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TAZARA ... mit der Eisenbahn durch die Weltgeschichte © KJS / 2009
Cecil John Rhodes wikipedia
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„Pech gehabt, der Mann! ...
An die Sterne zu denken, die wir nachts über unseren Köpfen am Himmel sehen, an diese weiten Welten zu denken, die wir niemals erreichen können ... ich würde diese Planeten annektieren, wenn ich es könnte. Es macht mich traurig, sie so klar zu sehen und doch so fern.
Das habe ich einmal gesagt — bin ich deshalb plem-plem?“

Nun, Mr. Rhodes, unsere rollende Bühne scheint gerade einen Spielleiter-Wechsel zu erleben. Ob sich damit auch das Ziel des Eisenbahnzuges ändert, wissen wir nicht. Das Ziel ist hoffentlich keine Klappsmühle …
Und wir wollen hier auch nicht ein Stück aufführen, das ein gewisser John Crowley 1989 als Novelle veröffentlichte, eine Zeitmaschinen-Geschichte, die davon ausgeht, Ihr Letzter Wille habe sich realisiert, das Britische Empire als dominierende Weltmacht habe im zwanzigsten Jahrhundert unter anderem zwei Weltkriege verhindert ... weil — es war ja gar nicht Ihr letzter Wille!
Das Testament, das Sie zitierten, jenes mit der Anregung für die Gründung einer geheimen Gesellschaft zur Durchsetzung britischer Weltherrschaft, hatten Sie schon 1877 aufgesetzt. Da waren Sie noch kein wirklich reicher Mann, Mr. Rhodes, und — Sie hatten noch keinen Lover. Fünf Jahre später, 1882, hatten Sie einen.
Er war als Sekretär bei De Beers angestellt, und bald lebten sie zusammen. Der junge Mann war Ihnen so wichtig, daß Sie bedeutsame Verhandlungen sausen liessen, um an seinem fünfundzwanzigsten Geburtstag teilzuhaben. Bei dieser Gelegenheit schrieben Sie Ihren Letzten Willen zu seinen Gunsten um, Neville Pickering sollte Ihren Besitz erben. Und auch Ihr politisches Erbe wurde um einiges praktischer.

„No comment — with regard to Mr. Pickering ... In meine tatsächliche Hinterlassenschaft für ausgewählte Studierende an der University of Oxford, in die Rhodes-Scholarship, sollen junge Amerikaner einbezogen werden. Aus ihnen wird eine amerikanische Elite hervorgehen, Könige der Philosophie, die schliesslich die Vereinigten Staaten von Amerika in das Britische Empire zurückführen werden.
Ich habe nie einen Hehl daraus gemacht, daß ich den deutschen Kaiser bewundere, schliesslich ist er ein Enkel der Queen, und deutsche Studenten dürfen ebenfalls fellows meiner Stiftung sein.
Die Stipendien sollen dazu beitragen, daß ausländische Eliten für ihre Aufgaben vorbereitet und motiviert werden, in besonderer Weise angelsächsische Wertvorstellungen in die Welt hinauszutragen.“

Nennen Sie uns doch ‘mal ein paar Rhodes-Stipendiaten aus der jüngeren Geschichte.

„Wesley Clark — Ex-NATO-Oberbefehlshaber
Bill Clinton — Ex-Präsident in den U.S.A.
Richard von Weizsäcker — Ex-Präsident in Deutschland
Malcolm Fraser und Bob Hawke — beide Ex-Premiers in Australien.“


Und nicht Henry Kissinger — Ihr alter ego?

„Nun, die Zeitmaschine hat nicht funktioniert. Es gab keine britische Supermacht mehr im zwanzigsten Jahrhundert. Die beiden Weltkriege wurden nicht verhindert. Die Vergabe von Stipendien an Deutsche war aufgrund der politischen Lage von 1914 bis 1932 und von 1939 bis 1970 ausgesetzt.
Heinz Alfred Kissinger war einer aus der Zwischengeneration, der es schaffte, zwischen den beiden Katstrophen die Heimat zu verlassen. Seine Eltern emigrierten mit ihm 1938 in die U.S.A..
Heinz hatte als Henry kein Problem, dort einen anderen Paten zu finden, der ihm eine Bildung mit angelsächsischen Wertvorstellungen vermittelte — und später einen Wirkungskreis zur Durchsetzung derselben ...
Wenn ich alles richtig verstanden habe, wird aber seinem Paten auf dieser rollenden Bühne vorgehalten, eine Kartellisierung des weltweit agierenden Unternehmertums eingeleitet zu haben.
Was heisst ‚Kartellisierung‘?
Wenn es um Maximierung von Profit geht, und damit einhergehend um Sicherung und Ausweitung von Macht, ist das System des Kartells immer zu bevorzugen, also der Zwang für den Konsumenten, das zu akzeptieren, was ihm angeboten wird.
Was ist dagegen einzuwenden? Mr. Rockefeller, Sie werden mir zustimmen:
Als sich unsere nordamerikanische Kolonie in die Vereinigten Staaten von Amerika wandelte, hat sich aus deren Humus leider eine offene Gesellschaft entwickelt. Das heißt: Jeder Tellerwäscher kann zum Millionär aufsteigen. Keine Reglementierung hindert ihn daran. Damit dieser Fall aber nicht eintritt, haben die Leute, die schon oben sind, allerlei Vorrichtungen ersonnen, um unter sich zu bleiben und sich nicht von Emporkömmlingen an die Seite drücken zu lassen.
Nach dem amerikanischen Bürgerkrieg hatte sich Mitte des neunzehnten Jahrhunderts eine Elite durchgesetzt, die an der nördlichen Ostküste der U.S.A. mit Schwerpunkten in New York und Boston zu Hause ist. Diese Elite ist weiß, protestantisch und sieht die Kultur Englands als ihre geistige Heimat an.
Wie Sie sich denken können, ist das die Elite, auf die meine testamentarische Hoffnung baut!
Sie hat ihre eigenen Schulen und Universitäten gegründet, wo nur der eigene Nachwuchs gefördert wird. Exklusive studentische Verbindungen garantieren, daß die Absolventen der Eliteausbildung von ehemaligen Absolventen gleich in die richtigen Karrieregleise geschubst werden. Nicht anders haben wir das immer in good old Britain gemacht!
Manche nennen das Seilschaften. Diese treffen für die Gesellschaft wichtige Entscheidungen. Am liebsten in Herrenklubs, am Rande von Jagd oder Golfspiel.
Was nun dieser informellen Seilschaftsdynamik ihre besondere Macht verleiht, ist der sogenannte ‚Drehtüreffekt‘. Das heißt: ein Elitemensch wechselt ohne größere Probleme aus einer Leitungsfunktion in der Industrie in eine solche beim Militär, in der Politik, bei den Medien, beim Geheimdienst, in der Wissenschaft, oder sogar in der Kirche. Mithilfe dieser Rotation ist es möglich, mit extrem wenig Elite-Personal schnell und geräuschlos eine bestimmte Richtungsentscheidung für die gesamte Gesellschaft durchzusetzen.
Diese Drehtür setzt natürlich eine unbekümmerte Verwischung der Grenzen zwischen Privatwirtschaft und Regierung voraus. Das, was sich in Deutschland gerade erst als ‚Öffentlich-Private Partnerschaft‘ durchsetzt, ist in den USA spätestens nach der Etablierung von Trusts und Kartellen, also etwa seit dem Jahre 1900, eine Selbstverständlichkeit. De facto herrschte jene kleine Ostküstenelite. Ihr Selbstverständnis kann man als ‚paternalistisch‘ bezeichnen: Das Volk ist dumm und weiß nicht, was ihm gut tut. Eine auserlesene Elite muss für den Pöbel das Denken übernehmen, habe ich recht, Mr. Rockefeller?
Schon vor dem Ersten Weltkrieg wurde von oben nach unten die ganze Gesellschaft geordnet nach den Vorstellungen jener ‚chosen few‘ aus den großen Banken und Industriekartellen. Einer der wichtigsten amerikanischen Vordenker dieser Elitenbildung hat das Credo der Bevormundung dankenswert offen dargelegt. Sie haben das doch bestimmt im Originalton vorliegen!“

Regie! Bitte Ton ab für Mr. Walter Lippmann vom amerikanischen Council on Foreign Relations!

Das allgemeine Interesse ... kann nur durch eine spezialisierte Klasse verwaltet werden, deren persönliche Interessen über lokale Themen hinausreichen. Diese Klasse ist befreit von Verantwortung, denn sie agiert aufgrund von Informationen, die nicht Eigentum der Gemeinschaft sind; in Situationen, die das breite Publikum gar nicht begreift ...
Die Männer, die aktuell gerade die Macht ausüben, versagen nicht etwa dabei, den Willen des Volkes widerzuspiegeln, denn in den meisten Sachfragen existiert ein solcher Wille gar nicht, sondern sie üben Macht aus aufgrund von Auffassungen, die vor der Wählerschaft verborgen sind.


Mr, Rhodes, Sie mögen sich ja zu diesen Elite-Kapitalisten gezählt haben. Die bei uns in Lehrbüchern und in den Medien vertretene Auffassung ist doch aber, daß sich der gewöhnliche Kapitalist mit seinem Produkt oder mit seiner Dienstleistung dem Wettbwerb im Markt stellt.

„Dagegen ist nichts einzuwenden. Ich würde sogar behaupten, das war vielleicht das erfolgreichste Modell für‘s Wirtschaften, als es nur um die Versorgung realer Bedürfnisse von Menschen ging ... aber — darum geht es doch nicht mehr, seit es Banken gibt!“


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