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TAZARA ... mit der Eisenbahn durch die Weltgeschichte © KJS / 2009
Michail Tifomojewitsch Kalaschnikow kalashnikovvodka
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Nun, zwei unserer Gäste erhielten Anerkennung für ihre Leistung ebenfalls standesgemäss … Sie, Sir Hiram, den Ex-Amerikaner, erhob 1901 Königin Viktoria in den Ritterstand ... und Sie, Michail Tifomojewitsch, erhielten das Äquivalent in ROT, nämlich den Stalin-Preis, obwohl Sie als achtes von achtzehn Kindern in einer Familie geboren wurden, die als Opfer von Stalins Zwangskollektivierung nach Sibirien verschleppt worden war.
Wir würden gerne auch von Ihnen wissen wollen, was Sie zum Waffenerfinder machte.


Daß ich Waffenkonstrukteur wurde, lag an den Deutschen. Wäre der Krieg nicht gewesen, hätte ich vermutlich Geräte für zivile Zwecke gebaut. 1941 lag ich mit einer Schussverletzung aus einer deutschen Maschinenpistole im Lazarett. Da schwor ich mir, für die Rotarmisten endlich ein gutes Sturmgewehr zu erfinden.

Kann es sein, daß es sich bei der Waffe, mit der Sie verwundet wurden, um das deutsche „Sturmgewehr 44“ handelte?

„Es war 1941 unter einem anderen Namen bekannt, aber es war schon dieser Typ, und es war die überlegene Feuerkraft und die enorme taktische Flexibilität dieser neuartigen deutschen Maschinenwaffen, die mich bei meiner Entwicklungsarbeit geleitet hat.“

Und sagt Ihnen der Name Hugo Schmeisser etwas? 1884 in Jena geboren, 1953 in Erfurt gestorben ...

„Sicher, auch er war Konstrukteur von Infanteriewaffen, wie schon sein Vater — auf der anderen Seite. 1943 waren zehntausend Stück seiner Neuentwicklung für die deutsche Front produziert worden, doch eigenartigerweise verbot Hitler im gleichen Jahr Weiterentwicklung und Produktion. Erst 1944, als die neue Waffe im Truppenversuch einen durchschlagenden Erfolgt hatte, genehmigte Hitler die Massenproduktion des inzwischen in ‚MP44‘ umbenannten Gewehrs. Im April 1944 erhielt die Waffe dann die Bezeichnung ‚Sturmgewehr 44‘.“
Am 3. April 1945 besetzten amerikanische Truppen die Stadt Suhl und verhängten sofort für alle Waffenfabriken ein Produktionsverbot. Hugo Schmeisser und sein Bruder Hans wurden von Waffenexpertenteams des amerikanischen und britischen Geheimdienstes wochenlang verhört.
Ende Juni 1945 räumten die Amerikaner Thüringen, und die Rote Armee besetzte das Werk. Im August 1945 wurden fünfzig ‚Sturmgewehre 44‘ aus vorhandenen Montageteilen zusammengebaut und von der Roten Armee zur technischen Auswertung in die Sowjetunion überstellt, gleichzeitig mit fast elftausend Blatt technischer Zeichnungen zur Fertigung von Militärwaffen. Im Oktober 1945 wurde Hugo Schmeisser zur Arbeit in einer sogenannten Technischen Kommission der Roten Armee verpflichtet. Diese Kommissionen hatten die Aufgabe, den neuesten Stand der deutschen Waffentechnik festzustellen, um die Ergebnisse in eigene, sowjetische Entwicklungen einfließen zu lassen.
Ein Jahr darauf wurde Hugo Schmeisser zwangsweise als Spezialist für Waffentechnik für mehrere Jahre in die Sowjetunion verpflichtet. Dieses Schicksal betraf viele Waffenkonstrukteure aus den Werken der Stadt Suhl. Sie alle wurden am 24. Oktober 1946 in einem Sonderzug nach Ischewsk im Südlichen Ural gebracht. Über die genaue Tätigkeit von Hugo Schmeisser in den Jahren 1946 bis 1952 in Ischewsk ist wenig bekannt.
Wie wichtig er für die Sowjetunion war, zeigte sich nochmals im Jahr 1952, als alle übrigen deutschen Spezialisten zurückkehren durften, sein Aufenthalt in der Sowjetunion aber kurzfristig um ein halbes Jahr verlängert wurde, sodaß er erst am 9. Juni 1952 wieder in Deutschland eintraf.

Die Ähnlichkeit im Äusseren und in der Konstruktion des „AK-47“ mit dem deutschen „Sturmgewehr 44“, haben manche Fachleute zu der Annahme verleitet, Michail Tifomojewitsch, Sie hätten die deutsche Erfindung einfach nachgebaut?

„Nun, wir hatten natürlich Beutestücke. Und unumgängliche Gesetzmäßigkeiten und Traditionen des Waffenbaus erzwingen praktisch rein optische Ähnlichkeiten, auch bestimmte Produktionsprozesse muss man ja nicht jedesmal neu erfinden.
Aber beim ‚AK-47‘ hatten wir durch zahlreiche Neuerungen dafür gesorgt, daß die Waffe anspruchslos, zuverlässig und praktisch unzerstörbar war — egal ob Tundra oder Wüste, Dschungel oder Großstadt. Man konnte das Gewehr im Schlamm oder im Sand vergraben und auf felsiges Gelände fallen lassen — trotzdem funktionierte es mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit noch.
Der von mir entwickelte Verschlussmechanismus klemmt selten, weil beim Abfeuern höhere Energie zugeführt wird. Das wurde allerdings mit einem stärkeren Rückstoß erkauft. Und dieser Verschlussmechanismus lag im Gehäuse nicht flächig an, wie ein Kolben in einem Zylinder, sondern er fuhr auf Schienen. Während bei anderen Waffen Verschmutzungen leicht blockieren konnten, hatte der ‚AK47‘ Leerräume, in denen der Verschluss den Dreck schieben konnte. So war die Waffe zwar vielleicht weniger präzise — aber wesentlich praxistauglicher.
Sehen Sie, für das amerikanische Konkurrenzprodukt ‚M16‘ gab es anfangs keine Reinigungsgeräte, es wurde den GIs im Vietnamkrieg als ‚selbstreinigend‘ angepriesen. Ein Irrtum der, wie sich später bei einer Untersuchung durch den amerikanischen Kongress herausstellen sollte, häufig zu Ladehemmungen führte — und zu tödlichen Unfällen bei Reinigungs- und Reparaturversuchen.
Berichte, nach denen amerikanischen Soldaten erbeutete ‚AK47‘ statt ‚M16‘ benutzten, stehen seit dem Vietnamkrieg im Raum, wurden aber vom amerikanischen Verteidigungsministerium nie offiziell bestätigt.“


Genosse Trotzki hat ja schon drauf hingewiesen, daß Ihre Erfindung für die „Rote Armee“ leider zu spät kam, und sie dennoch nach Ende des Zweiten Weltkrieges zur meist produzierten Waffe weltweit wurde. Wie kam es dazu?

„Zunächst sollte niemand wissen, daß wir den ‚AK-47‘ entwickelt hatten. Die Soldaten mussten den Karabiner in einer Hülle tragen. Dann entdeckten unsere Führer, daß die Kalaschnikow eine ideale Waffe für die Weltrevolution war.“
Der AK 47 wird der größte Exportschlager der Sowjetunion: In Vietnam werden die Amerikaner mit der Kalaschnikow besiegt. 19 Länder kaufen von der Sowjetunion Fertigungslizenzen. Weltweit existieren über 70 Millionen Kalaschnikows. Sogar in den U.S.A. ist das Gewehr weit verbreitet, vor allem bei Drogendealern und Gangs.
„Wissen Sie, auch Leute, die was Illegales tun, wollen dafür Sachen nutzen, auf die Sie sich verlassen können. Das kann man vielleicht verstehen, denn sie wollen ja auch überleben. Aber ich bin unglücklich, daß meine Waffe für Verbrechen benutzt wird.
Ich bedauere, daß diese Waffen nicht für den Zweck eingesetzt wurden, für den ich sie bestimmt hatte, nämlich zur Verteidigung meines Vaterlandes.
Konstrukteure können nicht dafür verantwortlich gemacht werden, daß ihr Produkt unrechtmässig benutzt wird. Es sind die Politiker, die es nicht schaffen, zu friedlichen Lösungen zu kommen.“


Sie erhielten zwar einen Orden, wurden General und Abgeordneter, aber privat haben Sie nichts verdient an Ihrer Erfindung, weil in der Sowjetunion ja niemand ein Patent anmelden konnte.

„Ich hatte tatsächlich überhaupt keine Geschäftserfahrung, und ich fange erst jetzt an, zu lernen. Es ist sehr verschieden von dem, was ich kannte ... aber, ich habe ja schon so viele Veränderungen in der Welt gesehen ...
Vor fünf Jahren, 2002, kontaktierte mich ein Unternehmen und fragte an, ob ich meinen Namen für eine neue Wodka-Marke hergeben würde ...
Ich meine, auch während des Krieges hatten wir immer ein bisschen Wodka dabei. Unsere Winter sind sehr kalt, und ein Schluck Wodka mobilisiert den Geist und hält dich von innen warm!“


Nastorowje — Gratulation! Ob auf den Fahnen Mosambiks und der Hisbollah oder in den Staatswappen von Osttimor und Simbabwe — oder eben auf einer Batterie von Wodkaflaschen, der Kalaschnikow-Karabiner bleibt attraktiv.
Michail Tifomojewitsch, unser Rat: Sie sollten sich umgehend zumindest die Rechte auf die Verwertung der Kalaschnikow-Abbildung sichern ...
… und lassen Sie sich von uns vorführen, wie Sie als Ex-Miltär sogar in der Unterhaltungsbranche ein Star werden könnten …



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