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TAZARA ... mit der Eisenbahn durch die Weltgeschichte © KJS / 2009
Michael Moore www.zombiechatter.com
Station 38  



Mr. Colt wollten wir nicht auch noch einladen. Stattdessen betritt unsere rollende Bühne ein — ja wie sollen wir sagen? — ein Typ wie aus einem Western Saloon, massig, nie zu übersehen, das Holzfällerhemd hängt ihm aus der Hose, auf dem Kopf eine Baseballkappe, im Gesicht ein Gestrüpp.
Wir begrüssen den Mann, der sich vor laufender Kamera in einer nordamerikanischen Kleinstadt zur Eröffnung eines Bankkontos als Zugabe ein Gewehr schenken liess.
Michael Moore, mit dieser Szene beginnt Ihr Dokumentarfilm, der Ihnen einen Oscar und zahlreiche andere Auszeichnungen einbrachte.


„Ich wollte zeigen, wie einfach es bei mir zu Hause ist, an eine Waffe zu kommen. Ich selber hatte ja schon als Junge von meinem Vater einen Mitgliedsausweis der National Rifle Association bekommen.“

Die „National Rifle Association“ ist eine U.S.-amerikanische Organisation, die sich dem Sportschießen, dem Training zum sicheren und geschickten Umgang mit Schusswaffen sowie besonders dem Eintreten für Waffenbesitz und für die Rechte der Schusswaffenbesitzer verschrieben hat.
Die NRA wurde kurz nach dem Amerikanischen Bürgerkrieg von Offizieren der Union gegründet, die entsetzt darüber waren, wie schlecht die Soldaten der Union während des Krieges geschossen hatten. Vorbild war die 1859 gegründete britische „Rifle Association“. Die Organisation bezeichnet sich selbst als „die älteste Bürgerrechtsorganisation der Vereinigten Staaten“. Nach eigenen Angaben sind vierkommazwei Millionen Personen und zehntausendsiebenhundert Vereinigungen Mitglieder der NRA.
Was ist gegen einen Verein für Sportschützen einzuwenden, Mr. Moore? In Deutschland marschieren doch auch jedes Jahr lokale Schützenvereine durch Dörfer und Städte ...


„... mit Holzgewehren, soweit ich weiss! Ausserdem gelten in Deutschland auch für diese Schützenvereine sehr restriktive Bestimmungen des Waffengesetzes und der Waffenverordnung sowie die Bestimmungen des Kriegswaffenkontrollgesetzes und des Sprengstoffgesetzes, ausserdem die gesetzlichen Jugendschutzbestimmungen. Da kriegen Sie kein Gewehr zur Kontoeröffnung bei einer Bank.
Bei uns in den U.S.A. hatten im Jahr 1999 zwei Schüler an der Columbine High School in Littleton zwölf Mitschüler, einen Lehrer und sich selbst erschossen. Vor dem Hintergrund dieses Schulmassakers wollte ich herausfinden, weshalb in den Vereinigten Staaten von Amerika die Rate von Gewaltverbrechen — insbesondere mit Schusswaffen — höher ist als in anderen demokratischen Staaten wie zum Beispiel in Deutschland, in Frankreich, in Japan, Großbritannien, Australien und insbesondere in Kanada.“

Wie ist denn der Titel Ihres Films zu erklären, „Bowling for Columbine“?

„Nun, es störte mich, daß man das Columbine-Massaker fast ausschließlich dadurch erklärte, daß die beiden Täter die Musik von Marilyn Manson gehört hatten. In Anlehnung daran, daß sie vor der Tat bowlen waren, stelle ich im Film die Frage, ob es nicht genauso sinnlos sei, das Bowlen für die Tat verantwortlich zu machen.“

Inzwischen ist bekannt, daß die Täter den Bowling-Kurs geschwänzt hatten — schade um den Titel ... Irgendwie ist uns aber auch nicht klar geworden, zu welchem Schluss Sie in Ihrem Film eigentlich kommen.
Sie argumentieren, daß die höhere, schusswaffenbedingte Mordrate in den U.S.A. nicht mit der Zahl der Waffen zusammenhänge, da es in Kanada ebenfalls viele Waffen gebe.
Sie stellen andere Gründe vor und verwerfen sie zugleich wieder: Die gewalttätige Unterdrückung der Indianer in der Vergangenheit scheide aus, erklären Sie, da andere Nationen mit gewalttätigem Hintergrund wie Deutschland (Zeit des Nationalsozialismus), Japan (Besetzung Chinas im Zweiten Weltkrieg) oder Frankreich (Algerienkrieg) heute geringere Mordraten hätten. Auch Militarismus, Rassismus und insbesondere Angst der „weißen“ Bevölkerungsmehrheit vor der „schwarzen“ Bevölkerungsminderheit, sowie das Gesellschaftsmodell der U.S.A. (Wettbewerb, Einkommensunterschiede, Wohlfahrts- statt Sozialsystem) werden von Ihnen aufgezählt.
Breiten Raum nimmt die Betrachtung der U.S.-amerikanischen Medienlandschaft ein, die mit ihrem Schwerpunkt auf Gewalt und Kriminalität zu einem allgemeinen Gefühl der Verunsicherung und Angst beitrage.


„Nun, vielleicht ist das die Antwort meines Films: wir in den U.S.A. leben in einer Kultur der Angst.“

Da gefällt uns besser, was einer Ihrer Kritiker nach Betrachten des Films notierte …

Einmal zuckt ein Gesprächspartner mit der Schulter, Moore zuckt mit: eines der Bilder dieses Films, die man aus dem Strom herausreißen möchte. Aber kaum hat es einen beeindruckt, schon ist‘s wieder halb vergessen.

Mr. Moore, Sie haben es eilig, der nächste Auftritt wartet. Worum geht es diesmal?

„Eine Veranstaltung im ehrwürdigen Londoner Palladium-Theater. Ich werde den Briten etwas zu meinem nächsten Dokumentarfilm erzählen: ‚Fahrenheit 9/11‘.
Der Film beleuchtet unter anderem die Geschäftsverbindungen der Familie von Präsident Bush zu arabischen Geschäftsleuten, vor allem zu jenen, die der Bin-Laden-Familie angehören. Dabei schildere ich die Politik meiner Regierung nach der Zerstörung des World Trade Centers in New York, bekannt unter der englischen Kurzbezeichnung für das Datum der Terroranschläge am 11. September 2001: ‚nine-eleven‘ oder ‚9/11‘.
Und bevor Sie wieder fragen: Angelehnt ist der Titel des Films an den Roman ‚Fahrenheit 451‘ von Ray Bradbury und den gleichnamigen Film von François Truffaut. Sie bezogen ‚Fahrenheit 451‘ auf die Temperatur, bei der Papier zu brennen beginnt, nun bei mir ist ‚Fahrenheit 9/11‘ die Temperatur, bei der die Freiheit brennt ...
Übrigens, meine Rechercheure stiessen auf eine kleine Geschichte, die ich dann im Film nicht verwendet habe. Aber vielleicht interessiert sie ja Ihren russischen Gast. Ich meine nicht Herrn Trotzki, sondern den anderen ...
Zum sechzigsten Jahrestag Ihrer Erfindung, Mr. Kalaschnikow, erschienen mehrere Bücher, eines davon von Michael Hodges, der darin unter anderem eine Anekdote von Osama bin Ladens erstem ‚AK47‘ erzählt: Diese Waffe wurde angeblich 1982 beim israelischen Angriff auf Palästinenserstellungen im Libanon erbeutet und ging dann via CIA, also den amerikanischen Geheimdienst, an Bin Laden als dieser mit den Mudschaheddin in Afghanistan noch im Auftrag Amerikas gegen die Russen kämpfte. Es ist jener Karabiner, den er der Welt nach ‚9/11‘ in seinem ersten Video präsentierte.“

Danke, Mr. Moore, und wir wollen noch ein bisschen zum Thema „böse Waffen“ — „gute Waffen“ beitragen.

In der amerikanischen Zeitschrift „Movies and Methods“ wird das Gewehr im Film „Winchester ’73“ als ähnlich einem „göttlichen Objekt“ beschrieben, welches in einer sich verändernden Welt für etwas „Beständiges, Perfektes und Schönes“ stehe und in der Art der „Waffen in der mittelalterliche Romantik“ alleine durch die Präsenz das wahre menschliche Verhalten zeige.
Das erinnert an die eher positive Rolle, die Karl May in seiner Roman-Welt Ihrem Stutzen zugeschrieben hat, Mr. Henry, einer Waffe, die sich von „Bösen“ nicht bedienen lässt.



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