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TAZARA ... mit der Eisenbahn durch die Weltgeschichte © KJS / 2009
Patty Franks Geist in der Türwikipedia
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Anfangs übersetzten deutsche Zeitungen den Namen des exotischen Gastes aus Übersee noch als „Büffel-Wilhelm“, und Karl May schrieb 1894 an Carl Jung:

Buffalo Bill kenne ich persönlich; er war Spion und guter Führer, sonst nichts. Zu den Westmännern à la Old Firehand wurde er nicht gerechnet.

Es kann ausgeschlossen werden, daß May eine Begegnung in nordamerikanischer Prärie meinte. Die U.S.A. lernte er erst vierzehn Jahre später als Tourist kennen.
Hat Karl May den Zeitgenossen Buffalo Bill also in Deutschland getroffen?


„Dessen erste Tournee begann in München. Von dort aus ging es — immer per Eisenbahn — nach Wien, Dresden, Leipzig, Magdeburg, Hannover, hierher nach Braunschweig, dann nach Berlin, Hamburg, Bremen, Köln, Düsseldorf, Frankfurt, Stuttgart und Strassburg.
In Dresden gastierte die Show auf dem früheren Turnfestplatz an der Herkulesallee. In den Anzeigen stand:
Die Truppe besteht aus 200 Indianern, Cowboy's, Hinterwäldlern, Jägern, mexikan. Vaqueros, Lassowerfern, Scharfschützen, Gewehr- und Pistolenvirtuosen und -Virtuosinnen, Reitern und Reiterinnen auf wilden Pferden, 200 Pferden, Büffeln, Maulthieren.

Bis zu dieser ersten Europa-Tournee Buffalo Bill’s hatte Karl May von Dresden aus hauptsächlich Dorfgeschichten, Humoresken und Kolportageromane veröffentlicht. Erst ein Jahr darauf, 1891, erschienen seine abenteuerlichen Pseudo-Reiseerzählungen aus Indianerland als Buchausgaben in grösserem Umfang.
Es gibt keinerlei Anhaltspunkte für ein Treffen Mays mit dem Wildwestreiter im Jahr zuvor. Allerdings nahm er das Kostüm Buffalo Bill’s als Vorlage für seine Kostümfotos 1896.
Im Karl-May-Jahrbuch 1918 berichtet seine zweite Frau, Klara, von einem Besuch der Völkerschau Buffalo Bill’s in der Elbe-Metropole. Dabei dürfte es sich um dessen zweite Tournee im Jahr 1906 gehandelt haben. May hatte, so berichtet sie, eine Einladung von Buffalo Bill erhalten, wollte aber, da er den Indianerfeind verachtete, nicht hingehen. Auf Klaras Wunsch ging er dann doch mit. Buffalo Bill empfing die Mays persönlich und führte sie durch die Ausstellung. Leider fährt Klara May dann fort, May habe sich mit den Show-Indianern fließend in deren Muttersprache unterhalten, was die ganze Story selbst nicht gerade glaubwürdig macht.
Wenn Sie erlauben, würde ich gerne einen Zeitzeugen von Buffalo Bill und von Karl May in den Zug bitten. Er ist, wie ich, Künstler und Österreicher ...“

Sie möchten, daß wir für Sie einen Zirkus-Artisten einladen, der seit 1959 auf der „silbernen Wolfsfährte“ entschwunden und in die ewigen Jagdgründe eingegangen ist?
Unsere Geschichtstunnel entwickeln für Sie offenbar einen gewissen geschäftlichen Reiz, Herr Dunkler.


„Ich will nicht leugnen, daß mich auch seine Erfahrungen im internationalen Zirkusgeschäft interessieren würden.“

Also gut, begrüssen wir Patty Frank, Trapperhut auf dem Kopf, grosskariertes Hemd, Tabakpfeife zwischen den Fingern … Achtung, hier herrscht Rauchverbot!
Herr Frank, 1876 als Ernst Tobis in Wien geboren, wie sollen wir Sie denn nun nennen, vielleicht „Häuptling Eisenarm“?


„Hau Kola! So pflegen wir Indianer uns zu begrüssen. Ja, wissen Sie, ich war ein kräftiger Bub und als Chef einer kleinen Bande nannten mich meine Gefährten eben ‚Häuptling Eisenarm‘.
Durch die Jugendzeitschrift ‚Der gute Kamerad‘, in der Karl Mays Fortsetzungsgeschichte ‚Der Sohn des Bärentöters‘ erschien, war ich schon früh zum Indianerfan geworden. Und in der Wiener Rotunde, dem Weltausstellungspalast aus dem Jahr 1873, hatten wir dem Auftritt von Sioux-Indianer zugesehen.
Meine Schwester Gabriele war Opernsängerin, und als sie nach Frankfurt engagiert wurde, zogen meine Mutter und ich mit. Im Frankfurter Palmengarten begann ich eine Lehre als Gärtner. Dieser Palmengarten diente ähnlich der Wiener Rotunde als Ort für Events. Und bald trat dort ‚Buffalo-Bill's Wildwest Show‘ auf.
Ich war ja schon mit dem Indianervirus infiziert und während ich zwischen den indianischen Zelten herumlungerte — eigentlich sollte ich ja aufpassen, daß niemand die Pflanzen zertrampelte — infizierte ich mich auch noch mit dem Bazillus Circensis.
Meinen Häuptlingsnamen ‚Eisenarm‘ liess ich mir von einem Sioux aus Buffalo Bill’s Truppe übersetzen: Isto Maza. Mit diesem Namen habe ich später gerne Bücher und Fotos signiert. Damals heuerte ich heimlich bei Buffalo Bill’s Truppe als Pferdejunge an, zog ein paar Monate mit ihr herum. In Strassburg hat mich dann meine Mutter eingefangen. Zum Abschied, Ende 1890, schenkte mir ein Sioux ein paar alte Mokassins, die wurden Grundstock meiner späteren Sammlung.
Naja, ich hab‘ in Frankfurt meine Gärtnerlehre abgeschlossen. Mit den sieben Freunden, mit denen ich einst Indianer gespielt hatte, gründete ich danach einen Turnverein. Mein Ziel war klar: Ich wollte Artist werden. Der Weg war nicht einfach: Als ‚Ernst Teuber‘ sang ich Couplets, musste aber auch Bühnenarbeiten verrichten.
Schliesslich erhielt ich die Chance, für einen verletzten Artisten bei einer Akrobatentruppe einzuspringen, ich war ja ein geschickter Turner.
1895 nannte ich mich ‚Patty Frank‘ und trat im Zirkus Montrose auf. Zwischen 1896 und 1897 stellte ich meine eigene ‚Patty Frank Troupe‘ auf, alles Bodenakrobaten.
Und dann, 1901, schaffte ich den Sprung über den Atlantik, ab 1904 durchquerte ich mit dem Riesenzirkus Barnum & Bailey die USA..
Dieses Leben auf der Achse brachte mich wieder häufiger mit Indianern zusammen. Ähnlich den ‚letzten Cowboys‘, die damals für Hollywood zu reiten begannen, wollten die Indsmen mit ihren exotischen Trachten gern ins Showgeschäft integriert werden. Zuweilen gastierte der Zirkus auch in der Nähe von Indianerreservaten: Gelegenheit für mich, die Sammlung, die mit den alten Mokassins begonnen hatte, zu erweitern. Und bald fing ich an, ernsthaft Zeugnisse indianischer Kultur zu sammeln, interessierte mich für einschlägige ethnografische Fachliteratur, zielte mehr auf Qualität denn auf Quantität der Sammlungsobjekte.
Und dann hörte ich im Jahr 1908, daß mein altes Idol Karl May, längst als ‚Tagträumer‘ entlarvt, aber dadurch in gewissem Sinn auch geläutert, seine erste (und wie wir seither wissen, auch letzte) Amerikareise unternehmen würde. Ich stand in New York am Pier, als das Schiff aus Bremen anlegte. Aber im Trubel gelang es mir nicht, Mays Hand zu schütteln. Vier Jahre später, nach Karl Mays Tod, begann ich einen Briefwechsel mit Klara May, der Witwe des Schriftstellers.
Während des Ersten Weltkriegs war ich mit meiner Artistentruppe in Deutschland. Im Jahr 1916 traf eine französische Fliegerbombe das Zelt des Zirkus Hagenbeck in Karlsruhe — ein Lehrbub meiner Truppe war unter den zweihundertsiebzig Opfern.
Nach dem Krieg ging’s langsam zu Ende mit meiner Artistenkarriere, ich verlor meine Ersparnisse durch die Inflation. Da dachte ich mir, Patty, deine Rettung liegt vielleicht in Radebeul, in der Villa Shatterhand. Ich wusste, Karl Mays Sammlung von der einzigen Amerikareise 1908 war spärlich. Meine Sammlung indianischer Objekte hingegen war Tausende Dollars wert — und der Karl-May-Verlag hatte Interesse an einem Museum, das Winnetous und Old Shatterhands würdig wäre.
Ja, und so wurde am 31. Jänner 1926 ein Vertrag zwischen Klara May und mir geschlossen, der beide Sammlungen vereinigte. Ein Blockhaus — die spätere Villa Bärenfett — wurde nach meinen Plänen im Garten hinter der Villa Shatterhand errichtet, und nach der Eröffnung des Karl-May-Museums am 1. Dezember 1928 erhielt ich als Leiter eine jährliche Leibrente und ein lebenslanges Wohnrecht in diesem Museum.“

Bemerkenswert, über drei Systeme hinweg — Weimarer Republik, NS-Staat und DDR-Kommunismus — begeisterten Sie in Ihrer „Westman“-Kostümierung junge und alte Greenhorns, führten sie in das Leben der Prärieindianer ein und wurden dabei langsam zum anerkannten, auch von Ethnologen geschätzten Experten Ihres Fachs.
Dabei blieben Sie Ihrem heimatlichen „Wiener Schmäh“ stets treu, sofern man Ihren Fans Glauben schenken kann ...


„Na, da zeig ich a kanadischen Schneeschuh und da fragt mich doch a Greenhorn, ob des vielleicht a Tennisschläger wär, und an anderer Idiotenhäuptling hält ihn gar für a Fischnetz. Aber wia ma damit an Fisch fangen kennt, des mecht i wissn, heechstens vielleicht an Brathering.“

Wir hören, gute Freunde hatten in Ihrer Villa Bärenfett auch Zutritt zum Saloon „Zum grinsenden Präriehund“ im Stil einer Goldgräberkneipe — inklusive Schwarzbrenner-Höhle. Greenhorn May — hätte er es noch erlebt — wäre da wohl gerne ‘mal rübergekommen aus seiner Villa Shatterhand, für ein Schwätzchen mit einem Oldhand über den Wilden Westen.
… Ja, bitte, Herr Dunkler?


„Der Mann, bei dem Karl May tatsächlich abgeschrieben hat, von dem er Landschaftsbeschreibungen, ganze Erzählstränge sowie Sujets und Figuren abkupferte, wurde schon ‘mal kurz erwähnt. Er führte ein ähnlich abenteuerliches Leben wie unser Patty Frank hier — allerdings drei Generationen vor ihm. Seinen Namen fand ich in Braunschweiger Zeitungen, die aus Anlass von Buffalo Bill’s Wildwest-Show an ihn erinnerten. Achtzehn Jahre vor deren Einzug in Braunschweig war dort Friedrich Gerstäcker gestorben.
Er hat die Realität im amerikanischen Westen und an der Grenze der Zivilisation wirklich erlebt, und er berichtete in seinen Romanen und Erzählungen wahrheitsgemäss und ohne romantische Ausschmückungen über das harte Leben der Siedler.
1837 reiste er erstmals in die U.S.A., arbeitete als Heizer, als Matrose, als Farmer, Koch, Silberschmied, Holzfäller, Schokoladenerzeuger, Hotelier. Da ihm das städtische Leben nicht zusagte, führte er schliesslich das aufregende Leben eines Jägers.
Seine Tagebuchaufzeichnungen aus Amerika schickte er seiner Mutter, die sie an Bekannte weitergab. Nach sechs abenteuerlichen Jahren, in denen er von Kanada bis Texas und von Arkansas bis Louisiana den Subkontinent durchwandert hatte, kehrte er voller Tatendrang 1843 nach Deutschland zurück. Er ließ sich in Dresden nieder, fertigte Übersetzungen bekannter Autoren aus dem Englischen an, lernte wahrscheinlich dabei besser mit der Feder als mit dem Jagdgewehr umzugehen, und veröffentlichte seine ersten schriftstellerischen Arbeiten in verschiedenen Zeitschriften.
Mit den Romanen ‚Die Regulatoren in Arkansas‘ und ‚Die Flußpiraten des Mississippi‘ begründete er seinen schriftstellerischen Erfolg.“


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