© KJS / 2007

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Kapitel 39
Kapitel 40

 
TAZARA — afrikanische Collage von Klaus Jürgen Schmidt
TAZARA-Kopfstation Dar-es-Salaam - Quelle: Radio Bridge Overseas
VORWORT  


TAZARA — so heisst die Eisenbahn-Linie, die die Volksrepublik China vor drei Dekaden als ihr erstes monumentales Entwicklungsprojekt in Afrika baute. Sie verbindet die Kupferminen Sambias vom Westen her mit dem Hafen von Dar-es-Salaam an der Ostküste Tansanias. Für Passagiere ist es eine Reise von fast drei Tagen und zwei Nächten.

Im April 2007 fährt ein TAZARA-Express von Ost nach West ins Innere Afrikas. Dabei gerät er wie ein runaway — wie ein ausser Kontrolle geratener Zug — über immer neue Weichen in unvorhersehbare Richtungen.

Tatsächlich hat die Kontrolle über den Zug ein geheimnisvoller Spielleiter, der durch Handlanger im Zug die Regie-Hebel bedienen lässt. Und wie durch Geisterhand gesteuert ist dieser Zug in der Lage, durch Zeit und Raum auch auf fernen Schienennetzen zu solchen Stationen zu rollen, wo Rohstoffe und Güter, aber auch Ideologien und Machtansprüche darauf warteten, durch die Eisenbahn abgeholt oder abgeladen zu werden.

Bei Tunneldurchfahrten erscheinen in einem ominösen Salonwagen dieser Geisterbahn immer neue Persönlichkeiten der Weltgeschichte, die sich — gelegentlich kommentiert von den übrigen Mitreisenden der TAZARA — auf eine Debatte ihres Handelns einlassen, das auf die eine oder andere Weise das Schicksal der Menschen in Afrika beeinflusst hat oder noch beeinflussen wird.

Auf der VIP-Liste des mysteriösen Spielleiters stehen solche Akteure des Weltspiels wie Dag Hammarskjöld, John D. Rockefelller Jr., Leo Trotzki, Kofi Anan, Cecil Rhodes, Ambuya Nehanda, Robert Mugabe, Frantz Fanon, Albert Schweitzer, Idi Amin, Nelson Mandela, Bill Gates, Philip Emeagwali ... Über das Lautsprechersystem der Zug-Abteile werden die VIPs konfrontiert mit wissenden Stimmen aus einem anderen ominösen Teil der Geisterbahn.

Unter den ursprünglichen Reisenden hocken in den TAZARA-Abteilen der Ersten Klasse — vier sambische Geschäftsfrauen, zurück von einem Einkaufstrip nach Dubai, ihr Waren-Container rollt mit ihnen auf der TAZARA — ein reisender Schneider aus Hong Kong, der einst afrikanischen Politikern preiswerte Diplomaten-Anzüge anpasste und jetzt für einen Mr. Moon afrikanische Opportunitäten ausspäht — ein Kurier, unterwegs mit wertvollen Armbanduhren zur Geldwäsche für Drogen- und Waffenhändler — ein deutscher Unternehmer, der es sich in den Kopf gesetzt hat, in Afrika eine neue Eisenbahnlinie zu bauen ...

Sie alle ahnen nicht, dass der mysteriöse Spielleiter längst das Gleis bestimmt hat, auf dem sie zusammen mit ihrem Zug am Ende abgestellt werden.

Klaus Jürgen Schmidt, Harare, April 2007

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