© KJS / 2007

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TAZARA — afrikanische Collage von Klaus Jürgen Schmidt
US-Filmtitel 1935 - Quelle: oilforthelampsofchina
KAPITEL 3  


Erzählt nun der da?
Wer da?
Der da!
Oder — die da? ...

— arazat — arazat — arazat ...

Wenn wir in umgekehrte Richtung führen, von West nach Ost ...

— arazat — arazat — arazat ...

Also in die Morgenröte?

— arazat — arazat — arazat ...

... in die Richtung, in der die Chinesen die Schienen legten ...

— arazat — arazat — arazat ...

Aus Solidarität mit Afrika?

— arazat — arazat — arazat ...

... fänden wir nachts am Bahnhof von Kapiri Mposhi ausreichend starke Lampen, die Schatten vertreiben und Männern mit Helmen helfen sollen, über den Schatz aus Afrikas Boden zu wachen: Schwere, gefaltete Bleche aus Kupfer, herangeschafft aus Sambias Gruben und Schmelzen, gestapelt und bewacht für den Export von Dar-es-Salaam über das grosse Meer nach Fernost.
Dafür hatten die Chinesen ihr erstes grosses Entwicklungsprojekt in Afrika geplant und gebaut, für jährlich zweieinhalb Millionen Tonnen Ladung — in beide Richtungen ...
Bloss, dass kurz nach Fertigstellung der Strecke weltweit die Kupferpreise verfielen und der Hafen von Dar-es-Salaam sowieso nie ausgebaut wurde, mehr als achthunderfünfundsechzigtausend Tonnen kamen nie auf die Schiene.
Und über das grosse Meer aus Fernost kommt auf diese Schiene? ...

— tazara — tazara — tazara ...

"Moment! Die Tür zum Salonwagen klemmt nicht mehr!"

Ah, Guten Abend, Sir! ... Dürfen wir vorstellen — Ihr Vor... Vor... Vor ... Vorgänger, Mr. Dag Hammarskjöld, und hier haben wir Mr. John D. Rockefeller Jr. ... Sein Vater hat der Welt das Licht gebracht ...

"ÖL FÜR DIE LAMPEN CHINAS?"

Ah, Kofi, du kennst die Geschichte?

"Eine geniale Idee Ihres Herrn Vater ..."

Nun, Kofi, ganz so diplomatisch-höflich musst du nicht mehr sein! Dieser Rockefeller hier hat zwar die bis heute anhaltende Geschäftsbeziehung mit der Präsidenten-Familie Bush geölt, sein Einstiegspartner war seinerzeit Prescott Bush — Vater beziehungsweise Grossvater der beiden dir bekannten Irak-Kriegsherren ...
... aber vergiss endlich dein Bush-Trauma, Kofi !... Du bist in Rente!

ÖL FÜR DIE LAMPEN CHINAS?

Nun, der einheimische Markt war gesättigt — das Kapital musste expandieren ... und um bei den Tatsachen zu bleiben, die Idee hatte wohl eher einer seiner Angestellten, der Mann hiess William Herbert Libby ...


"... in der Tat, in Ostasien liess mein Vater ab 1882 die sichere Standard-Oil-Kerosin-Laterne verteilen — als Geschenk, oder eben ganz billig — rund acht Millionen Stück auf einen Schlag ... und noch ein paar mehr Millionen im Laufe der Zeit ... Good Luck, so hiessen die Laternen damals in der Werbung ..."

Mei Foo!

"Bitte?"

Mir geht ein Licht auf ... Good Luck — das heisst in der Sprache meines Ur... Ur... Ur... Urgrossvaters Mei Foo!
Da war er ein kleiner chinesischer Junge, wahrscheinlich gerade so alt wie der kleine amerikanische Junge ...
Und die Väter von den beiden kleinen Jungen hatten also Good Luck — der eine in seiner chinesischen Hütte als Licht aus Rockefeller-Kerosin, der andere in seiner amerikanischen Bank als Dollars auf dem Rockefeller-Konto...

"In den Erinnerungen meines Vaters war es ein grosses Abenteuer ..."

In manchen Ländern musste den Leuten erst beigebracht werden, wie man Öl in Lampen verbrennt ... Wir brachten es mit Kamelen und Lastträgern in die entferntesten Gegenden der Welt, wir passten den Handel den Befürfnissen der seltsamsten Völker an ...
http://www.kevinbaker.info/c_tltloc.html

In den Erinnerungen meines Volkes war es schlicht ein Trick ...
Schon vor Beginn des achtzehnten Jahrhunderts blühte bei uns das Gewerbe wie nirgendwo anders auf der Erde, und mein "seltsames Volk" kannte die Öllampe bereits als es in Amerika noch keinen einzigen weissen Dünkel gab, der von Standard Oil hätte träumen können ...

ÖL FÜR DIE LAMPEN CHINAS

... das Monopol unserer einheimischen Erdnussöl-Händler war bald gebrochen, auch der Widerstand unserer Dorfpriester gegen das fremde Kerosin ...
Und in die Hütten brachten die geschenkten Lampen nicht bloss Licht, die Holzgestelle, in denen sie transportiert wurden, und die leeren Ölkannen waren nützliche Hausratergänzung ...
Wir Chinesen sind zwar von Natur aus Händler, aber die Idee, erst etwas zu verschenken, um dann am ständigen Nachschub des Betriebsstoffes zu verdienen, diese Idee hat mein Mr. Moon auch heute noch nicht in seiner Trick-Kiste ...
Damals wäre es unseren Händlern auch gar nicht gut bekommen!
Gelehrte, Lehrer und Beamte galten als die höchste Klasse, darauf folgten die Bauern und als dritte die Kunsthandwerker, und ganz zuletzt als die niedrigste Klasse kamen die Kaufleute, denn — so hiess es — diese erzielen nur dadurch Gewinne, dass sie die Früchte der Arbeit anderer Menschen austauschen, und ein altes chinesisches Sprichwort sagt "Banken werden von Grossräubern begründet".
Uns Chinesen ist es immer leichter gefallen, Erfindungen zu machen, als daraus Nutzen zu ziehen ... Kompass, Schiesspulver, Papier, Seide, Buchdruck, Porzellan ... wir begnügten uns mit der alten Wirtschaftsweise noch zu einer Zeit, da europäisches Kapital bei uns — 1876 — die erste Eisenbahn baute ...
Wir zeigten eine prophetische Verachtung für alle sogenannten arbeitssparenden Projekte, die fieberhaft das menschliche Arbeitstempo beschleunigen, dafür aber die Hälfte der Bevölkerung wieder arbeitslos werden lassen ...
Rund sechzehn Kilometer war sie lang, die Eisenbahnlinie zwischen Schanghai und Woosung. Das Volk protestierte und meinte, die Eisenbahn beleidige den Geist der Erde, und die Opposition wurde so heftig, dass die Regierung die Bahn kaufte und Waggons samt Lokomotiven ins Meer werfen liess ...

— tazara — tazara — tazara ...

Und einhundertdreissig Jahre später kommt aus Fernost über das grosse Meer nach Afrika auf dieser Schiene hier?

... Geschäftssinn a la Lockefellah und industlielle Ausschusswale ...
... viele tausend Lockefellahs mit vielen tausend Schlitz ... ohlen!

— tazara — tazara — tazara ...

"Wieso bin ich hier? Wie kam ich her?"

Durch einen Tunnel, Kofi, direkt in unseren VIP-Salonwagen ...

"Weshalb bin ich eingeladen?"

Wir haben Leute mit Verdacht auf Tunnelblick in den VIP-Salonwagen gebeten ...

"Tunnelblick?"

Unter Tunnelblick verstehen wir eine Einschränkung des Gesichtsfelds.
Nur Gegenstände in ungefährer Blickrichtung werden noch wahrgenommen, seitlich beziehungsweise darüber oder darunter befindliche Objekte nicht mehr, ähnlich wie beim Blick durch einen dunklen Tunnel, wenn nur Dinge jenseits des Tunnelausgangs zu erkennen sind.
Fasst man den Begriff des Sehens weiter, nämlich eher im Sinne von "Einsehen", "Wahrnehmen" oder "Erkennen", bekommt auch Tunnelblick eine erweiterte Bedeutung. Ein Tunnelblick in diesem Zusammenhang meint die Unfähigkeit oder Unwilligkeit, Dinge wahrzunehmen, die ausserhalb dessen liegen, wofür sich der Betroffene aktiv interessiert — oder interessieren sollte.
Man spricht im übertragenen Sinne auch von "Scheuklappen", denn Scheuklappen verhindern, dass ein Zugpferd Dinge sieht, die seitlich passieren und es von seiner Aufgabe ablenken könnten ...
Man könnte sagen, Kofi, wir haben Zugpferde mit und ohne Scheuklappen in unseren Salonwagen gebeten!


"Und zu welcher Kategorie gehöre ich?"

Sag’s uns, Kofi — du bist zwar Afrikaner, aber im Moment scheinst du hier an Bord keine Fans zu haben ...

Ach, Mr. Rockefeller, meine Freundinnen und ich, wissen Sie, wir sind ja noch Anfängerinnen im Geschäft — wir kaufen in Dubai ein, meistens preiswerte Waren aus Asien: Kinderkleidung, Auto-Ersatzteile, Fernseher, Computer ...
Wir vier haben uns zusammengetan, viermal im Jahr schaffen wir es, die Kosten für Flugtickets zusammenzukriegen, und für den Schiffs-Container aus Dubai nach Dar-es-Salaam, und für den Transport mit der TAZARA-Bahn nach Sambia.
Aber jetzt kommen uns diese Chinesen in die Quere, wollen die Geschäfte selber machen! ... Haben Sie da eine Idee, so ‘was wie "LAMPEN FÜR AFRIKA"?
Ich meine, Öl hätten wir doch selber in Afrika?

Aber, meine Damen, das war doch schon in China eine Sackgasse! Kaum hatte Standard Oil begonnen, den chinesischen Mark zu erobern, da verlor es das Monopol auf Rohöl ... Nicht wahr, Mr. Rockefeller, es war ein böses Erwachen für Ihren Herrn Vater, als er feststellen musste, dass es Erdöl nicht bloss in Pennsylvania, in Ihren Vereinigten Staaten von Amerika gab ... Schwedens berühmte Nobel-Brüder, die Rothschilds, die englisch-holländische Kombination von Shell Oil und Royal Dutch begannen, enorme Ölfelder vom Schwarzen Meer bis Ostindien auszubeuten.
... Und was tat der alte Rockefeller, na, Kofi, sag’s schon ... du bist doch in Rente! Und deine schwedische Frau hatte doch versucht, dir die Scheuklappen schon vorher abzuschnallen.


12.August 2002: Aus Anlass des 90. Geburtstags des schwedischen Diplomaten Raoul Wallenberg empfing der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Kofi Annan, die Internationale Raoul-Wallenberg-Stiftung (IRWS) am Sitz der UNO in New York.
Während des Treffens präsentierte der Gründer der IRWS, Baruch Tenembaum eine Gedenkmedaille, die speziell für dieses Jubiläum in Auftrag gegeben wurde. Auch Nane Annan, die Ehefrau des Generalsekretärs und Nichte Raoul Wallenbergs nahm an der Veranstaltung teil.
Es ist bereits das dritte Treffen Annans mit dieser international tätigen Nicht-Regierungsorganisation, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, durch Bildungsprogramme das Beispiel Raoul Wallenbergs und vieler anderer Menschen, die sich mit Mut und Solidarität für ihre Nächsten eingesetzt haben, bekannt zu machen und die Werte, die im Handeln dieser Menschen zum Ausdruck kommen, zu verbreiten und zu fördern.
Raoul Wallenberg hat während seiner sechsmonatigen Rettungsaktion zwischen 1944 und 1945 in Budapest an die hunderttausend Personen, in ihrer Mehrheit Juden, vor der Deportation durch die Nazis gerettet und wurde am 17. Januar 1945 vom sowjetischen Heer verschleppt. Sein weiteres Schicksal ist bis heute unbekannt.
http://www.raoulwallenberg.net/?es/prensa/36213518.htm

"Wie können Sie andeuten, die Rockefellers seien je antisemitisch gewesen? Und ich protestiere dagegen, als Scheuklappenträger diffamiert zu werden!"

Aber wir reden doch gar nicht vom Auftrag Ihres Vaters an Londoner Anwälte, das Gerücht von einer Kabale ‘unter hebräischem Einfluss’ zu verbreiten, russische Tanker durch den Suez-Kanal zu schleusen. Wir reden doch gar nicht davon, dass Ihr Vater selbst von ‘asiatischen Konkurrenten’ sprach, ‘kontrolliert von jüdischen Männern’, die ‘Wolf! Wolf ! Standard Oil Company! schreien und in den Markt eindringen, um ihn zu kontrollieren’, und welche die ‘gerechte Praxis’ der Standard Oil ersetzen wollten durch ‘die alte, alte jüdische Methode, einen Kunden so und den nächsten anders zu behandeln.’ ...
http://www.kevinbaker.info/c_tltloc.html

... Wir lassen reden ...

REGIE!! AUFTRITT!!!

Wir begrüssen Mr. John Loftus, den ehemaligen Staatsanwalt der Abteilung für Kriegsverbrechen des Justizministeriums der Vereinigten Staaten von Amerika, jetzt Vorsteher des Florida Holocaust Museums in Sankt Petersburg, U.S.A. ...
Danke, Sir, dass Sie für uns den Tunnelblick erweitern wollen — mit Fokus erneut auf den Zusammenhang der Rockefeller- und der Bush-Dynastie? ...


Es ist schlimm genug, dass die Bush-Familie Thyssen dabei half, das Geld für den Aufstieg Hitlers in den zwanziger Jahren aufzubringen, aber dem Feind in Zeiten des Krieges zu helfen ist Verrat. Die Bush-Bank half den Thyssens, den Nazi-Stahl zu erzeugen, der alliierte Soldaten tötete. So schlimm die Finanzierung der Kriegsmaschinerie der Nazis auch scheinen mag, aber Beihilfe und Unterstützung für den Holocaust zu leisten, war schlimmer. In Thyssens Kohlegruben wurden jüdische Sklaven benutzt, als ob es Wegwerf-Chemikalien gewesen wären. Die Thyssen-Familie hat sechs Millionen Leichen im Keller, und was die Komplizenrolle der Bush-Familie angeht, so sind eine Unmenge an strafrechtlichen und historischen Fragen zu beantworten.
http://www.wsws.org/de/2003/jun2003/bush-j13.shtml

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