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TAZARA ... mit der Eisenbahn durch die Weltgeschichte © KJS / 2009
Eurasien wikipedia
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Wir haben jemanden gefunden, der sich aus Gründen, die wir gleich noch kennenlernen werden, für den Menschen und Politiker Joschka Fischer besonders interessiert hat. Leider ist uns zurzeit nur sein Künstlername bekannt: Olenin Terek.
„Olenin“ ist der Held in Tolstois „Kosaken“ und Terek heißt der Fluß im Kaukasus, an dem sich Russlands asiatische Interessen seit der Zarenzeit festmachen …
Also, Olenin Terek, Sie sind der Erste, der bei uns unter seinem Pseudonym auftreten darf. Was treibt Sie an?


40 Europa ist zu kurz gedacht. Was als wirtschaftliche und politische Union entsteht, ist nur ein grösserer Westen. Der Osten des Grosskontinents Eurasia wird weiter ferngehalten. Dies entspricht derzeit amerikanischen Interessen, läuft aber denen der eurasischen Völker und Staaten völlig zuwider. Dagegen setzt die Bewegung der Eurasier ihre Vision eines grossen Reiches, befreit von amerikanischer Hegemonie, das sich von Wladiwostok an der Pazifikküste bis zur portugiesischen Estremadura erstreckt ... Die Thesen der Eurasier bewegen ... die Gemüter. Sie sind das heisseste politische Thema des beginnenden 21. Jahrhunderts.

„Politische Fiktion“, so steht es über dem Titel Ihres ersten Romans. Danach begannen Sie, für eine zweite Fiktion über den realen Joschka Fischer zu recherchieren …

Joschka Fischer, eigentlich Joseph Martin Fischer, geboren am 12. April 1948 als drittes Kind eines Metzgers. Die Eltern hatten als Ungarndeutsche 1946 ihren Wohnort Budakeszi, eine im Jahr 2000 zur Stadt erhobene Gemeinde nahe Budapest verlassen müssen. Die Familie siedelte nach Langenburg im Hohenlohischen über. Der geführte Vorname leitet sich von Jóska ab, einer Verniedlichungsform des ungarischen Vornamens József.
In der frühen Jugendzeit ist er Ministrant in der katholischen Heimatgemeinde. Noch vor Beendigung der Untersekunda, also der 10. Klasse, verlässt Joschka 1965 das Gottlieb-Daimler-Gymnasium in Stuttgart-Bad Cannstatt ohne Abschluss und beginnt in Fellbach eine Lehre als Fotograf, die er 1966 abbricht. Danach arbeitet er vorübergehend als Spielwarenverkäufer.
Ab 1967 engagiert er sich in der Studentenbewegung und in der Außerparlamentarischen Opposition (APO). Er lebt ab 1968 in Frankfurt am Main. Später jobbt er im SDS-Verlag „Neue Kritik“ und im größten linken Buchladen am Ort, dem „Libresso“ am Opernplatz. Gleichzeitig beginnt er die für die revolutionären Studenten obligatorischen Universitätsveranstaltungen als Gasthörer zu besuchen: Vorlesungen von Theodor W. Adorno, Jürgen Habermas und Oskar Negt, die bis zu 2000 Zuhörer haben. Hier setzt er sich auch mit den Schriften von Karl Marx, Mao Zedong und Georg Wilhelm Friedrich Hegel auseinander.
Bis 1975 ist er Mitglied der linksradikalen und militanten Gruppe „Revolutionärer Kampf“. Als führendes Mitglied einer sogenannten „Putzgruppe“ beteiligt er sich an mehreren Straßenschlachten mit der Polizei, in denen Dutzende von Polizisten zum Teil schwer verletzt werden. Als Außenminister gesteht er seine damalige Gewalttätigkeit ein, will sich aber gleichzeitig nicht von ihr distanzieren. Er beteuert zudem, niemals Molotowcocktails geworfen zu haben.
Aus der Frankfurter Zeit stammt auch seine Freundschaft mit dem deutsch-französischen Studentenführer Daniel Cohn-Bendit, mit dem er zeitweilig in einer Wohngemeinschaft wohnt.
1969 nimmt Joschka in Algier an einer Konferenz der Palästinensischen Befreiungsorganisation / PLO teil.
1971 beginnt er eine Tätigkeit bei der „Adam Opel AG“ in Rüsselsheim mit dem Ziel, über die Gründung einer Betriebsgruppe die Arbeiter zu politisieren und letztlich für die „Revolution“ zu gewinnen. Diese Form der „Basisarbeit“ bringt aber nicht den erhofften Erfolg; zudem wird Joschka wegen seiner Aktivitäten schon nach einem halben Jahr fristlos entlassen.
Nach weiteren Gelegenheitsarbeiten — unter anderem als Übersetzer von Romanen — besteht Joschka 1976 die Prüfung für den Personenbeförderungsschein. Er arbeitet in Frankfurt noch bis 1981 als Taxifahrer und bis 1982 als Aushilfe in einem Buchladen. Schauspielerische Kurzeinsätze hat er zudem 1983 in dem Fernsehfilm „Der Fliegende Robert“ und 1986 in dem Film „Va Banque“, in dem er einen Frankfurter Taxifahrer namens „Phudy“ spielt.
Am 14. Mai 1976 wird Joschka nach einer Demonstration anlässlich des Todes von Ulrike Meinhof im Zusammenhang mit einem Angriff auf Polizisten mit Molotowcocktails, bei dem zwei Polizisten schwer verletzt werden, verhaftet. Er bleibt allerdings nur zwei Tage in Haft. Bei der Planung der Demo ist unter Beteiligung Joschkas der Einsatz von Molotowcocktails diskutiert worden.
Die Ereignisse im so genannten „Deutschen Herbst“ im Jahr 1977 — Entführung und Ermordung des Industriellen-Chefs Hanns Martin Schleyer, Entführung der Lufthansa-Maschine Landshut, Suizid der RAF-Gründer — leiten bei ihm, nach eigenen Angaben, einen Erkenntnisprozess ein, den er als Illusionsverlust bezeichnet, und der schließlich zu seiner Abkehr von radikalen und gewalttätigen Politikvorstellungen führte.
Am 11. Mai 1981 wird der hessische Wirtschaftsminister Heinz-Herbert Karry mit einer Schusswaffe ermordet, die, zusammen mit anderen aus einer amerikanischen Kaserne gestohlenen Waffen, im Jahre 1973 in Joschkas Auto transportiert worden war. Joschka meint dazu, er habe dem späteren Terroristen Hans-Joachim Klein den Wagen lediglich gegeben, um von ihm einen neuen Motor einbauen zu lassen. Erst später habe er erfahren, daß mit dem Auto gestohlene Waffen transportiert worden seien.
Noch vor seinem Parteibeitritt im Jahr 1982 gründet Joschka 1981 mit Daniel Cohn-Bendit und anderen den „Arbeitskreis Realpolitik“ in Frankfurt, der für die Partei „Die Grünen“ „real-politisch“ genannte Positionen formuliert. Die inhaltliche Auseinandersetzung mit diesen neuen Positionen führt im Kreisverband Frankfurt zur Polarisierung in „Realos“ und Vertreter eines „öko-fundamentalistisch“ genannten Standpunktes, den „Fundis“.
Joschka kann sich 1982 für die Bundestagswahl 1983 als Kandidat für „Die Grünen“ durchsetzen.
1983 wird er in den Deutschen Bundestag gewählt und gehört damit der ersten Bundestagsfraktion der „Grünen“ an, für die er als Parlamentarischer Geschäftsführer tätig ist.


„Na, bestens ... und dankeschön für die Begegnung im Zug! Das ist er also, der Autor, der mich literarisch ins Fadenkreuz nahm — als Figur eines Polit-Thriller.
Na klar, hab ich den gelesen, ich meine, es war nicht gerade Lektüre, die ich zu Elke Heidenreich in‘s Fernsehen mitgenommen hätte ... Und bei Jürgen Habermas, damals in Frankfurt, habe ich gelernt, daß politisierende Schriftsteller uns Politikern das Leben sowieso schwer machen ...

41 Da sind zunächst die Unpolitischen unter den Schriftstellern und die Mandarine unter den Gelehrten. Für Hermann Hesse oder den frühen Thomas Mann, für Ernst Robert Curtius oder Karl Jaspers sind die Sphären des Geistes und der Macht derart voneinander geschieden, daß ihnen eine ‚Politisierung des Geistes‘ als Verrat an der Berufung der schöpferischen und der gebildeten Persönlichkeit erscheinen musste.
Auf der anderen Seite stehen realpolitisch gesonnene Theoretiker wie Max Weber und der junge Theodor Heuss. Sie hegen den Argwohn, daß im Zuge einer Politisierung von Schriftstellern und Philosophen ein unernstes, inkompetentes, schwankendes Element in einen Bereich eindringen würde, der der fachlichen Rationalität des Berufspolitikers vorbehalten bleiben müsse. Beide Seiten fürchten vom Intellektuellen eine Vermischung der Kategorien, die besser getrennt bleiben sollten — sei es, weil sonst der arbeitsteilige politische Betrieb den esoterischen Geist ins Alltäglich-Opportunistische herabzieht und verunreinigt oder weil umgekehrt das normale Funktionieren des Betriebes durch gesinnungsethische Schwarmgeisterei ruiniert würde.


„Hab‘ ich eine zeitlang auf einem Zettel mit mir ’rumgetragen, das Habermas-Zitat. Für einen Schulabbrecher, der zwischen Schauspielerei und politischer Rauferei pendelte, eine interessante Lektion.
Aber ich will gerne zuammenfassen, worum es in dem Thriller ‚Der Mann aus Grosny‘ geht, um danach — sorry to say, lieber Autor — das ganze Handlungsmotiv zusammenkrachen lassen ... ganz ohne Molotow-Cocktail, ich versprech’s.
Es ist schon der zweite Roman von Olenin Terek, den er wiederum um ein noch vages Eurasien-Konzept kreisen lässt. Das soll dem globalen Allmachtanspruch Amerikas Paroli bieten.
Die Idee mit dem Attentat auf den deutschen Aussenminister soll ihm ein Artikel des russischen Politikers und ehemaligen Gesandten in der DDR, Igor Maximytschew, vermittelt haben. In diesem Artikel, tatsächlich veröffentlicht in der ‚Nesawissimaja Gaseta‘, wurde ich als Lakai der U.S.A. dargestellt und als ‚Totengräber der deutsch-russischen Beziehungen‘ attackiert. Soweit die Fakten.
Der Roman setzt damit ein, daß der Student Igor Rassow, glühender Verfechter einer engen Verbindung zwischen Moskau und Berlin, diesen Artikel liest. Er sieht in mir das Symbol für all die politischen Marionetten, die den Machtanspruch der U.S.A. über den eurasischen Kontinent fördern, und er plant, mich deshalb umzulegen. Rassow ist tonangebender Feuerkopf einer eurasischen Untergrundbewegung, der ‚Organisation Tauroggen‘“ ...

Halt! „Tauroggen“ — das hatten wir schon einmal! Herr Dunkler, können wir das bitte noch einmal hören?

29 „In der Poscherun-Mühle bei Tauroggen schlossen der russische General Diebitsch und der preussische General York am Ende des Jahres 1812 die ‚Konvention von Tauroggen‘, durch die das preussische Hilfskorps (für Napoleon) im russischen Feldzug für neutral erklärt wurde. Militärisch einleuchtend: Das preussische Hilfskorps war von den Russen eingeschlossen.“

„Emil Belzner, unser Schwarzfahrer! Aus seinem Buch ‚Die Fahrt in die Revolution‘. Es handelt sich um ein fiktives Lenin-Zitat zu einem realen historischen Ereignis. Bei Tauroggen kam es zu einer interessanten, aus der Not geborenen Übereinkunft zwischen zaristischen Russen und preussischen Deutschen, geduldet von napoleonischen Franzosen.“

Bitte weiter im Text, Joschka.

„Im Zentralkomitee dieser Tauroggen-Organisation argumentiert Rassow, ich sei Feind eines mächtigen, politisch geeinten Eurasiens und müsse daher beseitigt werden.
Rassow trägt den Geruch des Todes mit sich. Er hat die Spezialausbildung der russischen ‚Omon‘-Truppen absolviert, in Tschetschenien gekämpft und schon einige Sprengstoffattentate auf Russen verübt, die sich von ‚Westside‘ kaufen ließen, einem getarnten Netzwerk U.S.-amerikanischer Einflußnahme. Zuletzt diente Rassow in der berühmt-berüchtigten ‚Alpha‘-Truppe, die direkt dem Präsidenten im Kreml unterstellt ist.
Rassows engster Jugendfreund ist Politiker geworden und hat im Kreml Karriere gemacht, es bis zum Präsidenten der Russischen Republik gebracht. Wir reden hier von Wladimir Putin, der im Roman ‚Posstanowschtschik‘ heisst, zu deutsch ‚Regisseur‘. Dieser Bezeichnung macht er alle Ehre, und die Putin-Figur spielt in dem Thriller eigentlich die Hauptrolle.
Er und Rassow werden schließlich zu Gegenspielern, denn der Präsident muß das Attentat unter allen Umständen verhindern. Das gelingt schließlich, nach 350 Seiten, im letzten Moment. Aber ohne, daß die ‚Organisation Tauroggen‘ Schaden nähme.
Sankt Petersburg, Moskau, Berlin und Bonn sind die Stationen, zwischen denen sich die Handlungsstränge entwickeln. Ob eine Bibliothek in Petersburg, ein Versicherungsgebäude in Bonn oder die Spezialmunition einer ‚Heckler & Koch‘ — na ja, oder eben meine Person — der Autor hat seine Milieus und sein Personal bis ins Detail recherchiert, bei mir leider zu oberflächlich ... netter Ansatz, aber falsche Ausgangslage!“

Weil du selber zum Thema „Eurasia“ verdeckt ermittelt hast? Und weil wir jetzt von dir einen ganz anderen Thriller zu hören bekommen?

„Mit dem Unterschied: Alles ist belegt! Fangen wir an mit Wladimir Putin und der Frage, warum er das fiktive Attentat auf mich ‚unbedingt verhindern‘ wollte ...

Wir hofften, es würde jetzt weniger fiktiv! Und wir dachten, dein „Pate“ George Kennan hätte dich mit einem konkreten Auftrag in diesen Zug geschickt?
Dafür wären wir gerne bereit, dich ebenfalls durch unsere Geschichtstunnel hin- und herrollen zu lassen …


„George war ein überzeugter Antikommunist, seine Analyse, damals 1946, beruhte aber auf einer brillanten Kenntnis der Geschichte und der Kultur Russlands wie auch der Lebensrealitäten in der UdSSR. Die Ideologen der neuen Konfrontation, die wir gerade erleben, zeichnen sich dagegen keinesfalls durch ein nuanciertes Kennen der Situation aus.
Mich ärgert, daß die Mehrheit der bei uns massgeblichen Analytiker und Analytikerinnen sowie unsere Medien bis hinein in das sich als links und progressiv verstehende Lager bei der Wahrnehmung der russischen Entwicklung bisher nicht über die Stadien-Theorie von Marx und Engels hinauskommt — Russland wird nur unter dem Gesichtspunkt des ‚Nachholens‘, der ‚Einordnung‘, des ‚Noch-nicht-Erreichten‘ begriffen und nach diesem, dem eigenen westlichen Maßstab, beurteilt — und mit wachsendem neuen russischen Selbstbewusstsein zunehmend auch verurteilt.
So wird zwar richtig konstatiert, es gebe ‚noch keine‘ Zivilgesellschaft in Russland, aber es wird nicht bedacht, daß die nachsowjetisch-russische Gesellschaft vielleicht von anderen Werten ausgeht, die zwar mit dem westlichen Individualismus auf gute Weise zu verbinden, dabei aber zu erhalten, zu entwickeln und sogar wiederherzustellen sind, zum Beispiel die russischen Gemeinschaftstraditionen, insonderheit die Strukturen der gemeinschaftlichen Eigen- und Selbstversorgung.
Auch das ist ein sehr komplizierter Prozess, der andere Formen der Selbstbestimmung und Demokratie hervorbringen mag als eine Formaldemokratie nach westlichen Vorgaben.
Ich habe mich dafür schlau gemacht bei Kai Ehlers, dessen Artikel ich in einer Datenbank zur ‚Neue Weltordnung‘ fand, bei der sehr empfehlenswerten ‚Arbeitsgemeinschaft Frieden‘ an der Kasseler Universität.
Interessante Lektüre ... kein Wunder, ich hab‘ ja das handelnde Personal inzwischen weitgehend selber kennengelernt ... und seit ich meine Freiheit wiedergewonnen habe, sucht mir keine Pressestelle mehr aus, was ich zu lesen habe.


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