KAPITEL
10
"Aus
welcher Quelle kommen solche falschen
Anschuldigungen? Sie sollten wissen, dass
es einen solchen Artikel in der
Verfassung meiner Vereinigten Staaten von
Amerika gar nicht gibt!"
... Nun, Mr.
Rockefeller, jemand hat in der Tat den
originalen 13. Zusatzartikel zur
Verfassung der Vereinigten Staaten
verschwinden lassen, er wurde auf
geheimnisvolle Weise ersetzt durch einen
anderen Text, mit dem nach dem
Bürgerkrieg die Sklaverei verbannt
wurde.
Bis zum Jahr 2002 sah es so aus, als
wäre diese Manipulation nie mehr
nachzuweisen. Doch dann fanden
Rechercheure im Bundesstaat Virginia ein
Buch, das 1825 mit der Autorität des
Kriegsministeriums veröffentlicht worden
war. Es enthielt die
"Militärgesetze der Vereinigten
Staaten", und angehängt war die
Verfassung der U.S.A. von 1825 mit dem
originalen 13. Zusatzartikel, der es
Amtsträgern verbietet, durch einen
ausländischen Staat Titel anzunehmen
oder für ihn Dienste auszuüben.
Das war seinerzeit für die
Gründerväter offenbar von grosser
Bedeutung angesichts von Versuchen der
eben überwundenen britischen
Kolonialmacht, Handlanger für ihre
Interessen in der "Neuen Welt"
zu gewinnen.
Solange nicht durch eine oberste
Rechtsinstanz geklärt ist, wie und durch
wen der Austausch der Texte erfolgte, und
ob die Bestimmungen des alten Textes je
durch einen Rechtsakt aufgehoben wurden,
bleibt dieser Verfassungsgrundsatz in
Kraft mit anderen Worten, ein
Zuwiderhandeln bleibt strafbar!
"Woher kommen die Stimmen aus den
Lautsprechern? Ich bestehe darauf,
endlich zu erfahren, wer hier eine Art
rollendes Gerichtsverfahren durchführen
will!"
Señor Galeano,
helfen Sie bitte Mr. Rockefeller weiter?
"Wenn Sie, wie ich, gelegentlich aus
dem Fenster schauen würden, Mr.
Rockefeller, hätten Sie es schon erraten
...
Schauen Sie, hier auf der pazifischen
Seite fallen die Anden viel steiler ab
als auf der atlantischen Seite.
Von Caracoles nach Los Andes sind es
bloss knapp einundsiebzig Kilometer, aber
auf dieser Strecke geht es
zweitausendsechshundertsechzig Meter in
die Tiefe. Seit wir den Cumbre-Tunnel
verlassen haben, macht die Bahnlinie also
immer wieder relativ spitze Kehren
eine Meisterleistung der Ingenieure und
der Bauarbeiter ... und ein Beispiel für
überseeische Kapitalanlagen.
Vierhundertsechsundsiebzig Millionen
Liter Wein pro Jahr im argentinischen
Mendoza brauchten einen Transportweg zur
Pazifik-Küste. Die ist nur gute
dreihundertzwanzig Kilometer entfernt,
verglichen mit den weit über tausend
Kilometern zum Atlantik.
Argentinische und chilenische
Finanzkräfte erlahmten bei der
Mammutaufgabe, mit einem Schienenstrang
die Anden zu überwinden. Briten, nicht
gerade bekannt als Weinliebhaber, formten
in London ein Unternehmen, das in der
ersten Dekade des vergangenen
Jahrhunderts mit der Durchbohrung des
Cumbra-Bergmassivs die Gleise der
Transandine-Eisenbahnlinie von
argentinischer und von chilenischer Seite
zusammenführte ..."
Señor Galeano, Sie
wollten Mr. Rockefellers Fragen
beantworten! ...
... "Unser Zug aus Afrika, er folgt
hier auf der chilenischen Seite den engen
Kurven dieses Transandine Railway. Von
jedem Fenster aus ist der Zug immer
wieder fast in voller Länge zu sehen,
also auch alle aneinanderhängende
Waggons ...
Nun, Mr. Rockefeller, was haben jene
rostbraunen da am Ende des blauen
TAZARA-Express zu suchen?
"Das sind ja Vieh-Waggons!"
Germany meets the
rest of the world!
Keine Eisenbahn-Nostalgie mehr ohne
Erinnerung an die rostbraunen
Vieh-Waggons!
Arbeit macht
frei!
Wir, die "wissenden Stimmen",
sind nicht die "Erste", nicht
die "Zweite", nicht die
"Dritte Internationale",
Genosse Trotzki!
Wir sind auch nicht die "Vierte
Internationale", Mr. Rockefeller!
Hallo, Mr. Kissinger wo immer Sie
gerade einen
Dreissigtausend-Dollar-Vortrag halten
mögen
... wir sind die Geister, die Sie nicht
mehr loswerden
... wir sind die Malträtierten des
Ludlow-Massakers, des St.
Petersburg-Massakers
... wir sind die Geister der
Malträtierten in Chile, im Kongo, in
Indochina, im Irak
... wir sind die "Internationale der
Malträtierten"
... mit Gastrecht in diesen Viehwaggons,
gewährt von Juden und von Christen, von
Schwulen und von Kommunisten, von
Gewerkschaftern und von Krüppeln ...
REGIE! DVD AN!
DER LETZTE ZUG
Deutschland, Tschechien 2006
Concorde Filmverleih GmbH
Regie: Joseph Vilsmaier, Dana Vávrová
Drehbuch: Stephan Glantz, nach einer
Geschichte von Art Bernd
Darsteller: Gedeon Burkhard, Lale Yavas,
Lena Beyerling, Juraj Kukura, Sibel
Kekilli
Laufzeit: 123 min
Die Dinge ereignen sich, dann werden sie
zur Geschichte. Von Historikern/innen
wird Geschichte aus Quellen
rekonstruiert. Geschichte wird aber auch
in vielen Geschichten konstruiert, etwa
von Dichtern und den Medien. Der Film
"Der letzte Zug" erzählt so
eine Geschichte. Es ist die des letzten
Judentransports von Berlin nach Auschwitz
im April 1943.
DER HINTERGRUND
In der Zeit der nationalsozialistischen
Diktatur von 1933 bis 1945 verantworteten
die Entscheidungsträger und Funktionäre
der Deutschen Reichsbahn, die dem
Reichsverkehrministerium unterstellt war,
den Transport von mehreren Millionen
Menschen in westeuropäische
Durchgangslager und osteuropäische
Ghettos, in Konzentrations- und
Vernichtungslager, zu den Mordstätten in
der Nähe der lettischen Hauptstadt Riga
oder nach Minsk/Weißrussland.
Schätzungen zufolge wurden allein
zwischen 1941 und 1945 etwa drei
Millionen Menschen mit Zügen der
Deutschen Reichsbahn in den Tod
geschickt.
In der Betriebsabteilung der Reichsbahn
wurden die Fahrpläne für diese
Transporte ausgearbeitet. Die
Deportationen erfolgten mit Sonderzügen
und mit Waggons, die zum Teil auch an
Züge des regulären Personenverkehrs
angehängt werden konnten, je nach Umfang
der zu verfrachtenden Menschen.
Die Reichsbahn legte den üblichen
Fahrtarif von vier Reichspfennig pro
Person und Schienenkilometer zugrunde,
für Kinder wurde ein verbilligter
Fahrpreis in Rechnung gestellt. Bei der
Belegung eines Zuges mit mindestens 400
Menschen galt ein "Rabatt" von
50 Prozent. Die Kosten für den
jeweiligen Transport wurden aus den
konfiszierten Mitteln der Deportierten
gedeckt. Es war ein rentables Geschäft
für die Deutsche Reichsbahn, da Juden
aus ganz Europa verschleppt wurden, die
weite Fahrtwege zurücklegen mussten. 560
Kilometer Entfernung liegen zwischen
Auschwitz und Berlin, etwa 1.000
Kilometer zwischen Auschwitz und
Frankfurt am Main. Zudem waren die Züge
völlig überfüllt, 1.000 bis 2.000
Menschen wurden in den Waggons während
eines einzigen Transports
zusammengepfercht. Der Transport erfolgte
anfangs in Güter- oder Personenwagen,
schließlich sogar in Viehwaggons ...
Diese
Vieh-Waggons können von der Geschichte
nie mehr abgehängt werden!
Wir arbeiten hier! Wir machen uns frei!
Was, bitte, hat das alles mit uns zu tun,
Mädels?
Jetzt sollen da noch Viehwagen am Zug
hängen, hoffentlich haben sie dafür
nicht unseren Container aus Dubai
abgehängt!
Hallo! Wir würden gerne wissen, warum
wir jetzt schon seit einer Stunde nicht
mehr fahren! Brauchen wir dafür einen
Kissinger oder die CIA?
Ist die Lok kaputt, oder was? ...
Geduld! Wir bauen
um!
In der Zwischenzeit zeigen wir einen Film
über einen Mann, der mit Henry Kissinger
eines gemein hat: den Friedensnobelpreis!
Und er hat wie wir gehört haben
schon den deutschen
Kissinger-Freund und SPIEGEL-Herausgeber
Rudolf Augstein zu umfassender
Jesus-Recherche inspiriert.
Zwei Doktortitel hatte der Mann schon
erworben, den ersten in Philosophie, den
zweiten in Theologie, und 1913 folgte
seine medizinische Doktorarbeit "Die
psychiatrische Beurteilung Jesu:
Darstellung und Kritik".
In dieser Arbeit widerlegte er, analog
seiner theologischen Dissertation,
zeitgenössische Versuche, das Leben Jesu
aus psychiatrischer Sicht beleuchten zu
können gewiss ein ungewöhnliches
Thema für eine medizinische
Dissertation, aber es sollte ja zu den
Heiden nach Afrika gehen!
Im Alter von 38 Jahren war unser Mann
also in drei verschiedenen Gebieten
promoviert, hatte sich habilitiert und
war Professor.
Den Mann wollen wir genauer kennenlernen!
REGIE! BITTE DVD AN!
Film: ALBERT SCHWEITZER
Text geschrieben und gesprochen von
Albert Schweitzer
Musik: Alec Wilder, Orchester-Leitung:
Leon Barzin
Schnitt: Luke Bennett
Ton: C. Robert Fine
Photographie: Erica Anderson
Regie: Jerome Hill, 1957
Die, die an sich erfuhren, was Angst und
körperliches Weh sind, gehören in der
ganzen Welt zusammen. Ein geheimnisvolles
Band verbindet sie. Miteinander kennen
sie das Grausige, dem der Mensch
unterworfen sein kann, und miteinander
die Sehnsucht, vom Schmerze frei zu
werden. Wer vom Schmerz erlöst wurde,
darf nicht meinen, er sei nun wieder frei
und könne unbefangen ins Leben
zurücktreten, wie er vordem darin stand.
Wissend geworden über Schmerz und Angst
muss er mithelfen, dem Schmerz und der
Angst zu begegnen, soweit Menschenmacht
etwas über sie vermag, und anderen
Erlösung zu bringen, wie ihm Erlösung
war.

Als Zeitzeugen
begrüssen wir jetzt Herrn Werner
Möllenkamp, Jahrgang 1921.
Herr Möllenkamp verbrachte seine
Jugendzeit in Ostpreussen. Zu Beginn des
Zweiten Weltkrieges von der Schulbank zum
Wehrdienst gerufen, nahm er als junger
Offizier am Ostfeldzug teil. Nach dem
Krieg studierte er technische
Wissenschaften und arbeitete für ein
deutsches Unternehmen in Übersee ...
Willkommen Herr Möllenkamp! Sie haben
uns Ihr Buch mitgebracht, einen Roman ...
"Verzeihung, ich nannte diesen
Versuch eines Montageberichts
nicht einen Roman!"
Stimmt, aber einer
Ihrer Rezensenten war so beeindruckt,
dass er schrieb ...
Dieser Zeitroman wird einmal ein
historischer Roman werden aus jener Zeit,
als an den Anfängen der Zivilisation die
Endprodukte des Wohlstandes abgeladen
wurden, als uns die Schwarzen
undurchschaubar erschienen, die uns
längst durchschaut hatten ... (Bernhard
Boie)
Lesen Sie uns doch
bitte vor, was Sie für Afrika empfanden
als Sie Ihre eigenen Erlebnisse in
dieser Geschichte notierten.
Alles im Leben ist Aufbruch,
Abschied, Reise und Ankunft. Bilder und
Farben prangen am Wege, kein Gesicht so
mächtig, allen Zauber dieser Erde zu
sehen. Klarheit und Helle des Himmels
blenden das Auge, die Gesänge der Nacht
betören das Ohr. Hier in Afrika sind die
Sterne fröhlicher, wärmer die Feuer,
reissender die Wasser, ärmer und reicher
der Mensch, der die Brandung passiert und
den Fuss in den rotblassen Staub der
Savanne setzt. Unbarmherziger ist das
Tier, üppiger die Natur oder steiniger
und grausamer denn alle Grausamkeit unter
den Wolken. Schneller rinnen die Stunden,
kürzer ist das Dasein und rascher der
Tod. Wo eben noch Spiel und Bewegung,
ruft schon Verwesung die grossen,
gefleckten Hyänen. Geier begleiten den
tagmüden Wanderer. Frucht und Gewinn
versagen sich, wo die milden Zonen zum
Bleiben verlocken und kommen üppig, wo
die Stachel der Tropen in die Poren
dringen. Afrika hebt uns hinauf und
stösst uns hinab. Hier sind die
Geschicke unermüdlich im Wechsel,
unbändiger, unfassbarer als sonstwo
unter dem Kreuz des Südens.
("Die
Cassassa-Story", 1977,
Bläschke-Verlag, Darmstadt) = (5)
Wir schauen uns um
im Abteil und im Salonwagen weisse
Mitreisende nicken heftig, schwarze
scheinen weniger beeindruckt von Ihrem
emotionalen Afrika-Porträt, Herr
Möllenkamp ...
Kofi hat einen Einwand? ... Oh, sorry,
Kofi! Du bist ja der Dritte im Bunde der
Friedensnobelpreisträger! Hold on
wir planen einen Dreier-Gipfel, sobald
wir umgebaut haben, einverstanden? ...
Hach, ist er nicht ein vollendeter
Diplomat? ...
Zurück zu Herrn Möllenkamp: Nicht von
einer Eisenbahnbaustelle handelt Ihr
Buch, sondern von einem anderen
gigantischen Projekt der Moderne, von der
Errichtung eines Staudamms in Afrika ...
Meine Damen und Herren TAZARA-Reisenden!
Nie was gehört von Herrn
Möllenkamp?
Mr. Rockefeller! S e i n e Kollegen
brachten Afrika das Licht!
Deutsche Ingenieure sorgten für Strom
aus Wasserkraft, und Werner Möllenkamps
"Versuch eines Montageberichts"
erzählt davon, wie sie dauernd
herausgefordert durch afrikanische
Versuchungen die Turbinen
einbauten hinter dem Damm eines Flusses
im südwestafrikanischen Angola, zu einer
Zeit, da sich dort erster bewaffneter
Widerstand gegen die portugiesischen
Kolonialisten regte.
Ein bis dahin noch unbekannter
"Ingenieur der Seele" hatte
knapp fünfzig Jahre zuvor, am 6. Januar
1907, in der Straßburger Kirche St.
Nikolai zum Missionsfest gepredigt ...
BITTE ROLLTEXT AB!
... An was denken unsere Staaten,
wenn sie den Blick übers Meer
richten? ... was sie aus dem Lande ziehen
können, immer zu ihrem Vorteil. Wo sind
die Arbeiter, die Handwerker, die Lehrer,
die Gelehrten, die Ärzte, die in diese
Länder ziehen? Macht unsere Gesellschaft
eine Anstrengung in dieser Hinsicht?
Nichts ... Das Christentum wird zur Lüge
und Schande, wenn nicht, was draußen
begangen, gesühnt wird, nicht für jeden
Gewalttätigen im Namen Jesu ein Helfer
kommt, für jeden, der etwas raubt,
einer, der etwas bringt, für jeden, der
flucht, einer, der segnet.

Als Gabun
nördlich von Angola noch von
Franzosen beherrscht wurde, hiess es
Französisch-Äquatorialafrika.
Dort, am Fluss Ogowe, hatte 1913, sechs
Jahre nach dieser Predigt der Arzt und
Theologe Albert Schweitzer sein lang
gehegtes Vorhaben in die Tat umgesetzt,
das Urwaldspital Lambaréné ...
Und Sie, Herr Möllenkamp, haben ihn 1957
in Lambaréné getroffen ..
... Der aufmerksame Betrachter wurde
sofort gewahr, dass Albert Schweitzer die
Schatten des Urwaldhospitals längst
hinter sich gelassen hatte und Weltgeist
geworden war. Der grosse alte Mann liess
seine dreiundachtzig Jahre nicht
erkennen. Philosoph, Theologe, Arzt und
nun seit fünf Jahren
Friedensnobelpreisträger ...
Da sich zu unserer Zeit in Lambaréné
weder die Vertreterinnen internationaler
Frauenorganisationen noch der
amerikanische Vizepräsident aufhielten,
wurde uns die Ehre zuteil, Dr. Schweitzer
an der Mittags- und Abendtafel
gegenüberzusitzen. So gerieten wir rasch
ins Plaudern. Über die schwarzen Völker
und das Gesetz vom zunehmenden Abstand
zwischen den Besitzenden und den
descamisados. Über das Fehlen einer
Ordnungsmacht und die Notwendigkeit, eine
Weltordnungsmacht zu etablieren, um den
Abstand zu verkürzen, auszugleichen.
Albert Schweitzer sprach von seiner
Korrespondenz mit John Foster Dulles, dem
er immer wieder klarzumachen versuchte,
dass die Vereinigten Staaten nicht in der
Lage seien, diese Ordnungsmacht zu werden
oder Vorbild der freien Welt zu sein. Um
eine Weltanschauung der Toleranz und der
Harmonie unter den Völkern zu lehren,
bedürfe es wohl der Weisheit einer alten
Nation.
Und nach einer Pause: "Es ist
erstaunlich, wie fortschrittlich sie sind
und wie wenig die Amerikaner von
Weltpolitik verstehen."
Albert Schweitzer schob das Gedeck
beiseite, schlug die Bibel auf, las ein
Kapitel vor und begann mit der Auslegung
der Heiligen Schrift. Dann sprach er ein
Gebet, ging zu dem Piano an der Wand
rechts des Eingangs und spielte ein
Kirchenlied. Eine Bachimprovisation
schloss sich an .... (5)
Das hat er damals schon gewusst, dass die
Amerikaner von Weltpolitik nichts
verstehen 1957? Da hatte "Der
stille Amerikaner" in Indochina doch
schon heimlich die Weichen gestellt ...
Was ist denn das für ein Geklimper da
draussen?
Ein Klavier ist das eine Fuge!
Eine was? ... Himmel! Da ist ja ein
Riesenhaus neben dem Bahnsteig gewachsen!
Und das Geklimper, das kommt von da!
Gelber Anstrich, rote Dachziegel,
Giebel-, Fenster- und Türfassungen aus
Sandstein gehauen, eine Art
Glockentürmchen aus grünspanigem
Kupferblech ...
Herr Möllenkamp!
Was haben Ihre Roman-Ingenieure da neben
den Bahnsteig gestellt? ...
Die Cassassa-Story stellt ein
überwältigendes Panorama einer
afrikanischen Baustelle dar, es wimmelt
von gescheiten, einfältigen,
sehnsüchtigen und beladenen Menschen,
von Ereignissen und Vorkommnissen, die
die TELESTAR schliesslich veranlassen,
einen Revisor nach Cassassa zu entsenden.
Und dieser Revisor erhält den Auftrag,
festzustellen, ob es in Cassassa
überhaupt eine Baustelle gibt, so
befremdlich sind die Nachrichten, die in
die TELESTAR-Zentrale gelangen ... (5,
Klappentext)
Da stand doch eben
noch ein lichtloses tansanisches
Bahnhofsgebäude aber das da, das
sieht so deutsch aus? Und im Treppenhaus,
und oben unterm Dach, da brennt
Licht!
"Nun, deutsch ist schon
mal eine realistische Annahme in
einem Land, das neben einem Teil dieser
TAZARA-Linie noch das Netz der Tanzania
Railway Cooperation besitzt, und das
stammt im Wesentlichen noch aus der
deutschen Kolonialzeit von vor 1914. Es
war in Meterspur eingerichtet, aber
darauf nahmen die Chinesen sechzig Jahre
später keine Rücksicht, deshalb passt
ihr TAZARA-System leider nicht zum alten
deutschen ...
Die Hauptlinie der Tanzania Railway
Cooperation verläuft von Dar-es-Salaam
über Morogoro und Dodoma nach Tabora.
Hier verzweigt sich die Linie nach Kigoma
am Tanganyikasee sowie nach Mwanza am
Viktoriasee. Daneben gibt es eine
nördliche Linie nach Tanga und zum
Kilimanjaro ..."
Wie eine deutsche
Eisenbahn nach Ostafrika kam ... BITTE
DVD AN!
Spielfilm: CARL PETERS
Deutschland 1940/1941
Regie: Herbert Selpin
Drehbuch: Ernst von Salomon; Walter
Zerlett-Olfenius; Herbert Selpin
Kamera: Franz Koch
Musik: Franz Doelle
Darsteller u.a.: Hans Albers als Dr. Carl
Peters, Kolonialpolitiker
Produktionsfirma Bavaria Filmkunst GmbH
(München-Geiselgasteig)
NS-Propagandafilm, der einem der frühen
Vertreter des Kolonialismus ein Denkmal
setzt: Der deutsche Philologe Carl Peters
ist Ende des 19. Jahrhunderts ein
fanatischer Verfechter der Idee, deutsche
Kolonien zu errichten. Ohne Rückhalt aus
Deutschland kämpft er auf eigene Faust
in Ostafrika gegen die Engländer.
Später wird er zum Reichskommissar
ernannt und treibt den Aufbau einer
deutschen Kolonie voran. Aber jüdische
und sozialdemokratische Gegner seiner
Pläne beordern ihn nach Deutschland
zurück und zwingen ihn zum Rücktritt
...

... und was
tatsächlich geschah mit Peters
und Ostafrika! ... ROLLTEXT AB!
Peters entstammte einer evangelischen
Pastorenfamilie und studierte u. a. bei
dem nationalliberalen und für seine
sozialdarwinistischen und antisemitischen
Ideen bekannten Historiker Heinrich von
Treitschke. Er promovierte 1879 zum
Doktor der Philosophie und habilitierte
mit einer Arbeit über Arthur
Schopenhauers Philosophie, strebte aber
keine Karriere im Schul- oder
Universitätsdienst an.
Peters ging nach London zu seinem Onkel
und trat in dessen Importgeschäft ein.
In England kam er nach eigener Angabe
erstmalig in Berührung mit Kolonialismus
und Weltmachtpolitik, die von nun an sein
Weltbild beherrschten ... Von 1882 bis
1883 beschäftigte Carl Peters sich in
London intensiv mit der Politik Englands
in Übersee und entwarf ähnliche Pläne
für Deutschland. Dabei verband sich sein
ausgesprochenes kolonialpolitisches
Interesse mit einer geradezu
schwärmerischen Anglophilie und einer
grenzenlosen Bewunderung für den
imperialen "Lehrmeister" eines
künftigen deutschen Kolonialreiches.
Seine Gedankenwelt war vom
Sozialdarwinismus geprägt. Die so
genannten "nicht-weißen
Rassen" pflegte er in der von ihm
herausgegebenen Kolonialpolitischen
Correspondenz als minderwertig zu
bezeichnen. Als einzige
Existenzberechtigung billigte er ihnen
ein Dasein als Arbeitskräfte unter der
Herrschaft weißer Pflanzer zu. Unter den
Rassenideologen des Wilhelminischen
Zeitalters gehörte er zum radikalen
Flügel.
Nach seiner Rückkehr aus England 1884
gründete Peters die "Gesellschaft
für Deutsche Kolonisation" und
ließ sich von dieser zusammen mit zwei
Begleitern einen Auftrag zum
Gebietserwerb in Ostafrika erteilen. Am
10. November 1884 kam Peters in Sansibar
an. Die Reichsregierung hatte es
abgelehnt, seine Expedition unter den
Schutz des Reiches zu stellen, was Peters
bei Ankunft in Sansibar vom deutschen
Konsul eröffnet wurde.
Auf dem Festland gegenüber Sansibar
begann er dann, Verträge abzuschließen.
Die Vertragsabschlüsse bestanden darin,
dass Peters örtliche Häuptlinge
aufsuchte und ihnen oft nach
reichlichem Alkoholgenuss
deutschsprachige Schriftstücke vorlegte,
auf die sie dann Kreuze als Unterschrift
zeichneten. Darin wurde ihnen Schutz vor
Feinden zugesagt, umgekehrt wurden die
Rechte der Kolonisationsgesellschaft so
beschrieben: das alleinige und
uneingeschränkte Recht, Zölle und
Steuern zu erheben, eine Justiz und
Verwaltung einzurichten, bewaffnete
Truppen ins Land zu bringen und Siedlern
die "Berge, Flüsse, Seen und
Forsten" zur beliebigen Nutzung zu
überlassen. Eine Prüfung daraufhin, ob
die afrikanischen Vertragspartner
verstanden, was sie vorgelegt bekamen,
oder ob sie überhaupt eine Vollmacht
hatten, über die angesprochenen
Befugnisse zu verfügen, wurde nicht
vorgenommen.
Peters wollte jetzt Schutzbriefe des
Reiches für die "erworbenen"
Gebiete. Reichskanzler Bismarck äußerte
sich abschätzig über das, was Peters
nach Rückkehr der Reichsregierung
vorlegte: "ein Stück Papier mit
Neger-Kreuzen drunter". Peters
drohte damit, dass auch König Leopold
von Belgien an Ostafrika Interesse
hätte, der nach der Kongokonferenz
gerade sein Reich in Zentralafrika
ausbaute. Bismarck lenkte ein, auch aus
innenpolitischer Rücksicht gegenüber
seinen nationalliberalen Verbündeten im
Reichstag, und ließ der neugegründete
Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft
(DOAG) einen kaiserlichen Schutzbrief
nach Vorbild britischer Charters über
die Landschaften Usagara, Nguru, Useguha
und Ukami ausstellen. Damit hatte Peters
in "Deutsch-Ostafrikanische
Gesellschaft" umbenannte
Kolonialvereinigung den nötigen
Rückhalt zur weiteren Ausdehnung.
1887 erreichte er ein Abkommen mit dem
Sultan von Sansibar, das den
sansibarischen Küstenstreifen von Umba
bis zum Rovuma der Verwaltung der
Gesellschaft unterstellte ...
Der Versuch, Ostafrika durch die private
"Deutsch-Ostafrikanische
Gesellschaft" zu beherrschen, brach
im Aufstand der Küstenbevölkerung
1888/89 zusammen. Das Deutsche Reich
übernahm die unmittelbare Kontrolle. Ab
1891 wurde Peters zum Reichskommissar
für das Kilimandscharogebiet ernannt ...
Durch sein brutales Vorgehen gegen die
afrikanische Bevölkerung kam es dann zu
einem Aufstand, der Peters sein Amt
kostete. Peters hatte sich afrikanische
Mädchen als Geliebte gehalten. Als er
entdeckte, dass seine Konkubine Jagodia
ein Verhältnis mit seinem Diener hatte,
ließ er beide öffentlich aufhängen und
ihre Heimatdörfer zerstören. Dies
führte zu bewaffneter Gegenwehr der
Tschagga, die über Monate
niedergekämpft werden musste.
Wie in einer
deutschen Kleinstadt die Geschichte der
"weltweiten Siedlungsgebieten der
Deutschen" aufgearbeitet wurde!
REGIE! Internet-Verbindung zu Radio
Bridge Overseas bitte!

AFRIKA UND DER FERNE OSTEN
Geschichte und Völkerkunde der
ehemaligen deutschen Schutzgebiete
Ausstellung im Ostdeutschen Heimatmuseum
Nienburg / Weser
18. März bis 30.September 2002
Auszüge aus der DARSTELLUNG DES MUSEUMS:
Die Deutschen und ihre germanischen
Vorfahren waren schon immer ein
reiselustiges Volk. Ob Kimbern, Teutonen,
Vandalen, Goten, Angeln und Sachsen mit
ihren Zügen quer durch Europa, die
Wikinger mit Fahrten zu fernen Gestaden
in früher Zeit oder im Mittelalter die
erfolgte Erschließung und Besiedelung
des Landes jenseits von Elbe und Saale,
hinweg über die Oder sowie die
Auswanderung in die "neue Welt"
- man machte sich seßhaft auf eigene
Faust oder von fremden Herrschern
gerufen. Es ging nicht immer friedlich
zu, manches wurde zerstört, Einheimische
gewaltsam unterworfen, vieles wurde neu
geschaffen, bedeutende Kulturlandschaften
entstanden. Mit dem Ende des Zweiten
Weltkrieges hat sich in Mitteleuropa
insbesondere für die Deutschen viel
verändert. Nach dem Verlust der Heimat
in den ehem. Ostprovinzen des Reiches
haben es sich die durch Flucht und
Vertreibung entwurzelten Menschen und die
deutschstämmigen Heimkehrer, vor allem
die aus den Siedlungsgebieten östlich
der ehem. Reichsgrenzen nunmehr in
Nienburg heimischen Mitbürger zur
Aufgabe gemacht, die "alte
Heimat" und die weltweiten
Siedlungsgebiete der Deutschen
vorzustellen, deren Geschichte und Kultur
zu bewahren sowie weiterzugeben an
folgende Generationen. Hierzu wurde 1994
das Ostdeutsche Heimatmuseum gegründet
und im historischen
"Traufenhaus" von 1648 in der
Nienburger Altstadt angesiedelt ... Heute
begrüßen wir Sie zu einer
Sonderausstellung, die wir den ehem.
deutschen Kolonien gewidmet haben, die
die offizielle Bezeichnung "Deutsche
Schutz- und Pachtgebiete" getragen
haben. Der historischen Korrektheit wegen
führt unsere Ausstellung diese
Bezeichnung im Untertitel ...
Das LEITWORT der Ausstellung von
Sebastian Haffner:
Kolonisation ist immer Aggression.
Überwältigung schwächerer Völker und
Zivilisationen durch Stärkere. Sie ist
immer auch Fortschritt, eben weil eine
schwächere und primitive Zivilisation
einer stärkeren, höheren weicht. Sie
ist immer aus Bösem und Gutem gemischt
und das Urteil über sie immer davon
abhängig, ob das Gute das Böse
aufwiegt.
DIE HARKE, 19.03.2002 (Nienburger
Lokalzeitung)
... Das Ostdeutsche Heimatmuseum sei auf
einem guten Wege. Es reiche die Hand
völkerverbindend nicht nur nach Osten
und erinnere an die Wurzeln, wobei die
Betrachtung durchaus kritisch sei.
"Machen Sie weiter so",
ermunterte Regierungspräsidentin
Gertraude Kruse am Montag gegen Abend
Museumsleiter Dieter Lonchant und die
knapp 100 Gäste, die sich zur Eröffnung
der Ausstellung "Afrika und der
ferne Osten - Geschichte und Völkerkunde
der ehemaligen deutschen
Schutzgebiet" im Traufenhaus
drängelten und die zur Einstimmung nicht
nur mit Zebra- und
Straußenfleisch-Häppchen, sondern auch
mit Original-Bier aus Namibias Hauptstadt
Windhuk überrascht wurden ...
DIE HARKE, 16.03.2002, Auszug aus einem
Leserbrief-Streit in der Lokalzeitung
Zum Leserbrief "Mörderische
Vollstrecker" von Herrn Lippel vom
13. März:
Ich gebe Ihnen vollkommen recht, dass die
Niederschlagung des Hereo-Aufstandes in
der ehemaligen dt. Kolonie
Südwest-Afrika eines der dunkelsten und
grausamsten Kapitel in der deutschen
Kolonialgeschichte ist. Aber mich macht
es gleichzeitig traurig, dass Sie die dt.
Kolonialgeschichte nur auf dieses eine
grausame Ereignis reduzieren und die
Deutschen als die mörderischen
Vollstrecker bezeichnen. Was sind denn
dann die anderen Kolonialmächte, wie zum
Beispiel Spanien mit General Cortez? Wenn
es so wäre, Herr Lippel, warum
unterhalten die Staaten der ehemaligen
dt. Kolonien immer noch sehr gute
Beziehungen zu Deutschland? Warum
restaurieren sie die alten Kolonialbauten
der Deutschen und richten Museen zur
Kolonialzeit ein? Warum gibt es in
Windhuk (Hauptstadt von Namibia) immer
noch die deutschen Straßennamen? Hätten
die Afrikaner nicht längst alles
vernichtet, was sie an die deutschen
mörderischen Vollstrecker erinnert
hätte? Im Gegensatz zu Ihrer Behauptung
sind wir Deutschen in den ehemaligen dt.
Kolonien immer noch gern gesehene Gäste
und Freunde und teilweise sind sie sogar
stolz darauf, was die Deutschen während
der Kolonialzeit in ihrem Land aufgebaut
haben.
Marcus René Duensing, Historiker,
Erichshagen
FEEDBACK:
An: Radio Bridge Overseas / 23.03.2003
Von: Hermann Mietz, Geschaeftsfuehrer des
Traditionsverbandes ehemaliger Schutz-
und Ueberseetruppen Freunde der frueheren
deutschen Schutzgebiete e.V.
... Wir haben uns vom reinen
Traditionsverband ehemaliger
Schutztruppler, von denen bekanntlich
keiner mehr lebt, gewandelt zu einem
Verband, der zwar die Erinnerung an den
kurzen Abschnitt der deutschen
Kolonialgeschichte wachhaelt, zudem aber
den Nachfolgestaaten der ehemaligen
Schutzgebiete hilft, wo es moeglich ist.
Finanzielle Unterstuetzung und
Sachspendenaktionen fuer Schulen,
Kindergaerten und Altenheime sollen eine
"Hilfe zur Selbsthilfe" sein,
auch wenn es immer nur ein Tropfen auf
dem heißen Stein sein kann.
Etwas irritiert hat mich doch die sehr
bestimmte Feststellung vom
"Voelkermord" an den Hereros.
Leider ist dies seit Drechsler eine immer
wieder kolportierte Behauptung, die in
der neueren historischen Aufarbeitung so
keinen Bestand mehr haben kann.
Unabhaengig davon, dass die Vorkommnisse
nicht bagatellisiert werden duerfen,
lehnen wir eine fuer alle Zeiten
einheitlich einzuhaltende Lehre ab. In
unserem Magazin stellen wir verschiedene
Arbeiten zur Diskussion, die sich mit den
Fragen "Schießbefehl",
"Völkermord" etc. befassen und
moechten Fakten sprechen lassen ...
Das alles in einem
"Traufenhaus" zu Nienburg an
der Weser. Was ist ein
"Traufenhaus", Herr
Möllenkamp? So etwas wie das da
draussen, von Ihren Roman-Autoren in
einer Nacht- und Nebelaktion an einen
afrikanischen Bahnsteig gestellt?
"Bei Nacht ja aber nicht bei
Nebel! Dort, wo das originale Traufenhaus
steht, in Nienburg an der Weser, ist es
öfter mal neblig. Der Nebel
kondensiert zu Regen, und der wird am
unteren Rand eines schrägen Daches in
einer Regenrinne abgeleitet das
ist die Traufe. Gewöhnlich stehen alte
Fachwerkhäuser aber mit dem Giebel zur
Strasse, nicht mit der Traufe. Das
historische Traufenhaus von 1648 in der
Nienburger Altstadt bildet da eine
Ausnahme.
Die Kolonialausstellung war übrigens
eines der letzten überregionalen
Grossereignisse in diesem Haus; der
Gastgeber, das Ostdeutsche
Heimatmuseum musste einem privaten
Käufer weichen, der sich das Traufenhaus
als Privatheim einrichten liess ...
Also, das Gebäude da draussen am
Bahnsteig ist zwar aus gegebenem Anlass
kurzfristig aus Nienburg an der Weser
herantransportiert worden, aber es
handelt sich weder um das Traufenhaus
noch um eine Bahnstation, sondern
um ein komplettes Schulgebäude! Drei
Jahre bevor Albert Schweitzer den
Friedensnobelpreis erhielt, bekam er aus
Nienburg an der Weser eine Anfrage
..."
Der Elsässer Theologe, Arzt, Musiker
und Kulturphilosoph Albert Schweitzer gab
seine persönliche Zustimmung, dass die
Schule als erste in Deutschland seinen
Namen tragen dürfe. Am 17. Juni 1999
beging die Albert-Schweitzer-Schule den
50. Jahrestag ihrer Namensgebung.
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