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TAZARA ... mit der Eisenbahn durch die Weltgeschichte © KJS / 2009
Waffenhändler Viktor Boutsueddeutsche.de ...
KAPITEL 35  



REGIE! FILM BITTE AB!

„Lord of War“
Deutscher Titel: „Lord of War – Händler des Todes“
Erscheinungsjahr: 2005
Regie: Andrew Niccol
Drehbuch: Andrew Niccol
Besetzung:
Nicolas Cage – Yuri Orlov
Bridget Moynahan – Ava Fontaine
Jared Leto – Vitaly Orlov
Ian Holm – Simeon Weisz
Ethan Hawke – Jack Valentine
Eamonn Walker – Andre Baptiste Sr.
Shake Tukhmanyan – Irina Orlov
Jean-Pierre Nshanian – Anatoly Orlov

Die Hauptfigur Yuri Orlov eröffnet den Film, dem Zuschauer zugewandt, mit dem Satz, es gäbe über 550 Millionen Schusswaffen auf der Welt, was bedeute, daß jeder zwölfte Mensch auf der Welt eine besäße. Die Frage sei nur: „Wie bewaffnet man die anderen elf?“ Der Vorspann zeigt dokumentarisch den Weg einer Gewehrkugel von der Produktion in der Fabrik über den Handel, die Verschiffung, das Einlegen in eine Waffe, das Abfeuern der Waffe und den Flug der Kugel bis in den Kopf eines afrikanischen Jungen ...
Der Film endet in der selben Kameraeinstellung wie zu Beginn. Wieder steht Orlov da und zieht ein Fazit: „Wissen Sie wer die Erde übernehmen wird? Waffenhändler. Denn alle anderen sind viel zu beschäftigt damit, sich zu erschiessen. Das ist das Geheimnis des Überlebens. Ziehe niemals in den Krieg. Besonders nicht mit dir selbst“. Die Kamera schwenkt auf die Patronenhülsen auf dem Boden und das Bild wird schwarz.


Nun, ich hab‘ mir natürlich den Film angesehen. Regisseur und Drehbuchautor Andrew Niccol hat jahrelang im Milieu recherchiert. Seine Hauptfigur ist mehreren echten Waffenschiebern nachempfunden, unter anderem dem im kanadischen Exil lebenden Deutschen Karlheinz Schreiber, vor allem aber Wiktor Anatoljewitsch But, oft eher als Viktor Bout transkribiert.

Bingo!
Er kennt Viktor! Ich werde Mr. Moon warnen müssen ...

Auf dem Polizei-Radar in Simbabwe hatte ich den Russen schon als er für ein paar Jahre seinen Wohnsitz nach Sandhurst, im südafrikanischen Johannesburg verlegt hatte. Er war für uns interessant geworden, als sich Mugabes Armee im Kongo-Krieg zu engagieren begann ...
In Südafrika war Bouts Flotte von Transportflugzeugen zeitweise die grösste überhaupt, oft waren seine Maschinen die einzigen, die im Auftrag der Pretoria-Regierung schweres Gerät in schwer zugängliche Gegenden schaffen konnten. Als er auch dort von den Behörden unter die Lupe genommen wurde, registrierte er Flugfirmen im benachbarten Swaziland und in zahlreichen anderen afrikanischen Ländern ...

Ausweislich eines seiner vielen Pässe wurde Wiktor Anatoljewitsch But aka „Viktor Bout“ 1967 in Dushanbe/Tadjikistan geboren. Er hingegen behauptet, aus Turkmenistan zu stammen. Nach dem Schulbesuch wurde er Soldat und besuchte das Moskauer Militärinstitut. Er hat einen Abschluss in Wirtschaft und spricht sechs Sprachen. Bis 1991 diente er in einem russischen Luftwaffenregiment, zwei Jahre davon in Mosambik, bevor dort der Bürgerkrieg zu Ende ging.
Sein erstes Geschäft hatte er mit fünfundzwanzig abgewickelt: Für 120.000 Dollar kaufte er 1992 drei Antonov-Flugzeuge und gründete in Moskau ein Transportunternehmen. Neureiche Russen flogen damals zuhauf zum zollfreien Einkauf nach Dubai. Sie wollten alles, von Bleistiften über Elektrogeräte und Ikea-Möbel bis hin zu Autos. Bout erkannte eine Marktlücke im Frachtgeschäft und flog ihnen die Sachen nach Hause.
Der Durchbruch kam, als er seine Flugzeuge mit südafrikanischen Gladiolen belud. Er kaufte eine Blume für zwei Dollar und verkaufte sie in Dubai für hundert. Pro Flug brachte er zwanzig Tonnen ins Land. Das war besser als Gelddrucken. Ähnlich ging es mit gefrorenen Hühnern als Luftfracht für Nigeria. Gladiolen und gefrorene Hühner — das waren Bouts erste afrikanische Geschäftserfahrungen.
1995 siedelte er seine Luftfrachtgeschäfte in Ostende, Belgien, an. Er versorgte die belgischen UN-Truppen in Somalia. Nachdem dieses Geschäft mit dem Ende des UN-Einsatzes vorbei war, transportierte er im Auftrag der Amerikaner Waffen für die Regierung Burhanuddin Rabbani in Afghanistan, bis die von den Taliban verjagt wurde. Bout hat immer geleugnet, danach einfach den Geschäftspartner gewechselt zu haben, also für Taliban und Al Qaida Waffen geliefert zu haben.
Als belgische Fahnder ihm wegen illegalen Handels mit Drogen und Diamanten auf den Fersen waren, verlegte er seine Basis nach Odessa in der Ukraine. Es war dort einfach, schnell an all das zu kommen, was Machthaber und Milizenführer in Afrika und im Nahen Osten brauchten. Es waren weder Gladiolen noch gefrorene Hühner. Zwischen 1992 und 1998 soll in der Ukraine Kriegsgerät im Wert von zweiunddreissig Milliarden Dollar aus den Armeedepots verschwunden sein.
Schliesslich wählte Bout in den Vereinigten Arabischen Emiraten mit Hilfe eines syrischen Partners den Bedarfsflughafen Scharjiah als ständige Basis. Die liegt günstig am Schnittpunkt seiner Interessengebiete: Europa, Nahost, Afrika. Der Flughafen dort ist für besonders laxe Kontrollen berüchtigt. 1996 war Bout Eigner der größten Lufttransportfirma des Emirats, mit eintausend Angestellten.
Seine Hauptkunden in den 90er Jahren waren Charles Taylor in Liberia und Jonas Savimbi von der Unita in Angola. Die an Charles Taylor gelieferten Waffen wurden an die Kindersoldaten in Sierra Leone weitergereicht ... Auf der Liste seiner afrikanischen Kunden finden sich auch: Paul Kagame (Ruanda), Eduardo dos Santos (Angola), Mobuto Sese Seko (Zaire), Pierre Bemba (Demokratische Republik Kongo). Im zweiten Kongo-Krieg von 1998-2003, der vier Millionen Menschen das Leben kostete, belieferte er praktisch alle Kriegsparteien: neben Mugabe, dessen Soldaten er aus Simbabwe in den Kongo transportierte, auch Uganda und Ruanda.
Nachdem Präsident Clinton’s Administration vergeblich versucht hatte, ihm das Handwerk zu legen, schloss die Bush-Administration offenbar einen Deal in der Form ab: „Bring unsere Leute zum Kampf gegen die Taliban nach Afghanistan und wir lassen Dich in Ruhe“. Viktor Bouts Piloten kannten aufgrund früherer Lieferungen jede Flugpiste. Bei jeder Boeing- oder Airbus-Maschine wäre es zu einer Bruchlandung mit Totalverlust gekommen. Den russischen Iljuschin-Maschinen hingegen, mit denen Bout fliegen ließ, machte raues Terrain nichts aus.
Nicht nur in Afghanistan wurde Bout gebraucht, sondern auch im Irak. Seine Flotte von fünfzig Flugzeugen wickelte bis Ende 2004 etwa eintausend Flüge ab, gegen Bares aus dem U.S.-Staatssäckel, versteht sich. Zum gleichen Zeitpunkt, im Juli 2004, ordnete die Bush-Regierung die Beschlagnahme sämtlicher Konten Bouts in den U.S.A. an. Das fassten Kenner der Szene nur als schlechten Witz auf.
Bouts Geschäftsgeheimnis ist es, alles nur Vorstellbare zu liefern. Vom Helikopter bis zum Maschinengewehr vor die Haustür, kein Wunsch bleibt offen, ähnlich wie beim Versandhandel. Wofür andere Waffenhändler Monate brauchen, erledigt der ehemalige Offizier dank seiner KGB-Kontakte und seiner Luftflotte alles in maximal zwei Wochen. Er ist sozusagen der ‚all inclusive man‘. Dafür nimmt er nicht nur Bares, sondern auch Diamanten, die er dann wieder über sein Netzwerk losschlagen kann.
Die Konflikte in Angola, Sierra Leone, und Liberia sind zwar vorbei, doch glücklicherweise gehen für Bout andere Konflikte weiter. So beispielsweise die Plünderung des Ostens der Demokratischen Republik Kongo. Dort sichert der Tutsi-General Laurent Nkunda im Auftrage von Ruanda den Rohstoffnachschub.

Ruanda, in dem es keine Unze des für die weltweite Handy-Produktion unverzichtbaren Coltan gibt, ist mittlerweile zum größten Coltan-Exporteur aufgestiegen. Die UN und kongolesische Regierungstruppen haben dort nichts zu sagen und die Zivilbevölkerung leidet.
Viktor Bout ‚hilft‘ mit Transporten von Rohstoffen und Waffen ... und — wie ein UN-Report im Jahre 2002 enthüllte — deutsche Firmen stecken mit im Geschäft.


Also: Der „Merchant of Death“ stellt keine Waffen her, er benutzt sie auch nicht, er transportiert sie nur! … Das erinnert uns an die Geschäftsphilosophie Ihres Herrn Vaters, Mr. Rockefeller: Nicht mit der Förderung von Öl machte der das grosse Geld, sondern mit dessen Weiterverarbeitung und Transport.

„Ein abartiger Vergleich! ...“

Oh, sein Bruder Sergej steht da ganz auf Ihrer Seite, Mr. Rockefeller. In einem Interview mit Radio Moskau sagte er ...

21 Er ist ein einfacher Geschäftsmann, er transportiert bloss Fracht, und in diesem Sinne unterscheidet er sich nicht von einem einfachen Taxifahrer.

Und jetzt erklären Sie uns doch bitte: Was hat das alles mit Ihrem Uhren-Hobby zu tun?

Nun, seit die belgische Staatsanwaltschaft nach ihm fahnden lässt, hat er sich für heimliche, geldwerte Transaktionen etwas Neues einfallen lassen — statt Diamanten und Drogen: Vintage-Uhren!
Ich hatte mir einen gut gehenden Reparaturdienst für Vintage-Uhren aufgebaut, drei Schweizer Rentner, die bei Bedarf für mich zu Hause arbeiten. Für Sammler in aller Welt ist mein Angebot ein Rettungsdienst. Niemand sonst kann ihre Lieblingsstücke mit Originalteilen wieder zum Laufen bringen.
Solche Ersatzteile sind oft nur unter der Lupe herzustellen. Sie lassen sich problemlos in preiswerten Luftpostbriefen verschicken. Kein Büro, keine Buchhaltung, keine Unterlagen, alles in meinem Kopf und in den trainierten Hirnwindungen meiner Schweizer Altherren-Riege — und natürlich im Internet, das ich in meinem portugiesischen Café, neben dem vorzüglichen Espresso, täglich nutzen kann.
Eines Tages setzte sich an meinen Caféhaus-Tisch ein Bote, Viktor Bout hatte ihn geschickt.
Als ich ihn das erst Mal traf, war das Polizei-Radar abgeschaltet — es war ja eine Weile her, daß ich mich mit ihm dienstlich beschäftigt hatte. Mir war nicht klar, daß mich der Merchant of Death zum Hochseefischen auf eine Yacht vor Namibias Küste eingeladen hatte. Er sieht nicht aus wie Nicolas Cage, wissen Sie.
Der Mann, der mich schliesslich als seinen Uhren-Doktor engagierte, ist einsachtzig gross, eher bullig, Schnurrbart und Kopfhaar ordentlich getrimmt, kann sich in einem halben Dutzend Sprachen verständigen ... Er sammle Vintage-Uhren als mobile Geldanlage, sagte er bei einem Möhrensaft — Bout ist Vegetarier, müssen Sie wissen ...
Die Einladung auf die Yacht hatte mir ein Schweizer Bankier vermittelt, Uhren-Sammler und Kunde ... man kennt sich ...

Nun, wir sehen, Ihr Polizei-Radar scheint wieder eingeschaltet …

21 ... von wem auch immer, vielleicht als Quelle „CS 1“, als „Confidential Source One“ — als jene langjährige Bekanntschaft Bouts, die ihn schliesslich an die Amerikaner verraten wird … ?

21 It’s Bout Time ...

Vermutlich wird dieses Radar nicht bloss registrieren, sondern vor allem steuern, wohin Ihre Kuriere im Verlauf unserer Reise verschwinden sollen — mit einigen von Mugabes Geheimdienst beschafften Vintage-Uhren, wie wir vermuten dürfen, als Begleichung eines Aussenstandes ... ?
Wir bedanken uns für’s Mitspielen! Bleiben Sie doch noch, vielleicht kann unser Regisseur Ihnen einen Espresso brühen?
Zum Thema internationale Waffenvermarktung werden unsere Gipfel-Gäste sicherlich das eine oder andere aus eigener Erfahrung beitragen können.
Sir Hiram, verzeihen Sie die Unterbrechung. Bitte schütteln Sie Michail Tifomojewitsch Kalaschnikow die Hand!
Sie haben Ihren russischen Kollegen nie treffen können. Er wurde erst drei Jahre nach Ihrem Ableben geboren … aber einer unserer Geschichtstunnel macht es möglich!
Michail Tifomojewitsch, bitte begrüssen Sie mit uns den Dritten in Ihrem Bunde:
Mr. Benjamin Tyler Henry, nicht bloss Zeitgenosse von Sir Hiram, sondern einer, der als Waffenschmied ebenfalls in die Literatur eingegangen ist …

Wir sagen nur: Silberbüchse, Bärentöter, Henry-Stutzen!



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