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Kapitel 02
Kapitel 03
Kapitel 04
Kapitel 05
Kapitel 06
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Kapitel 88

 
TAZARA ... mit der Eisenbahn durch die Weltgeschichte © KJS / 2009
Der Spielleiter
KAPITEL 62



Computertaugliches System zur Messung von Verkehrsströmen?
Computergestützte Kommunikationsströme?

Oh, der Strom!

1 Glühbirnen formten 1888 die magische Ziffer: 100.000 — einhunderttausend Unzen Gold, herausgeholt in jenem Jahr aus Johannesburgs Erde. Die Firma Eckstein Bros. hatte aus diesem Anlass die erste elektrische Anzeigentafel Südafrikas errichten lassen. Drei Jahre zuvor war die Ausbeute noch kaum erwähnenswert gewesen ...
Schon ein Jahr darauf war es nur wieder die Hälfte. Ein hässliches Gerücht machte die Runde, wurde geflüstert, schnürte die Kehlen zu.
Immer weniger Besucher kamen in mein Wellblech-Büro, in dem ich gegen Honorar notarielle Angelegenheiten börsen-notierter Schürf-Unternehmen erledigte.
„Es wird schlimmer und schlimmer“, sagte eines Tages der Schwiegervater. „Heute haben wieder zwei Hüttenwerke dicht gemacht. Der ganze Marktplatz ist gerammelt voll mit Möbeln, Maschinen, Pianos, alles, was sich verkaufen lässt. Jeden Tag hauen mehr Menschen ab. Wie geht’s bei dir?“ Ich sagte ihm, was seine Tochter noch nicht wusste: „Schlimm. Es werden keine neuen Firmen gegründet, frische Aktien gibt es schon lange nicht mehr. Es kommt kein Geld mehr herein ...“
Als ihre Eltern gegangen waren, bemerkte Agnes Staubwolken am Horizont. „Woher der ganze Staub?“ fragte sie. Eine gute Gelegenheit, nicht länger die Wahrheit zu verschweigen. „Das sind die vielen Ochsengespanne, mein Liebes. Mehr und mehr Familien ziehen weg, so schnell sie können ...“
Unser Sohn war in jenem Jahr zur Welt gekommen, eines der ersten Kinder englischer Eltern, die in Johannesburg geheiratet hatten. Agnes war zu beschäftigt gewesen, um den Umbruch wahrzunehmen. Ich erklärte es ihr.
„Die Minen haben eine Tiefe erreicht, wo Gold nicht mehr einfach ausgewaschen werden kann. Es sitzt jetzt im Fels. Unsere bisherigen Methoden, es herauszuholen, helfen da nicht. Viele Leute glauben, das ist das Ende. Und die meisten waren sowieso überzeugt, daß sich das Gold nur im Sand eines alten Flussbettes angesammelt hat, nicht tiefer als fünfundsiebzig Fuss. Vielleicht haben sie recht, vielleicht ist darunter kein Gold mehr!“
„Was glaubst du?“ fragte Agnes.
„Ich denke, es ist noch da. Ich bin bereit, bis zum bitteren Ende auszuharren, auch wenn ich alles verliere und von vorn anfangen muss.“

Ich verlor alles. Das war meine erste Krise!

Ich nutzte die Zeit, um mein Rechtsstudium voranzutreiben. Wenn ich einnickte, stand Agnes bereit, rieb mir Wasser mit Essig über Stirn und Nacken. Nach sechs Monaten erhielt ich die Zulassung zur Anwaltskammer. Das wurde unser Rettungsanker.
Unterdessen hielt der Exodus der Schürfer an. Ein Drittel der Läden und der Wohnungen in der Stadt stand leer. Die Hoffnung kam in Gestalt dreier Männer aus dem weit entfernten Glasgow, John Stewart Mcarthur und die beiden Forrest-Brüder Robert und William. Mcarthur hatte als Chemiker bei der Tharsis Sulphur und Copper Company gearbeitet. Aus aller Welt erhielt diese Firma Erz- und Metallproben für Tests und Experimente. Die Forrest-Brüder, beide Mediziner, hatten sich in ihrer Freizeit mit chemischen Versuchen befasst. Sie wollten Gold aus Gestein und aus Verbindungen mit anderen Metallen lösen. Während die drei mit Unterstützung der Tharsis-Labors in Glasgow dem Problem auf der Spur waren, türmten sich in Johannesburg die Geröllhalden, in den Felsbrocken unerreichbar eingeschlossen: Gold im Wert von vielen tausend Pfund.
1887 wies Mcarthur im Labor-Versuch nach, daß sich Gold mit dem giftigen Zyanid lösen liess. 1890 baute er auf einem Johannesburger Goldfeld eine Versuchsstation für etwas, das er „Cyanidlaugung“ nannte. Am Ende würde das Edelmetall elektrolytisch abgeschieden. Elektrolyse, so lernten wir, geht nicht ohne Zufuhr einer gleichbleibenden elektrischen Spannung.
Ich war dabei, als Mcarthur unter akribischer Aufsicht von Hennen Jennings, Ecksteins Kontrolleur, zwei Tage und zwei Nächte lang zermahlenes Gestein durch Flüssigkeit und Strom schickte. Am dritten Tag seines Feldversuchs kam ich atemlos nach Hause.
„Mcarthur hat’s geschafft! Sein Gold aus dem Fels ist eben getestet worden! Es hat einen Gehalt von achtundneunzig Prozent!“
Die Zukunft von White Waters Ridge — und die meine — glühte abermals rosig und golden.

Die Krise war überwunden ... dank Gift und Strom ...

Wenn ich den Computer abschalte, spiegelt der dunkle Monitor mein eigenes Gesicht, alterslos ... dann beuge ich mich wieder über meinen Schreibblock und notiere ...

„Oh nein, mein Herr. Ich fasse nicht zusammen. Das macht später der Redakteur. Ich notiere nur das, was der Redner sagt, und später schreibe ich alles säuberlich auf.“

Ich blättere zurück in den Notizen:

„Der Mensch ist in der Lage, die Welt friedlich zu regieren, aber er wird immer den Krieg vorziehen.“

Es gilt das gesprochene Wort!




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