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TAZARA ... mit der Eisenbahn durch die Weltgeschichte © KJS / 2009
Der Erfinder des Maxim-Maschinengewehrs www.spartacus.schoolnet
Station 34  


„Die meisten Romane sind, wenn sie überhaupt Erfolg haben, insofern originell, als sie über die Existenz eines Gesellschaftsbereichs oder eines Personentyps berichten, der bis dahin noch nicht ins allgemeine literarische Bewusstsein gedrungen war“. Ihre Worte, Mrs. Lessing …
Nun, hier hat uns Wilbur Smith einen Personentyp ins Bewusstsein gerückt, der zwei ihm bis dahin unbekannte Dinge kennenlernt, die in seinem Gesellschaftsbereich Tod und Verderben bringen: die Eisenbahn und das Maxim-Maschinengewehr …
An Bord unseres garantiert nicht lebensgefährlichen Eisenbahnzuges begrüssen wir jetzt:
Sir Hiram Stevens Maxim — wir ahnen schon, wie Sie zu dem Adelstitel kamen — vermutlich nicht dadurch, daß Sie auch ein paar Patente auf Glühlampen hielten? ...
Mr. Rockefeller, hier ist noch jemand, der der Welt das Licht brachte, diesmal aus der Steckdose.
Sie hatten als Kutschen- und Instrumentenbauer im nordamerikanischen Bundesstaat Maine begonnen und wechselte dann zur Werkstatt eines Verwandten, der eine Gaslampe erfunden hatte. Später wurden Sie Chefingenieur der First Electric Lighting Company. In dieser Zeit erhielten Sie die Patente für elektrische Glühlampen. Warum sind Sie nicht bei den Glühlampen geblieben, Sir Hiram?

„Nun, ich habe auch ein Haarwellen-Eisen erfunden, eine Mausefalle, rauchfreies Schiesspulver und den Schalldämpfer, zunächst für Waffen, später wurde er für Automobile angepasst.“
„Wenn ich dazu kurz eine Anmerkung machen darf ... ?“

Bitte, Mrs. Lessing …

„Ich habe ‘mal gelesen, daß alles, was der Mensch erfindet, nur eine Projektion seiner eigenen Organe ist ...“

1877, Ernst Kapp in seinen „Grundlinien einer Philosophie der Technik“. Er behauptete, daß die technische Entwicklung als Motor der kulturellen Entwicklung dabei stets nur das herausstellt, was im Menschen schon organisch wie geistig angelegt ist. Wenn es schliesslich materiell als Erfindung existiert, dann wird diese Erfindung vom selben Moment an wiederum die geistige Entwicklung herausfordern und vorantreiben, und das geht bis zum Staatswesen als Abbild des menschlichen Organismus.

„Nun, mich hat dabei vor allem interessiert, daß auch die Entwicklung des Buches einer zunehmenden Komplexität der technischen Apparaturen folgte ... in Südamerika als Knoten von Hand geknüpft, in Asien gefaltet in Bambusblattstreifen, in Europa mit Tinte und Feder auf Pergament geschrieben und als Foliant gebunden, schliesslich gedruckt mit beweglichen Lettern.
Was Sie hier veranstalten, die Verwandlung eines Eisenbahnzuges in eine rollende Bühne, dann in ein elektronisches Buch, diese Kombination aus mobiler Materie und gesprochenem Wort, aus dem Angebot nachvollziehbarer Internet-Recherche und aus Formaten von Fernseh-Talk-Shows, diese Vernetzung erinnert mich an das Flimmern eines Nervensystems, das uns reale Freude, realen Schmerz fühlen lässt, aber in Träumen auch eine virtuelle Welt vorgaukelt ...“

So würde Ernst Kapp es sehen, ja ... Er hat auch erkannt, daß ein Werkzeug das andere erzeugt. So wurde aus Sir Hiram’s Schalldämpfer für Waffen ein Schalldämpfer für das Abgasrohr von Autos. Heute würde man zum Beispiel sagen können, das Fernsehen entstand aus einer Kombination von Funk und Film. Und so war die Filmkamera eine Kombination von Fotoapparat und Maschinengewehr.

„Gut beobachtet: der Film wird in der Kamera durch eine Mechanik transportiert, die meinem Maschinengewehr ähnelt, bei dem ja Patronen auf einem Gurt transportiert werden. Genau wie für die Belichtung eines Filmbildes muss der Gurt bei seinem Durchlauf für einen kurzen Moment zur Zündung der Patrone angehalten werden. Es war ein schlauer Einfall, diese Mechanik für die Aufnahme beweglicher Bilder zu nutzen, leider bin nicht ich darauf gekommen.
Aber Sie wollten wissen, weshalb ich nicht bei meinen Glühlampen blieb.
Nun, 1881 besuchte ich eine Ausstellung zum Thema Elektrizität in Paris. Dort gab mir jemand den Rat, wenn man richtig Geld verdienen wolle, müsse man etwas erfinden, mit dem sich die Europäer gegenseitig einfacher umbringen könnten.
Das war rund einhundert Jahre nach der Idee dieses französischen Arztes, bei zum Tode Verurteilten den Kopf nicht mehr mit einem Handbeil vom Rumpf trennen zu lassen, sondern mit einer Maschine. Wenn Sie so wollen, sorgte seine Gouillotine während der Französischen Revolution für einen ersten Hauch industrieller Produktionsweise. Aber mein Ratgeber dachte natürlich nicht an ein simples Hinrichtungsgerät, sondern an die maschinelle Massentötung im Kriegsfall.
Um diese Zeit sah es so aus, als würde vor allem das britische Kolonial-Amt für eine solche Erfindung zu begeistern sein, und ausserdem war da die gemeinsame englische Sprache. Also zog ich nach London. Dort, in meiner Werkstatt in Hatton Garden, präsentierte ich 1885 das erste Maschinengewehr, bei dem der Rückstoß eines Schusses genutzt wurde, um die nächste Patrone zu laden. Mein Maschinengewehr konnte in der ersten Version rund fünfhundert Schuss pro Minute abfeuern und hatte die Feuerkraft von einhundert normalen Gewehren.“

Wenn das Erobern der Welt auf wirtschaftliche Weise erfolgen sollte, hatten Sie zusammengebracht, was zusammengehörte, Sir Hiram: Mit der Installation des Maschinengewehrs auf der Eisenbahn wurde diese selber zu einer Massenvernichtungswaffe.
Übrigens war Ihr Maschinengewehr vor seinem Einsatz im Sudan nur etwa neunhundert Eisenbahn-Kilometer von hier entfernt schon erfolgreich getestet worden, 1893 durch britische Kolonialtruppen bei der durch Cecil Rhodes betriebenen Eroberung des Matabele-Landes.
Ihr Tipp-Geber in Paris hatte eine gute Nase. In den nächsten beiden Jahrzehnten haben Sie ganz schön Kohle gemacht. Für die Produktion gründeten Sie die Maxim Gun Company, die sich 1888 mit dem schwedischen Konkurrenten Nordenfelt zusammenschloss. Mehr als zwanzig Nationen rüsteten ihre Streitkräfte mit Ihren Maschinengewehren aus.
Waren die nicht auch auf Ihrem gepanzerten Zug montiert, Genosse Trotzki? Wir meinen, sie auf alten Fotos erkannt zu haben …


„Ein paar vielleicht, die wir von der Weissen Armee erobern konnten, und die hatten sie wahrscheinlich als Hilfslieferung direkt von den Amerikanern oder von den Engländern erhalten.
Für unsere Rote Armee, im Ersten und im Zweiten Weltkrieg, kam zu spät, was einer unserer findigsten Köpfe im Jahr 1947 entwickelte, den AK-47. Mit allen Nachfolgermodellen wurde er die meist produzierte Waffe weltweit!“

Bei uns kommt es jetzt zu einem Gipfeltreffen der drei erfolgreichsten Waffenerfinder aller Zeiten ...

Ah, oui! — Mein Stichwort:

OHNE SPONSOR — KEIN GIPFELTREFFEN ...

Und ohne erfolgreiche Waffenhändler — keine erfolgreichen Waffenerfinder! Darf ich mitspielen?

... Aber das ist ja mein Afrikaner, n'est-ce pas? Aus dem portugiesischen Café in Harare? Hat die ganze Zeit da oben neben den leeren Bierflaschen unter der Decke geschlafen — oder zumindest so getan ...

Wir bitten um Aufklärung!

Nun, wenn Sie hier die drei erfolgreichsten Waffenerfinder aller Zeiten vorstellen wollen, dann — so meine ich — geht das nicht ohne zumindest einen der erfolgreichsten Waffenhändler aller Zeiten.
Wie ich schon sagte: Erst die Erfolge von Waffenhändlern machen Waffenerfinder erfolgreich — mache ich mich verständlich?

Deren Erfolge oder Ihre Erfolge?

21 Oh, nicht doch. Der wirkliche „Merchant of Death“ wird — wenn das hier alles gut geht — erst in etwa einem Jahr dingfest zu machen sein. Und dann wird es in einem luxuriösen Hotel in Thailand passieren, nicht in einem afrikanischen Zug ...
Der TAZARA-Express, und da draussen die Busse und die Lastwagen auf dem TANZAM-Highway, sie sind für ihn so etwas wie rollende Postfächer. Seine Kunden nutzen sie zur Begleichung ihrer Aussenstände — Kunden, für die Banküberweisungen nicht infrage kommen.

Und was sind Sie? Eine Art Postfach-Verwalter?

— tazara — tazara — tazara ...

Bin ich der da?
Wer da?
Der da!
Oder — die da? ...

Die Gedanken sind frei ... Geisterstunde ... bis auf weiteres sind wir abgenabelt vom Globalen Dorf!

— tazara — tazara — tazara ...

Ich bin der, der jeden Vormittag in einem portugiesischen Café in Harare sitzt ...
Ich lese meine Zeitung ...
Ich trinke meinen Espresso ...

Mais oui! Und manchmal lädt er einen Vorübergehenden ein, sich zu ihm zu setzen. Mich hat er zu einem Espresso eingeladen ...

Ihn und später die junge Frau, die er gar nicht kannte. Sehen die beiden nicht aus wie ein Pärchen? Rucksack-Touristen? So brauche ich sie, genau so ... als unauffällige Pendler zwischen TAZARA und TANZAM-Highway, in seinem Auftrag ...

Drogen? Diamanten? Womit dealen Sie?

Mit Uhren!

Ah — der LANGE & SÖHNE DATOGRAPH am Arm dieses Franzosen mit dem Pferdeschwanz, Handaufzug, in Platin mit Faltschliesse! ... Dreissigtausend Dollar mindestens, hatte ich geschätzt, oder mehr ...

Uhren — Vintage-Uhren — wurden zu meinem Hobby, als ich in Simbabwe den Polizeidienst quittierte. Ich war ein erfolgreicher Spezialfahnder, doch der Apparat liess mich im Stich. Ihn kann ich nicht reparieren, aber das Federwerk alter Armbanduhren.
Ich erwerbe sie aus Nachlässen, oder bei Streifzügen durch Ramschläden im afrikanischen Hinterland. Oft sind sie letztes Zeugnis einer weissen Farmer-Geschichte, mitgebracht aus Europa nach Afrika am Arm eines Vorfahren, weitervererbt von Generation zu Generation, zum Schluss verpfändet — oder durch Farmbesetzer „enteignet“.
Nur Fachleute erkennen ihren oft enormen Wert. Für einen durchschnittlichen Zollbeamten sehen sie aus wie — nun wie ein vielleicht etwas unmoderner Gebrauchsgegenstand.
Was ich nach fast vierzig Jahren Polizeidienst — erst unter der weissen, dann unter der schwarzen Regierung — als Abfindung erhielt, hätte ich auch gleich stapeln und anzünden können, der Rauch aus den Bündeln von Mickymaus-Geld hätte wenigstens geholfen, Ungeziefer zu vertreiben.
Mein Uhren-Hobby half mir, erst zu überleben, dann erneut Ungeziefer zu jagen — jetzt als verdeckter Fahnder mit internationalen Auftraggebern. Die wollen anonym bleiben, weil ihnen das Treiben des Merchant of Death über viele Jahre durchaus gelegen kam ... Eine Verhaftung würde Schockwellen auslösen in Regierungskreisen und in Geschäftsetagen von Washington über London und Ostend bis Kabul, Bagdad, Kinshasa, Johannesburg.
Deshalb der Auftrag an mich, den Mann ständig auf dem Bildschirm zu behalten. Ein Zugriff wäre — so wurde mir bedeutet — nur dann unausweichlich, wenn es ihm einfallen sollte, vor der Haustür der Amerikaner eine Terroristenorganisation mit Boden-Luft-Raketen zu beliefern. Das mag ja bald der Fall sein ...

Wenn wir Sie kurz unterbrechen dürfen, unser Herr Dunkler würde Ihre Geschichte gern illustrieren ...


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