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TAZARA ... mit der Eisenbahn durch die Weltgeschichte © KJS / 2009
Der Sohn des Spielleiters
Station 68



Ich habe nicht den Zug mit den schwarzen und purpurroten Schärpen gewählt! Ich habe auch nicht den TAZARA-Express gewählt. Und doch sind wir wohl auf dem Weg in’s Innere Afrikas, eine Art Geisterzug vielleicht, aber doch keine Klappsmühle, Mr. Rhodes — und das kann ich beurteilen!

In dieser Halle voller Staub und voller Rost ...

... habe ich von dem Protokollführer übernommen, der ...

... mit dem Zug von Durban kam als zwölf Jahre vor ihm, im September 1870, ein anderer Junge in Pietermaritzburg angekommen war, der Sohn eines Pfarrers im englischen Bishop’s Stortford. Zu der Zeit war er siebzehn, nur ein Jahr älter als der Protokollführer bei seiner Ankunft. Dieser Junge war kein Träumer ...

Dieser Junge waren Sie, Cecil John Rhodes.

... Die Fahrt mit der Eisenbahn von Durban an den Ort seines künftigen Wirkens am Rande der Wildnis Afrikas war es, die den Protokollführer jener Grenze bewusst werden liess, die Ehrgeiz überwinden kann, wenn er sich des Erfindergeistes bedient.
Erst als es zu spät war, machte er die Erfahrung, daß grenzenloser Erfindergeist grenzenlosen Ehrgeiz nach sich zieht — und daß alles Wachstum Grenzen hat ...


Ich habe übernommen vom Protokollführer in dieser Halle voller Staub und Rost, die seine letzte Zuflucht war — von meinem Vater, Harry J. Filmer Esqu..
Ich, Harry Filmer Jr., habe es übernommen, seine Geschichte zu Ende zu erzählen, mit meinen Worten, die Geschichte von seinem persönlichen Ruin, dem fünften und letzten Verlust des Filmer-Vermögens.

1 1919: Mein Bruder Bob war in Frankreich gefallen. Nach dem Waffenstillstand hatte ich aus Europa meine irische Braut mitgebracht. Die Farm, die ich vor dem Krieg mit Vaters Hilfe in Swaziland erworben hatte, war zwar ertragreich, aber sie schien mir zu abgelegen für eine junge Frau aus Europa. Ich verkaufte sie für 15.000 Pfund, den Scheck gab ich Vater zur Aufbewahrung, mit Zeichnungsbefugnis für den Fall, daß mir etwas zustiess.
Denn nun hatte ich mich wieder eingelassen auf das Abenteuer seines Lebens, auf die Suche nach und das Spekulieren mit Diamanten.
Helen, meine Frau und inzwischen Mutter unseres ersten Babys, lebte mit mir in einer Hütte auf der Klipspruit-Farm im westlichen Transvaal. Diese Farm gehörte, wie die meisten anderen in der Nachbarschaft, der ‚Greig Diamond Company‘, deren Managing Director mein Vater war.
Das vielversprechende Diamantenvorkommen, das Vaters Freund Tommy Greig vor Kriegsausbruch entdeckt hatte, war während des Krieges ungenutzt geblieben. Die Aktien waren in den Keller gestürzt. Jetzt, nach dem Krieg, schrie der Markt wieder nach den glitzernden Steinen, als seien sie Symbol für lange vermisste Anmut und Schönheit.
Tommy Greig und mein Vater sicherten sich in Wolmaransstad Optionen für den Grund und Boden mehrerer Farmen. Die Regierung vergab Grabungsrechte für Rooitplaats und Kamelpan. Und dort versammelten sich bald etwa siebzehntausend Männer aus aller Herren Länder. Manche gruben in einem Monat Diamanten im Wert von mehreren tausend Pfund aus.
Aber Vater war überzeugt, Diamanten würden nicht bloss dicht unter der Oberfläche zu finden sein. Experten, die er auf die Farmen brachte, bestärkten ihn darin, nach Zeichen für den sogenannten blue ground zu suchen, nach einer Erdschicht, die unter der Wasserlinie wie in einem Rohr Edelsteine zusammengepresst hält. Sie gruben und fanden Diamanten noch in dreissig Fuss Tiefe.
In vielerlei Hinsicht erinnerte der Platz an Kimberley, bevor Sie, Mr. Rhodes, alles in wenigen Händen konzentrierten. Wie Sie, hatte Vater mit tausenden Diamantengräbern zu tun, die sich winzige Claims gesichert hatten. Doch anders, als Ihnen, gelang es ihm nicht, das alles in wenigen Händen, in seinen Händen zu konzentrieren.
Jede Greig-Diamanten-Aktie hatte bald einen Wert von fast 2 Pfund, und Vater kaufte 12.000 in meinem Namen. Er kaufte auf, verkaufte dann wieder in Massen, wartete bis dadurch die Aktien an Wert verloren, kaufte sie für billiges Geld zurück — es war ein verrücktes, ein aufregendes Spiel, wie gemacht für meinen Vater. Es war das Spiel, das alle grossen Finanziers spielten, und für jene, die einen kühlen Kopf behielten und die es geschickt genug betrieben, brachte dieses Spiel Millionen und fortdauernden Ruhm. Aber es war auch ein Spiel, das den Spielern das unbekümmerte Gefühl von Macht vermittelte.
Und mittendrin, als Vater schon alle Trümpfe in der Hand zu halten meinte, passierte jener atemberaubende, schicksalhafte Moment, der durch alle Zeiten den Zauber der Diamantenjagd ausgemacht hat. Ein grosser Stein wurde in Kamelpan gefunden.
Als Vater davon hörte, schrie er: ‚Es ist die vermisste Hälfte des Cullinan!‘
Jahre zuvor, als in der Premier Mine nahe von Pretoria der grösste Diamant gefunden worden war, den die Welt jemals gesehen hatte, da hatten viele geglaubt, er sei nur Teil eines viel grösseren Steins — die Legende war geboren, der Ehrgeiz eines jeden Diamantensuchers angefacht.
Die Nachfrage nach Greig-Diamanten-Aktien schoss unmittelbar durch die Decke. Meine eigenen Aktien waren plötzlich 103.000 Pfund wert, und niemand weiss, wie hoch der Wert der Aktien war, die mein Vater hielt. Er hatte praktisch alle aufgekauft, es war die Erfüllung seiner Träume innerhalb ganz kurzer Zeit.
Der Stein wurde zur Begutachtung nach Johannesburg gebracht — und dann der Absturz in noch kürzerer Zeit. Es war ein wertloser Kristall.
Kein Unternehmen hätte einen solchen Schlag verkraftet. Die Aktien fielen von 8 Pfund, 10 Shilling auf 7 Shilling, 6 Pence.
Dann bewirkte ein Einfluss von aussen das noch schnellere Abgleiten der Lawine. Amerika, auf dessen Nachfrage die ganze Stärke des Marktes beruhte, verlor das Interesse an Diamanten mit weniger als Dreiviertel eines Karats. Das bedeutete, die Masse aller gefundenen Steine war praktisch wertlos.
Nervosität machte sich breit, Diamanten-Aktien standen zum Verkauf. Da machte Vater sein grösstes, sein gefährlichstes Spiel. Um seine Verluste auszugleichen, kaufte er, was immer ihm möglich war.
Jetzt hätte er Hilfe gebraucht von einflussreichen Freunden, von Banken ... Oppenheimer half nicht, Banken liehen Vater kein Geld mehr. Sir Abe Bailey, unser Nachbar, hätte geholfen, wollte aber die Gesamtkontrolle, das wollte Vater nicht.
Doch Bailey’s Einfluss war immens, unter anderem besass er Zeitungen. Er veranlasste die Sunday Times und die Rand Daily Mail, die Öffentlichkeit vor einer möglichen Rezession zu warnen. Vater war gezwungen, zu verkaufen für was immer man ihm bot.

Eines Abends sagte er es meiner Mutter: ‚Ich bin am Ende ... und Harry habe ich auch ruiniert!‘

Ich verkaufte unsere kleine Hütte und die Minen-Geräte, die zu nichts mehr nutze waren. Wir zogen zu den Eltern in ein viel kleineres Haus, die Villa stand schon leer. Vaters Anwaltsbüro wurde geschlossen, Gläubiger holten sich die Möbel, die Bücher, auch den riesigen Chubb-Tresor, der erste in der Stadt, der eine Wort-Kombination als Sicherung vorzuweisen hatte. Etwas zerbrach in mir, als ich sah, wie er fortgeschafft wurde, sieben Fuss hoch, die vermeintlich uneinnehmbare Zitadelle unserer Wohlstandes ...
Für meine Mutter war finanzieller Ruin nichts, das sie hätte zerbrechen können. Sie hatte zu oft Familien-Vermögen wachsen und zerinnen sehen. Sie hatte nie gezweifelt, daß ihr Mann das Unglück würde wenden können. Doch diesmal war etwas anders, und der Unterschied lag bei Vater. Etwas war geschehen mit diesem ruhelosen, stets zuversichtlichen Mann, der so lange Zeit der Turm unserer Stärke gewesen war. Seine Sprache wurde undeutlich und zusammenhanglos, er redete wirr wie ein kranker Mensch.
Es war das erste Mal, daß wir Vater in das West Koppies Mental Hospital in Pretoria einweisen lassen mussten.
Dort lief er herum wie ein sorgenfreies Kind, immer auf der Suche nach einem glänzenden Stück Glas oder einem Quartz. Er hob es auf, zeigte es anderen voller Freude und sagte: ‚Es ist ein Diamant!‘

Wenn ich den Computer abschalte, spiegelt der dunkle Monitor mein eigenes Gesicht, alterslos ... dann beuge ich mich wieder über meinen Schreibblock und notiere ...

„Oh nein, mein Herr. Ich fasse nicht zusammen. Das macht später der Redakteur. Ich notiere nur das, was der Redner sagt, und später schreibe ich alles säuberlich auf.“

Es gilt das gesprochene Wort!





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