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TAZARA ... mit der Eisenbahn durch die Weltgeschichte © KJS / 2009
Mr. Moon in Afrika telegraph
Station 50



— tazara — tazara — tazara ...

Gut gesprochen — in Pretoria, vor tausend Studenten und Mitarbeitern der Universität. Zwei Monate ist es her, wir hatten gerade sieben Länder Afrikas besucht: Kamerun, Namibia, Mosambik, die Seychellen, den Sudan, Sambia, Liberia — und nun Südafrika ...

Mr. Moon hat bis heute neunhundert Infrastrukturprojekte in Afrika finanziert und afrikanischen Staaten zehn Milliarden Dollar Schulden erlassen. Seine Firmen bauen in Afrika Staudämme, Telekom-Netzwerke, Hotels, Flughäfen, Öl-Pipelines, Eisenbahnen.
Mr. Moon versteht nicht, weshalb der gewöhnliche Afrikaner den gewöhnlichen Chinesen nicht mag. Den Grund herauszufinden, ist mein zweiter Auftrag bei der Fahrt über diese Schienen, verlegt von Chinesen als Afrikaner sie noch willkommen hiessen.

— tazara — tazara — tazara ...

Bin ich der da?
Wer da?
Der da!
Oder — die da? ...

— tazara — tazara — tazara ...

Ach, Mr. Rockefeller, meine Freundinnen und ich, wissen Sie, wir sind ja noch Anfängerinnen im Geschäft — wir kaufen in Dubai ein, meistens preiswerte Waren aus Asien: Kinderkleidung, Auto-Ersatzteile, Fernseher, Computer ...
Wir vier haben uns zusammengetan, viermal im Jahr schaffen wir es, die Kosten für Flugtickets zusammenzukriegen, und für den Schiffs-Container aus Dubai nach Dar-es-Salaam, und für den Transport mit der TAZARA-Bahn nach Sambia.
Aber jetzt kommen uns diese Chinesen in die Quere, wollen die Geschäfte selber machen! ... Haben Sie da eine Idee, so ‘was wie „LAMPEN FÜR AFRIKA”?
Ich meine, Öl hätten wir doch selber in Afrika?
Und mein Schwager hat selbst erlebt, was wir zu erwarten haben von den Chinesen ...

Wir sind uns ziemlich sicher, meine Damen, daß Mr. Rockefeller für Sie da im Laufe unserer Reise noch der richtige Ansprechpartner werden wird. Aus der frühen Rockefeller-Geschichte haben sich sogar chinesische Manager manches abgeguckt …
Zur Klärung des Vorfalls, auf den Ihr Schwager Bezug nahm, bitten wir diesen doch einfach ‘mal auf unsere rollende Bühne. Willkommen, Mr. Albert Mwanaumo! Sie können sich unbefangen äussern. Wir sind noch nicht auf jenem Teil der TAZARA-Strecke, wo stählerne Rolläden heruntergelassen werden, weil Kinder den Zug mit Steinen bewerfen. Bis zur Grenze Sambias ist es auch noch ein Stück. Dort, im Norden, arbeiten Sie in einer Kupfer-Mine?


„Arbeitete! Bis sie auf mich schossen!“

Auf Sie schossen? Chinesische Manager liessen auf Sie schiessen?

„Und sechs von uns töteten sie! ... Unser Bergwerk in Chambishi war nicht mehr rentabel. Es war eingemottet, bis Chinesen es 1998 kauften. Die China Non-Ferrous Metal Mining (Group) Co. ist eine staatliche Gesellschaft. Sie brachte viele Jobs und neue Investitionen, das ist wahr.
Aber bald verboten die neuen chinesischen Besitzer alle Gewerkschaftsarbeit im Betrieb. Danach sparten sie an allen Ecken, auch an Sicherheitsvorkehrungen. Bei der Explosion eines Sprengstofflagers der Mine starben vor zwei Jahren mehr als fünfzig Menschen. Das war das schlimmste Industrieunglück in der Geschichte Sambias.
Die chinesischen Manager bekamen es mit der Angst und zogen einen Schutzzaun um ihre Wohnanlage, mit Wachtürmen an den Ecken. Von dort liessen sie auf uns schiessen, als wir im folgenden Jahr einen Protestmarsch gegen die Arbeitsbedingungen organisierten. Auf mich schoss ein chinesischer Vorgesetzter. Ich blieb unverletzt, sechs Kollegen erwischte es ...
Die Chinesen betrachten uns nicht als Menschen, sie denken, sie haben das Recht, über uns zu bestimmen. Chinesische Läden dominieren schon den Kleinhandel überall in Sambia. Dort verkaufen sie Ramsch, Ausschussware. Plastiksandalen fallen nach zwei Wochen auseinander, Fahrräder nach einem halben Jahr. Wie Pilze, die nach einer warmen Regennacht aus afrikanischem Boden spriessen, so tauchen überall Chinesen auf. Wie Pilze saugen sie aus, worauf sie sich festsetzen!
Ich habe mich schlau gemacht, erfahre von Gewerkschaftern in anderen Ländern, was da vor sich geht. Seit Beginn dieses Jahrhunderts — und wir reden von nur sieben Jahren — hat China einen dramatischen Prozess kapitalistischer Globalisierung in Gang gesetzt, so gigantisch wie ihn die Welt noch nicht erlebt hat.
In den vergangenen sechs Jahren sind die Handelsbeziehungen zwischen China und Afrika um das fünffache gestiegen, auf fünfundfünfzig Milliarden Dollar im Jahr 2006! China hat Grossbritannien als drittgrösster Handelspartner Afrikas überholt, nach den U.S.A. und Frankreich.“ ...

Mr. Moon denkt, sechzehn Prozent industrielles Wachstum pro Jahr sei keine schlechte Leistung.
Das liesse sich noch steigern ...

$ mit Bauxit aus Äquatorial Guinea
$ mit Uran aus Namibia
$ mit Coltan, Kobalt, Kupfer aus dem Kongo und aus Sambia
$ mit Holz aus Kamerun, Gabun und Liberia
$ mit Baumwolle aus Burkina Faso ...

... und wenn es um das Arbeitsklima in Mr. Moons afrikanischen Betrieben geht, was ist da anders als in seinen Betrieben daheim?
Achtundvierzig Staatschefs aus Afrika hätten Betriebe in China besichtigen können. Sie waren da, auf Kosten von Mr. Moon, im November vergangenen Jahres, beim „Forum on China-African Cooperation“ in Beijing. Keiner war an einer Betriebsbesichtigung interessiert. Mr. Moon ist daran interessiert, daß ihn Afrikas Eliten willkommen heissen. Afrikas Eliten sind daran interesiert, daß Mr. Moon ihnen elegante Kleider schneidern lässt — gerne auch aus afrikanischer Baumwolle.

„Die Baumwoll-Industrie hatte in Afrika zwanzig Millionen Jobs geschaffen. Jetzt ist China der grösste Abnehmer afrikanischer Baumwolle. In Chinas gigantischem Textil-Sektor mit absoluten Niedrigstlöhnen verwandelt sich die Baumwolle aus Afrika in Kleidung für Afrika, zu absoluten Niedrigstpreisen. Die Billigkleider kommen mit Schiffen, in Flugzeugen ... auf diesen TAZARA-Schienen. Und meine Gewerkschaftsfreunde berichten immer öfter aus Südafrika, aus Nigeria, aus Mauritius von der Schliessung lokaler Textilfabriken. In Lesotho, wo die Herstellung von Kleidung für Europas und Amerikas Märkte die einzige Industrie war, ist die chinesische Konkurrenz katastrophal.“

Mr. Moon hat kreative Schneider als Redenschreiber ...


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