCAL Öl in Saudi-Arabien. Bis heute hat der Konzern eine starke Stellung im Nahen Osten.
1961 kaufte SOCAL die „Standard Oil of Kentucky“ und 1984 schließlich den großen Konkurrenten GULF OIL.
Gleichzeitig wurde der Firmenname in CHEVRON geändert. Die Konsolidierungswelle in der Ölindustrie fand dann 2001 einen Höhepunkt in der Fusion von CHEVRON mit TEXACO.


Und was passierte im Sudan?
1977 bei den Nuba-Bergen Erdöl gefunden?
1983 die Konzession an Kanadier verkauft?
Wegen anhaltender Kämpfe in diesem Gebiet?
Zwanzig Jahre später sitzen mehrheitlich Chinesen an Sudans Ölquellen?
Schon wieder ein Management-Fehler von Room 5600, den es auszubügeln gilt?



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