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TAZARA ... mit der Eisenbahn durch die Weltgeschichte © KJS / 2009
Der Spielleiter
KAPITEL 49



1 Den kannte ich doch ... Er arbeitete eine Treppe tiefer bei der Johannesburger Rand Daily Mail. Von dort hallte der Lärm der Druckmaschinen durch das ganze Bürogebäude. Es gab nur ein Kurbeltelefon für alle, auch für die Redaktion. Das hing an der Wand im hinteren Teil des Flurs vor meiner Anwaltskanzlei.
Zu jener Zeit verdiente sich mein Junge ein paar Cent als Laufbursche, sein Hauptgeschäft war das Beantworten des Telefons, und die meisten Anrufe kamen für diesen Redakteur. Wenn mein Sohn ihn rief, eilte er die Treppe herauf, ohne Rock, aber immer mit einer langen Zigarettenspitze zwischen den Zähnen. Ich habe ihn ein paarmal eingeladen zu Treffen mit Persönlichkeiten, die ihn interessierten.
Keiner von uns hätte damals geglaubt, daß aus dem jungen Mann der bedeutendste Krimiautor des zwanzigsten Jahrhunderts werden würde ...

Jedenfalls schien er bald schon die detektivische Nase für einen Reporter-Scoop zu haben ... per Eisenbahn ...

Es spricht Edgar Wallace:

23 „Um uns Pressekorrespondenten von den geheimen Friedensverhandlungen in Vereeniging fernzuhalten, hatte Lord Kitchener das Lager mit Stacheldraht und bewaffneten Wachen umgeben. Er, der sich bei seinem militärischen Triumph im Sudan erfolgreich der Eisenbahn bedient hatte, übersah, daß die Eisenbahnlinie von Pretoria dicht an seinem Verhandlungscamp vorbeiführte. Ich berichtete damals für die ‚London Daily Mail‘. Meine Kollegen, die sich an die offiziellen Presseverlautbarungen hielten, machten sich in Pretorias Bars lustig darüber, daß dieser Wallace unentwegt mit dem Zug unterwegs war. Was würde es bringen, dauernd an Kitcheners Camp vorüberzuzuckeln?
Nun, ich wurde zum Erfinder des Scheckbuch-Journalismus, und ich bin stolz darauf!
Ich hatte einen Soldaten ausfindig gemacht, der seinen täglichen Dienst nahe beim Verhandlungszelt schob. Dem gab ich drei Taschentücher, ein rotes (nichts passiert!), ein blaues (Fortschritt!) und ein weisses (Friedensvertrag wird unterzeichnet!).
An einem klaren Mai-Abend des Jahres 1902, nach vielen vergeblichen Zugfahrten, sah ich meinen Mann. Er schnäuzte sich die Nase, mit einem weissen Taschentuch.
Der Chefredakteur der ‚Daily Mail‘ erhielt kurz darauf per Telegramm eine einzige Zeile: ‚Have bought you 1000 Rand Collieries 40s 6d‘ — das war der vereinbarte Code für: ‚Peace absolutely assured‘ — ‚Frieden absolut sicher‘!“

1 „Ohm“ Kruger ging in‘s Exil in die ferne Schweiz.

Der Buren-Krieg war vorbei.
Die alten Pioniertage waren vorbei.
Königin Viktoria war tot.
Rhodes war tot.

Unsere Minen waren ausgestorben!

Während weisse Männer sich gegenseitig umbrachten, waren hunderttausend schwarze Männer nach Hause gegangen. Es war nicht ihr Krieg gewesen. Und es waren auch nicht ihre Minen. Sie hatten nie in den Berg kriechen wollen. Der weisse Mann hatte sie gelockt und bedroht.
Als der weisse Mann wichtigeres zu tun hatte, als sich um seine Minen zu kümmern, knüpfte der schwarze Mann sein Leben wieder da an, wo es abgekoppelt worden war.
Als der weisse Mann erneut rief, blieb der schwarze Mann im Kraal.
Ohne schwarze Arbeitskraft, kein funktionierendes Bergwerk.
Ohne funktionierende Bergwerke, kein Johannesburg.
Der weisse Mann hatte eine Idee:
Er holte sich den gelben Mann in die Gruben.
Vor dem Massenimport als Kontraktarbeiter war der Chinamann hier und da schon als Einzelgänger aufgetreten.
Nahe bei unserem Haus in der De Villier Street gab es einen kleinen Eckladen. Der gehörte zwei misstrauisch beäugten Chinesen. Wie sie angesichts des vorherrschenden Rassen-Hasses von den Buren Geschäftslizenzen bekommen hatten, blieb ihr Geheimnis. Eltern warnten Kinder vor den Bezopften. Die essen Vogelnester, hiess es, und kleine Mädchen! Und ausserdem schummeln sie beim Wechelgeld!
Nun tschilpten chinesische Hochtöne auf Strassen und Plätzen, wo Massen von Männern in bestickten Seidengewändern und mit schwingenden Zöpfen ihre seltsamen Feste feierten.
Sie feierten eher selten. In wenige Lumpen gehüllt, halbnackt in brütender Hitze, bohrten sie für einen Penny per inch mit der Hand untertage Löcher in den Stein.
Ihr Leben im Compound: Glücks- und Kartenspiel, dann Schulden, oft Selbstmord, Diebstahl, Einbruch, Totschlag ... Von Krugersdorp bis Boksburg regierte bald die Gewalt chinesischer Banden. Ein Gefängnis nur für chinesische Kriminelle — bekannt als Cinderella Jail — wurde am East Rand eingerichtet. In den Gruben waren die Arbeiter jetzt paramilitärischen Kontrollen durch Bossboys — oft aus ihren eigenen Reihen — und durch Betriebspolizei ausgesetzt.
Grossbritanniens Presse konzentrierte sich nicht mehr auf die erschreckenden Zahlen der Kriminalstatistik, sondern auf die sklavenähnlichen Arbeitsbedingungen der chinesischen Kontraktarbeiter. 1905 verlor die britische Regierung darüber die Wahlen. Als sich die öffentliche Meinung nicht nur gegen die Chinesen, sondern auch gegen die Goldminen richtete, zogen die weissen Bosse die Notbremse. Dabei kam ihnen die zunehmende Sorge unter schwarzen Männern gelegen, die Chinamänner könnten mit ihren Frauen anbandeln. Mehr und mehr schwarze Arbeitskräfte liessen sich wieder für den Grubendienst anwerben. In der Zeit der Abstinenz hatten sie gelernt, Arbeit in den Gruben der Weissen blieb der zuverlässigste Weg, an Geld zu kommen.
Die Repatriierung begann. Chinamänner verbrannten ihre Toten, füllten Urnen mit Asche, um sie mit nach Hause zu nehmen.
1903, vor dem Import der Chinamänner, war aus den Minen von Johannesburg Gold im Wert von fünfzehneinhalb Millionen Pfund gefördert worden. 1909 waren es dreissig Millionen achthunderttausend Pfund. In fünf Jahren Kontraktarbeit hatten Chinamänner geholfen, die Gewinne der Minengesellschaften zu verdoppeln.
Es würden knapp siebzig Jahre vergehen bis zur Rückkehr von Chinamännern nach Afrika.
... erst mit Hammer und Sichel,
... dreissig Jahre darauf als Mr. Moons neue Schneider ...

Wir rollen weiter!

Es gilt das gesprochene Wort!




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