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TAZARA ... mit der Eisenbahn durch die Weltgeschichte © KJS / 2009
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Allende
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KAPITEL 26  



— ratenco — ratenco — ratenco ...

Mr. Le Carré, es wird Zeit, Sie bekanntzumachen mit Señor Eduardo Galeano, der ja selber Journalist ist.
Señor Galeano wir bitten um Entschuldigung für die Unterbrechung! Da war Afrika in der Leitung, und während dieser ersten Nacht im Zug macht sich wohl schon eine gewisse Schläfrigkeit bemerkbar ...
Sie sagten, unser Zug aus Afrika führe jetzt durch Lateinamerika ? ...


„... und ich hatte die Quiz-Frage gestellt: Was änderte sich, würde man ‚Lateinamerika‘ durch ‚Afrika‘ ersetzen?“

Richtig, daraufhin hatte sich der Teilnehmer aus Simbabwe gemeldet ...

„Nun, mit Ihrem Zug ist das Umgekehrte passiert? Der afrikanische Fahrplan wurde durch einen lateinamerikanischen ersetzt. Und was ändert sich?
Zunächst einmal die Geografie! Schauen Sie aus den Fenstern. Dort sehen wir gerade noch die höchsten Giganten der Anden, den schneebedeckten Tupungato, und dahinter den höchsten Gipfel der westlichen Hemisphäre, den Aconcagua, 6.958 Meter über dem Meeresspiegel.
Und jetzt fahren wir ein in einen der längsten Tunnel der Anden-Region, in den Cumbre-Tunnel.“

— ratenco — ratenco — ratenco ...

„Achten Sie auf den Klang der Glocke! Sie ertönt in dem Moment, da wir etwa die Mitte des Tunnels passieren.“

— ratenco — ratenco — ratenco ...

„Jetzt!!“

— ratenco — ratenco — ratenco ...

„In diesem Moment befindet sich unser Zug im Herzen des Berges unterhalb einer Christus-Figur. Sie markiert über uns auf dem Berggipfel die Grenze zwischen Argentinien und Chile. Und eine Inschrift sagt ...“

Eher werden diese Berge zu Staub zerfallen, bevor die Völker Argentiniens und Chiles den Frieden brechen, dessen Wahrung sie zu Füssen von Christus, dem Erlöser, geschworen haben.

„Unglücklicherweise ist dieser Christus über uns auf dem Berg bloss aus Bronze — aus einer Legierung also mit mehr als sechzig Prozent Kupfergehalt.
Stünde er nicht so abgelegen, wahrscheinlich wäre er längst geklaut.
Seit ich die erste Fassung meines Buches veröffentlichte, haben einige Regierungen versucht, die ‚Offenen Adern Lateinamerikas‘ zu schliessen, sie verstaatlichten zum Beispiel Kupfer-, Zinn-, Silber-, Gold-Bergwerke — auch die Erdölförderung ...”

4 Wie immer, wenn sich der Staat als Eigentümer des wichtigsten Produktes eines Landes erklärt, muss jedoch die Frage gestellt werden, wer der Eigentümer des Staates ist.

„Was half Chile der Schwur mit Nachbar Argentinien — wenn doch der Feind im eigenen Land woanders einen Paten fand?”

Señor Galeano — con permiso!
Mit Ihrer Erlaubnis würden wir gerne an dieser Stelle ein paar Dokumente einführen — sozusagen in multimedialer Solidarität? ... Graçias!

An einem 11. September ändern Flugzeuge plötzlich ihren Kurs, jagen aufs Stadtzentrum zu. Kurz darauf Explosionen, berstende Fassaden, Tote, Fliehende, Staub. Die Medien übertragen die Tragödie ...
New York, 2001?
Nein!
Am 11. September 1973 um 10:32 Uhr Ortszeit übertrug ein von militärischen Putschisten schon in den Untergrund getriebener Regierungssender die letzte Rede des chilenischen Staatspräsidenten Salvador Allende aus der Moneda.

REGIE! BITTE TON AB!


Ich werde mit meinem Leben die Verteidigung der Prinzipien bezahlen, die diesem Land teuer sind. Ein Mantel der Schande wird auf die fallen, die ihre Pflichten verletzt, ihr Wort gebrochen und die bisherigen Grundsätze der Streitkräfte zerstört haben.
Das Volk muß wachsam sein, es darf sich nicht provozieren aber auch nicht widerstandslos abschlachten lassen, es muß seine Errungenschaften verteidigen. Es muß auch das Recht verteidigen, mit seinen Kräften ein menschenwürdigeres und besseres Leben aufzubauen.
Ein Wort an die, die sich Demokraten nennen und den Aufstand schürten, an die, die sich Vertreter des Volkes nennen, die aber grob und schmutzig gehandelt haben, um diesen Putsch zu ermöglichen. Sie bringen Chile an den Rand des Abgrunds!
Im Namen der heiligsten Interessen des Volkes, im Namen des Vaterlandes rufe ich euch dazu auf, Zutrauen zu haben: Die Geschichte wird nicht aufgehalten, weder durch Unterdrückung, noch durch Verbrechen. Dies ist eine Etappe, sie wird überwunden. Dies ist ein harter und schwerer Augenblick. Es ist möglich, daß sie uns zerschmettern, aber der Morgen wird dem Volk, den Arbeitern gehören. Die Menschheit schreitet voran um ein besseres Leben zu erringen!
Landsleute, es ist möglich, daß dieser Abschied engültig ist — in diesem Augenblick fiegen die Bomber über uns — es ist möglich, daß sie uns niederschießen. Aber ihr sollt wissen, daß wir zusammen mit unserem Beispiel zeigen, daß es in diesem Land Menschen gibt, die ihre Aufgabe erfüllen. Ich werde es tun mit dem Mandat des Volkes und mit dem bewußten Willen eines Präsidenten, der die Würde seines Amtes wahrt.


Um 10:45 Uhr begann der Kampf um den Präsidentenpalast, ab etwa 12:00 Uhr wurde er aus der Luft bombardiert. Gegen 14:00 Uhr starb Salvador Allende Gossens, demokratisch gewählter Präsident der Republik Chile.

REGIE! BITTE FILM AB!

MISSING
Regie: Constantin Costa-Gavras
Buch: Donald Stewart, Constantin Costa-Gavras
Kamera: Ricardo Aronovich Musik: Françoise Bonnot
Darsteller: Jack Lemmon, Sissy Spacek, Melanie Mayron,
John Shea
Produktion: U.S.A., 1981
Länge: 122 min

Während des blutigen Militärputsches in Chile 1973 verschwindet der linksliberale Gelegenheitsjournalist Charles Horman (John Shea) spurlos. Als sich seine Frau Beth (Sissy Spacek) bei den chilenischen Behörden und der amerikanischen Botschaft nach seinem Verbleib erkundigt, hält man sie mit vagen Andeutungen und leeren Versprechungen hin. Zwei Wochen später trifft Charles Vater Ed (Jack Lemmon) in Santiago ein. Der redliche, konservative New Yorker Geschäftsmann ist ein überzeugter Patriot, Sohn und Schwiegertochter hält er für linksintellektuelle Spinner mit ‚Anti-Establishment-Paranoia‘. Während seiner Nachforschungen aber wird er Dinge sehen, die ihm die Augen öffnen: mit Flüchtlingen überquellende Spitäler und Botschaften; das als provisorisches KZ dienende Fußballstadion; in Kühlhäusern etagenweise gestapelte Tote. Am Ende wartet die Erkenntnis, daß sein Sohn mit Wissen der U.S.-Botschaft verhaftet, gefoltert und ermordet worden ist.
Constantin Costas-Gavras erhielt einen Oscar (Bestes Drehbuch) und die Goldenen Palme von Cannes. Der authentische ‚Fall Horman‘ wurde durch den Film 1981 prominent — gelöst ist er immer noch nicht. Vielmehr beschäftigen freigegebene Regierungsakten auch heute noch die amerikanische Öffentlichkeit, die die aktive Rolle der CIA in Chile lange nicht wahrhaben wollte.



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