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TAZARA ... mit der Eisenbahn durch die Weltgeschichte © KJS / 2009
Braunschweiger Internet-Projektwww.vernetztes-gedaechtnis.de
Station 43



Wir merken, Herr Dunkler, das Genre hat sie gepackt. Jetzt müssen Sie bloss noch aufpassen, daß Ihnen niemand Abkupfern vorwirft. Während unseres Braunschweig-Ausflugs wurden Sie beim eifrigen Notieren in der Planungsmappe für Ihre Völkerschau beobachtet.
Wir haben uns erlaubt, ein wenig darin zu blättern …


Afrika begegnet uns auf ungewohnte Weise, voller Lebensfreude, mit faszinierenden Tänzen, mit Musik und atemberaubender Akrobatik und Artistik. Kreative Sinnlichkeit vermittelt aber nicht nur das Zirkustheater mit mehr als 120 Musikern, Tänzern, Artisten und Akrobaten, sondern auch das eigens dafür geschaffene Ensemble maurisch anmutender Zeltpaläste. 25 Meter, höher als alle Zirkuszelte, die jemals in Europa standen, erhebt sich das Chapiteau. Innen ist es bunt bemalt und mit Teppichen ausgelegt, überdachte Gänge führen in ein Café Africain und durch den afrikanischen Markt sowie in eine Galerie zeitgenössischer afrikanischer Kunst ...
Über zweitausend Zuschauer können die Show bei jeder Vorstellung erleben.


Na ja, kaum zu vergleichen mit den Zuschauerzahlen, die Buffalo Bill allein in Braunschweig erreichte, aber mit Café Africain, afrikanischem Markt, sowie einer Galerie zeitgenössischer afrikanischer Kunst ist immer noch jede Menge zu verdienen …

„Bitte nehmen Sie zur Kenntnis, daß ein Euro jeder verkauften Eintrittskarte — der Afrika-Euro — in einen Fond fliessen wird, aus dem in Zusammenarbeit mit der deutschen Kommission der UNESCO sowie dem Goethe-Institut ausschließlich kulturelle Unternehmungen gefördert werden ...“

Gar kein Grund, sich zu echauffieren, Herr Dunkler. Es ist doch schön, daß Sie als Österreicher die Welt ein bisschen bunter malen wollen, und uns bleibt gar nichts anderes übrig, als Ihnen dabei den grösst möglichen Erfolg zu wünschen.
Die Welt weiss, daß ihr die Farbe BRAUN droht, wenn ein Österreicher als Kunstmaler scheitert ...
Und wir rollen wieder auf unserer Zeitschiene.
Es ist die Nacht vom 15. auf den 16. Dezember 1941. Den Braunschweiger Bahnhof verlässt ein Zug, der vom Ruhrgebiet kommend über die Sammelstellen Osnabrück / Bielefeld, Hannover und Braunschweig nach Riga unterwegs ist.
Weitere werden folgen, häufig in monatlichen Abständen — nach Warschau, nach Auschwitz, nach Theresienstadt oder allgemein „in den Osten“ ... bis zum letzten Zug, am 25. Februar 1945.


Hab ich’s nicht gesagt? Da sind sie wieder, die Viehwaggons!

Sie haben gesagt, die seien nie mehr abzuhängen!

Keine Eisenbahn-Nostalgie mehr ohne Erinnerung an die rostbraunen Viehwaggons, haben sie gesagt, die Stimmen ...

REGIE! INTERNET-VERBINDUNG BITTE!
PROJEKT „VERNETZTES GEDÄCHTNIS“!


Schon 1933 zeichnet sich im Freistaat Braunschweig der Judenhass des Naziregimes in erschreckendem Masse ab. Der erste Abtransport von Braunschweiger Juden findet im Oktober 1938 statt. In einer reichsweit stattfindenden Blitzaktion werden vom 27. auf den 28. Oktober 1938 die im Deutschen Reich lebenden polnischen Juden verhaftet und nach Polen abgeschoben. Aus Braunschweig werden 69 Personen nach Zbaszyn in Polen gebracht.
Kuno Roth, einer der aus Braunschweig abgeschobenen Juden erinnert sich:
„Am nächsten Tag wurden wir (...) durch die Gestapo zum Braunschweiger Bahnhof gebracht. Dort wimmelte es von Gestapo mit Maschinenpistolen. Ein Personenzug wartete schon auf uns verhaftete Juden ...“
Diese Aktion betrifft auch die Eltern von Herschel Grynszpan, dessen Attentat auf den Legationssekretär der deutschen Botschaft in Paris, Ernst von Rath, die Nationalsozialisten im November 1938 als Vorwand für die Verschärfung ihrer antisemitischen Hetze und schließlich für ein reichsweites Pogrom nehmen.
In der Folge dieser sogenannten Reichskristallnacht vom 9. auf den 10. November 1938 kommt es in Braunschweig zu einer großen Verhaftungswelle. 149 Juden werden — vor den Augen der Braunschweiger Bevölkerung — in das Konzentrationslager Buchenwald verschleppt. Als man sie vier Wochen später unter der Bedingung, ins Ausland auszureisen, wieder frei lässt, folgen viele der Anweisung.
Im Jahr 1939 werden von der Gestapo noch 226 Juden in Braunschweig festgestellt. Jüdische Bürger Braunschweigs, die nicht rechtzeitig emigrieren können, werden in die Vernichtungslager im Osten deportiert.
Am 16. Dezember 1942 ordnete Himmler die Verschleppung der Sinti und Roma aus dem Reichsgebiet in das Vernichtungslager Auschwitz an. Vorbedingung waren die systematische Ausgrenzung und Entrechtung seit 1933, die vollständigen Erfassung und die seit 1939 erfolgte „Festsetzung“ der „Zigeuner“ in Sammellagern.

Am 5. Juli 1939 schreibt der Braunschweigische Minister des Innern an den Polizeipräsident und an den Oberbürgermeister der Stadt Braunschweig:
„Aus gegebener Veranlassung habe ich den Lagerplatz für Zigeuner in dem Stadtteil Braunschweig Veltenhof besichtigt, um mich von der zweckmäßigen Unterbringung der Zigeuner zu überzeugen. Bei dieser Gelegenheit habe ich jedoch festgestellt, daß auf einem dem Landwirt Pickert in Rühme gehörigen Hof, der den neu errichteten Lehrlingswerkhütten der Volkswagenwerke gegenüberliegt, noch Zigeuner in Schrebergartenbuden hausen. Zwei Buden, in denen etwa 20 Personen wohnen, fallen ganz besonders unangenehm auf. Mit Rücksicht darauf, daß führende Männer von Partei und Staat, auch Ausländer die Neubauten besichtigen, halte ich es für dringend erforderlich, daß alle in der Nähe der Volkswagenwerke befindlichen Zigeuner mit der größten Beschleunigung entfernt und auf den Zigeunerplatz in Veltenhof untergebracht werden.“
Im Oktober 1939 wird allen Sinti und Roma im Deutschen Reich verboten, ihren jeweiligen Aufenthaltsort ohne polizeiliche Erlaubnis zu verlassen. Das Wanderlager Veltenhof hinter den Gleisen der Braunschweiger Hafenbahn erklärte man 1943 zum offiziellen Sammellager für Sinti und Roma aus ganz Niedersachsen. Anfang März 1943 wurde das Lager von der Polizei umstellt.
Frau T., eine Dorfbewohnerin, erinnert sich: „Drei Tage vorher wurde das Telefon stillgelegt. Die Aktion muss bei Dunkelheit früh morgens oder abends stattgefunden haben.“


In dem Braunschweiger Internet-Projekt „Vernetztes Gedächtnis“ ist die Aussage von Frau Elvira R. festgehalten. Ihre Familie wohnte in Berlin, hier wurde sie 1929 als jüngstes Kind geboren. Nach einigen Jahren zog die Familie nach Aachen, wo sie eine Wohnung hatte. Nach nur anderthalb Jahren musste Elvira R. die Schule dort wieder verlassen.

„Und dann haben wir da noch eine Zeit gewohnt, dann kam die Zeit, wo die ersten Lebensmittelkarten kamen. Da wurden mein Bruder und meine Schwägerin in Kassel verhaftet, und meine Schwester war im Pflichtjahr beim Bauern, als Haushälterin. Da ist meine Schwester nach Kassel gefahren und hat die fünf Kinder [des Bruders] geholt, der Kleinste war neun Monate alt. Dann hat meine Mutter ein Schreiben gekriegt, da stand drin, ‚In 24 Stunden die Stadt verlassen‘. ... Dann sind wir in Braunschweig angekommen ..., mit den fünf Kindern von meinem Bruder. Ich war damals ungefähr acht. ... Da hatten wir nichts, keinen Wohnwagen, nichts, nur mit dem Kinderwagen und sechs Kindern kamen wir da an. Da haben uns die Verwandten geholfen. Hinterher kam meine Schwester, die mußte von ihrer Stelle weg, sie durfte nicht mehr arbeiten, weil sie eine Sintizza war. ... Meine Schwester ist dann arbeiten gegangen beim Kohlehändler, mein Vater hat in einer Eisenfabrik gearbeitet. ... Ich bin zur Schule gegangen, [aber ein] paar Tage später mußten wir alle die Schule verlassen. Nicht bloß ich, die ganzen Braunschweiger [Sinti].
Dann sind wir bei den Bauern arbeiten gegangen. Das war ja früher schon so, die ganzen Braunschweiger Sinti haben gearbeitet bei den Bauern, Mohrrüben gehackt, Mohrrüben verziehen, Kartoffeln roden hinter der Maschine, oder Erbsen, Bohnen oder Gurken gepflückt. Manche haben im Hafen gearbeitet. In die Schule durften wir ja nicht, da sind wir arbeiten gegangen ... Dann war ich ungefähr zwölf, da ... hat meine Mutter einen Brief gekriegt, da mußte ich eine Zwangsarbeit machen, in einer Wäscherei.“
Das Mädchen musste jeden Tag den Weg zur Wäscherei zu Fuß gehen, eine Strecke von insgesamt fast 20 Kilometer, denn wie in vielen anderen deutschen Städten war den Sinti in Braunschweig verboten, Busse und Straßenbahnen zu benutzen.
Anfang März 1943 wurde das Sammellager in Braunschweig-Veltenhof von der Polizei umstellt. Den Sinti wurden die Wertsachen abgenommen, und sie wurden zum Bahnhof gebracht.
„Und einen Tag, das war am Sonnabend ... haben sie [die Polizisten] gesagt, ‚Keiner geht zur Arbeit!‘. ... Da haben sie uns eingekreist. ... Sie gingen Wagen für Wagen [und fragten], ob wir Gold haben, Geld haben. Der Kriminal[-beamte] Wenzel, der stand vor unserem Wagen, er hat mit meiner Mutter gesprochen. Meine Mutter hat eine rote Sparbüchse gehabt, die war aber gemacht wie ein Buch, und da hat sie ihm das Geld gegeben. Und er hat es genommen und einfach in seine Tasche reingetan und hat es nicht notiert. Da hab ich zu meiner Mutter gesagt, in unserer Sprache aber, ‚Mama, der Mann tut einfach das Geld in seine Tasche rein‘. Da hat sie gesagt, ich soll ruhig bleiben. Weil die Alten, die haben das schon geahnt, die haben das im Gefühl gehabt. Als wir in die Züge reingegangen sind, da haben die Älteren auch gesagt, ‚Wir Alten, wir kommen nicht mehr hier nach Hause.‘ ... Die [Kriminalpolizisten] haben ja zu uns gesagt, wir kommen irgendwohin, nach Polen, da kriegt jeder sein kleines Häuschen, ein Stück Land und Viehzeug, und das müßten wir dann alleine bearbeiten.“
Die Braunschweiger Sinti, unter ihnen Elvira R., ihre Eltern und Geschwister, wurden zusammen mit den Sinti aus Minden und Hannover, die sich schon im Zug befanden, nach Auschwitz-Birkenau deportiert, wo sie am 3. März ankamen.


Wir Sinti und Roma waren Europas Indianer … und jetzt alle:


ingeb.org/Lieder/lustigis.html

1. Lustig ist das Zigeunerleben,
Fa-ria, fa-ria, ho.
Brauchen dem Kaiser kein Zins zu geben,
Fa-ria, fa-ria, ho.
Lustig ist's im grünen Wald,
Wo des Zigeuners Aufenthalt,
|: Fa-ria, fa-ri-a, fa-ria, :| ho.


2. Sollt uns einmal der Hunger plagen,
Fa-ria, fa-ria, ho.
Tun wir uns ein Hirschlein jagen:
Fa-ria, fa-ria, ho.
Hirschlein nimm dich wohl in Acht,
Wenn des Jägers Büchse kracht.
|: Fa-ria, fa-ri-a, fa-ria, :| ho.

3. Sollt uns einmal der Durst sehr quälen,
Fa-ria, fa-ria, ho.
Gehn wir hin zu Waldesquellen,
Fa-ria, fa-ria, ho.
Trinken das Wasser wie Moselwein,
Meinen, es müßte Champagner sein.
|: Fa-ria, fa-ri-a, fa-ria, :| ho.


4. Mädel, willst du Tabak rauchen,
Fa-ria, fa-ria, ho.
Brauchst dir keine Pfeif' zu kaufen,
Fa-ria, fa-ria, ho,
Pfeif' und Tabak hab' ich hier,
Geb' ich gerne, gerne dir.
|: Fa-ria, fa-ri-a, fa-ria, :| ho.


5. Mädchen, willst du Kaffee trinken,
Fa-ria, fa-ria, ho,
So mußt du die Schale schwenken,
Fa-ria, fa-ria, ho.
Schwenkst du dir die Schale nicht,
Trinken wir auch den Kaffee nicht.
|: Fa-ria, fa-ri-a, fa-ria, :| ho.


6. Wenn uns tut der Beutel hexen,
Fa-ria, fa-ria, ho.
Lassen wir unsre Taler wechseln,
Fa-ria, fa-ria, ho.
Wir treiben die Zigeunerkunst,
Da kommen die Taler wieder all zu uns.
|: Fa-ria, fa-ri-a, fa-ria, :| ho.

7. Wenn wir auch kein Federbett haben,
Fa-ria, fa-ria, ho.
Tun wir uns ein Loch ausgraben,
Fa-ria, fa-ria, ho.
Legen Moos und Reisig 'nein,
Das soll uns ein Federbett sein.
|: Fa-ria, fa-ri-a, fa-ria, :| ho.


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