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TAZARA ... mit der Eisenbahn durch die Weltgeschichte © KJS / 2009
Atbara-Eisenbahn
Station 33  



Nun, wenn es um Eisenbahn in Afrika geht, denken wir alle ja erst einmal an Cecil Rhodes, wie er als Koloss mit Tropenhelm und Gewehr über dem Kontinent aufragt, den einen Stiefel am Kap, den anderen in Kairo, zwischen beiden eine Eisenbahnlinie.
Wie sah die Afrika-Karte zu seiner Zeit aus?

REGIE! Die Karte bitte!

Wir sehen aneinandergereihte rote Flecken mehr oder weniger in gerader Linie von Süd nach Nord als Korridor britischen Einflusses in Afrika. Da entlang sollte Rhodes‘ Eisenbahn-Trasse führen. Ungefähr in der Mitte ist das dunkle Lila von Deutsch Ostafrika im Wege. Und was unmittelbar vor Ägypten hier rot erscheint, war zuzeiten von Rhodes gar nicht rot, sondern eher grün. Aber nicht Italiens Anteil an Afrika ist damit gemeint, sondern die Farbe des Koran!
Wir erkennen, es geht um den Sudan, und der war für einige traumatische Jahre dem britischen Einfluss entzogen durch den radikal-islamistischen Mahdi, einen selbsternannten Propheten Allahs, der seinen Kamelreitern befohlen hatte, alle Ungläubigen vom Gebiet des Sudan zu vertreiben.
Zum Entsetzen des britischen Publikums hatte nach der Einnahme Khartums am 26. Januar 1885 einer seiner Lieblingshelden, der berühmte Gordon Pascha, seinen Kopf verloren, aufgespiesst auf einer Lanze, als Trophäe für den Mahdi …
Das Empire benötigte nun einen Mann, der nicht so schnell seinen Kopf verlieren würde … Und die Szene betrat ein Militär-Ingenieur, der zuvor Palästina und Zypern vermessen hatte, und wegen seiner Kenntnisse arabischer Kultur und Sprache als Armee-Spion in Ägypten eingesetzt war.
Sein Auftrag: Rückeroberung des Sudan von den Mahdisten (ohne zu grosse Kosten zu verursachen)
Seine Idee: Bau einer Eisenbahnlinie (zur Lösung des umständlichen und teuren Nachschubproblems) …

REGIE! ACHTUNG:

TUNNELVERBINDUNG ZWISCHEN PUNKTEN DER GESCHICHTE!

1896 > SUDAN < 2004


„Geh hoch rein, nicht niedrig“, ruft Costello Garang Ring, Königssohn aus dem Sudan, dem Piloten zu. Der reckt den Daumen in die Höhe und nickt. Die zehnsitzige Cessna sackt steil der Buschpiste entgegen. Seit die Rebellen vor drei Jahren die Stadt Kapoeta ganz im Südosten des Sudan erobert haben, wird theoretisch nicht mehr geschossen, aber ganz sicher ist sich Garang Ring da nicht. Die Maschine holpert auf die Menschenmenge am Ende der Landebahn zu. Garang Ring steigt aus und hinter ihm sein Freund aus Bad Oldesloe in Schleswig-Holstein / Deutschland. Nachmittagshitze schlägt ihnen entgegen, Trommeln aus Rinderhaut dröhnen, ein Chor nackter Kinder singt, dirigiert von einer Frau im grünen Kleid. Ein Mädchen überreicht dem Deutschen statt Blumenstrauß eine Blechdose, das Etikett, ‚Del Monte Frucht Cocktail‘ klebt noch daran. In der Dose sind Gräser und ein paar stachelige rote Beeren. Das Kind lächelt verlegen. Dann bewegt sich der Tross die Hauptstraße entlang, durch eine Bürgerkriegslandschaft: Zerschossene Armeelaster und Panzer säumen die Piste, zersiebt von Maschinengewehrgarben ragen Ruinen in den Himmel. Dazwischen Gras, Büsche, ein paar Kühe und die rote Erde der afrikanischen Steppe. Um Kapoeta haben sie in 21 Jahren Bürgerkrieg hart gekämpft, die arabische Regierung in der nördlichen Hauptstadt Khartum und die schwarze Abtrünnigen-Armee SPLA. Jetzt sollen die Rebellen ihren eigenen Teilstaat bekommen, den Südsudan. Deshalb sind sie hier: der Königssohn Garang Ring, der lange in Deutschland studiert hat, und der millionenschwere Eisenbahnunternehmer. Sie wollen Kapoeta mit Hilfe deutscher Großunternehmen zur Keimzelle für ein neues Land machen. In vier Jahren könnte dann hier, in Kapoeta, in der hintersten Ecke der Dritten Welt, jeden Tag ein moderner Zug halten, fahrplanmäßig morgens, Punkt 8.30 Uhr, so haben sich das Ingenieure im fernen Bad Oldesloe ausgerechnet.

Wenn Ringelnatz wüsste, wie dicht ich dran bin.

Ah, ist es das, wohin er will?
Mr. Moons Spezialist scheint recht zu behalten: mit dem Mann ist zu rechnen!

REGIE! TUNNEL-UMKEHR!

… Und jetzt kommt Ihre Ahnung in’s Spiel, Mrs. Lessing!
„THE TRIUMPH OF THE SUN“, Wilbur Smith‘s süffig erzählte Geschichte von Liebe und Leid europäischer Siedler, Händler, Diplomaten und Offiziere in Zeiten der sudanesischen Mahdi-Plage.
Doch Wilbur Smith erzählt auch von Osman Atlan, dem Anführer einer Kamelreiter-Armee. Der hat aus dem Harem des an Cholera hingerafften Mahdi die schöne Rebecca geerbt, Tochter des bei der Einnahme Khartums ebenfalls gemetzelten britischen Konsuls.
Während sich nach dem Tod des Mahdi an der sudanesischen Grenze wieder britisch-ägyptische Truppen regen, regen sich in einem sudanesischen Wüstenzelt Osman und Rebecca im Liebesakt.
Nach ausführlicher Beschreibung desselben, lässt Wilbur Smith auf Seite 591 Rebecca den düster nachdenklichen Ausdruck auf dem Gesicht ihres Gebieters bemerken …


15 „Da ist irgendetwas, mein Gemahl, das dich beunruhigt.“ Sie setzte sich auf und bedeckte sich mit einem leichten Bettuch.
„Wir sprachen einmal von einer Dampfmaschine, die über Land fahren kann, die auf Streifen aus Stahl reist“, sagte er.
„Ich erinnere mich, mein Gebieter, aber das war vor vielen Jahren.“
„Ich wünsche, diese Maschine abermals zu debattieren. Wie war der Name, den du ihr gabst?“
„Eisenbahn-Lokomotive“, sprach sie langsam vor.
Er versuchte, ihr nachzusprechen, aber seine Lippen verhaspelten die Laute. An ihren Augen sah er, daß er es nicht geschafft hatte. „Sie ist zu schwierig, deine Sprache.“ Er schüttelte den Kopf, ärgerlich darüber, in etwas versagt zu haben, um das er sich bemüht hatte. „Ich werde es Land-Dampfer nennen.“
„Ich werde verstehen, was du meinst. Es ist eine bessere Bezeichnung als die meine, mächtiger und präziser.“ Gelegentlich war er wie ein kleiner Junge, der einen Bonbon brauchte.
„Wie viele Männer können mit dieser Maschine reisen? Zehn? Zwanzig? Bestimmt nicht mehr als fünfzig?“ fragte er hoffnungsvoll.
„Nun, wenn das Land eben ist, kann es hundert Männer befördern, vielleicht tausend, vielleicht ein paar tausend.“
Osman sah alarmiert aus. „Wie weit kann das Ding reisen?“
„Bis an‘s Ende seiner Strecke.“
„Aber sicherlich kann es nicht einen breiten Fluss wie den Atbara überqueren? Da muss es anhalten.“
„Es kann, mein Gebieter.“
„Das glaube ich nicht. Der Atbara ist tief und weit. Wie soll das möglich sein?“
„Sie haben Männer, die nennen sie Ingenieure, sie wissen, wie man eine Brücke darüber baut.“
„Über den Atbara? Sie können keine Brücke über einen so breiten Fluss bauen.“ Verzweifelt versuchte er, sich selbst zu überzeugen. „Wo wollen sie Baumstämme herkriegen, lang und stark genug, um den Atbara zu überspannen?“
„Sie werden die Brücke aus Stahl machen, wie die Schienen auf denen es rollt. Wie die Klinge deines Schwerts“, erläuterte Rebecca. „Aber warum stellst du so viele Fragen, mein Gemahl?“
„Meine Spione im Norden haben mir eine Nachricht geschickt, daß die gottverfluchten Engländer begonnen haben, diese Stahlbänder zu legen, von Wadi Halfa südwärts quer durch den grossen Nil-Bogen Richtung Metemma und den Atbara.“


Auf Seite 603 (es ist ein dicker Wälzer!) hat sich Osman Atlan mit einem Trupp seiner vertrauten aggagiers auf den Weg durch die Wüste gemacht ...
Sie möchten wissen, was aggagiers sind? Sagten wir nicht, daß Wilbur Smith akribisch recherchiert? In seinem Glossar lesen wir:


15 „aggagiers“ — Elite-Krieger des Beja-Stammes aus der Arab-Wüste

Er war auf der Suche nach der Eisenbahnlinie von Wadi Halfa, von der die Beduinen berichtet hatten. Seit al-Jamal sie ihm beschrieben hatte, war sie ihm nicht mehr aus dem Kopf gegangen.
Als er auf sie stiess, fand er einen harmlosen silbernen Zwillingsstreifen im brennenden Sand.
Er liess al-Noor und den Rest seines Trupps auf dem Kamm einer Düne zurück und ritt alleine hinab, um ihn zu inspizieren. Er stieg ab und näherte sich vorsichtig den glänzenden Schienen.
Sie waren mit eisernen Platten an schweren Teak-Schwellen befestigt. Er stiess eine Schiene an, sie war stabil und unbeweglich. Er kniete nieder und versuchte, mit dem Dolch einen eisernen Bolzen zu lockern. Die Klinge brach in zwei Teile.
Er stand auf und warf den Griff des Messers weg. „Verfluchtes Ding des Satans! Das ist keine ehrenhafte Art, einen Krieg zu führen.“
Sein Wutanfall verhinderte nicht, daß er einen Laut wahrnahm, der in der Wüstenluft vibrierte, ein fernes Sausen, wie das Atmen eines schlafenden Giganten. Osman richtete sich im Sattel auf und blickte entlang der Eisenbahnlinie nach Norden. Am Horizont schwebte wie eine winzige Feder Rauch.
Während er hinsah, kam es näher, so überraschend schnell, daß die fremdartige Form vor seinen Augen anzuschwellen schien, während sie auf ihn zuraste. Er wusste, das war der „Land-Dampfer“, von dem al-Jamal ihm erzählt hatte.
Er schwang al-Buqu’s Kopf herum und zwang ihn in einen Galopp. Er musste eine Viertelmeile zurücklegen, bevor er den Fuss der Düne erreichte. Die Maschine holte auf. Er blickte hinauf zum Dünenkamm, sah die Silhouetten seiner aggagiers. Sie waren abgestiegen, liessen ihre Pferde ruhen.
„Runter mit euch!“ schrie Osman während er über den offenen Grund preschte. „Lasst die Ungläubigen euch nicht sehen!“ Doch seine Männer waren vierhundert Yards entfernt, seine Stimme erreichte sie nicht. Sie standen und starrten die heranbrausende Maschine an. Plötzlich entliess das Ungetüm eine Säule weissen Dampfes mit einem grellen Ton wie das Heulen eines verrückt gewordenen jinns. Betäubt, ohne einen Versuch, sich zu verbergen, standen sie und starrten. Es war wie eine mächtige Schlange, deren Kopf zischte, heulte, Wolken von Rauch und Dampf ausstiess, und deren Körper sich bis zum Horizont zu winden schien.
„Sie haben euch entdeckt!“ versuchte Osman, sie zu warnen. „Vorsicht! Vorsicht!“ Jetzt konnten sie sehen, daß die rollenden Wagen mit Stahlgeländern und Stahlkästen ausgerüstet waren. Auf dem letzten machten sie die Köpfe von einem halben Dutzend Männer aus, die sich hinter einige seltsame Apparate duckten.
„Vorsicht!“ Osman jagte über den Sandhang hinauf, war fast oben. Seine Stimme war umgeschlagen in Verzweiflung. Plötzlich explodierte der gelbe Sand unter den Füssen der aggagiers und ihrer Pferde in stiebende Wolken von Staub. Es war als sei der khamsin-Wind über sie hinweg gefegt. Das furchtbare Geräusch der hämmernden Maxim-Maschinengewehre folgte dicht dem Hagel der Geschosse. Der Trupp von Männern und Pferden löste sich auf, weggeblasen wie tote Blätter ...



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