© KJS / 2007

Einführung
Vorwort
Kapitel 01
Kapitel 02
Kapitel 03
Kapitel 04
Kapitel 05
Kapitel 06
Kapitel 07
Kapitel 08
Kapitel 09
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
Kapitel 21
Kapitel 22
Kapitel 23
Kapitel 24
Kapitel 25
Kapitel 26
Kapitel 27
Kapitel 28
Kapitel 29
Kapitel 30
Kapitel 31
Kapitel 32
Kapitel 33
Kapitel 34
Kapitel 35
Kapitel 36
Kapitel 37
Kapitel 38
Kapitel 39
Kapitel 40

 
TAZARAmit der Eisenbahn durch die Zeitgeschichte © KJS / 2008
Rockefeller Center 1933 - Quelle: www.travelchannel.de
ACHTUNG AN DER BAHNSTEIGKANTE!
Steigen Sie ein zur Fahrt mit dem TAZARA-Express durch die Zeitgeschichte.
Die virtuelle Reise ist längst über die hier vorgestellten Lesestationen hinaus.
Sie ist auf bisher 412 Seiten dokumentiert.
Eine pdf-Version kann erworben werden für nur:
4 Euro
Einfach am Monitor blättern, oder alles ausdrucken.
Schicken Sie dem Weichensteller, Klaus Jürgen Schmidt, eine Anfrage:
radiobridge@aol.com
Mit dem Text erwerben Sie das Recht, kostenlos auch das Ende der TAZARA-Geschichte als pdf-file zu erhalten, sobald die Protagonisten des virtuellen TAZARA-Expresses das Abstellgleis erreicht haben. Ausserdem gibt es Zugang zu einer Website mit allen ständig aktualisierten online-Quellen.
Diese erlauben eigene, weiterführende Recherchen.

KAPITEL 6

— I believe that evry right implies a responsibility; every opportunity, an obligation; every possession, a duty.

"Jawohl, meine Worte! Meine Überzeugung ..."


— Ich glaube, jedes Recht bedeutet auch Verantwortung, jede Gelegenheit bedeutet auch Pflicht, jeder Besitz bedeutet auch Dienst ...?

"... steht auf einer Plakette gegenüber vom Rockefeller-Center in New York, meiner wichtigsten Unternehmung, ein kollossaler Komplex im Herzen der Stadt. Ich liess ihn in den dreissiger Jahren errichten — trotz der wirtschaftlichen Depression damals ...
Eigentlich sollte die Metropolitan Opera ein neues Haus erhalten, aber nach dem Börsenkrach 1929 stieg die Oper aus ...
Wir beschritten einen völlig neuen Weg in der Geschichte der modernen Architektur und wir realisierten ein ganz neues städtebauliches Konzept ...
Ich wollte nicht nur e i n e n Wolkenkratzer bauen — ich meine, das hatten andere vor mir schon glanzvoll erreicht — ich wollte eine G r u p p e von Gebäuden als architektonische Einheit mitten in eine Stadt stellen.
Und wissen Sie, woraus die Verkleidung des gesamten Centers besteht?
Aus weissem Kalkstein! Er stammt aus einem Steinbruch in Indiana ...
Und das besondere daran: Dieser Kalkstein enthält zahlreiche Fossilien von Tieren, die vor dreihundert Millionen Jahren das Meer bevölkerten ... vor dreihundert Milllionen Jahren!"


... und die nicht bei Rockefeller als Erdöl endeten!

Lexikon-Wissen:"Erdöl entstand aus tierischen und pflanzlichen Organismen, die bei der in Randmeeren und Binnenseen herrschenden Sauerstoffarmut nicht verwesten. Sie bildeten Faulschlamm, der durch Bakterien und Enzyme in Stoffe umgewandelt wurde, die Bestandteile des uns heute bekannten Erdöls sind."


Fossile Total-Verwertung: Das Rockefeller-Center brachte jedes Jahr hundert Millionen Dollar Einkünfte — allein aus der Miete ... bis 1989, da kauften Japaner den ganzen Komplex, eine Tochtergesellschaft von MITSUBISHI.


"Eine nationale Schande, wenn ich das sagen darf! ... 1933 hatte ich den Bürgern von New York einen Platz eingerichtet, von wo sie ihre grossartige Stadt bewundern und zelebrieren konnten, ein Panorama-Blick, zweihundertneununfünfzig Meter über dem Gehsteig ...
Meine Observationsetage war entworfen worden, um den Eindruck des Oberdecks eines riesigen Linienschiffes zu erwecken. Damals war die siebzigste Etage eingerichtet mit Deckstühlen, Schwanenhälsen und grossen Ventilatoren, die aussahen wie diejenigen auf den Schiffen."

Wir können Sie beruhigen, Mr. Rockefeller, am 1. November 2005 wurde nach fast zwanzig Jahren die Aussichtsplattform im siebzigsten Stockwerk des General Electric Building, des höchsten Gebäudes Ihres Komplexes, unter dem Namen Top of the Rock wiedereröffnet.
MITSUBISHI hatte bloss zehn Jahre lang das Herzstück Ihres Centers im Griff. Dann kaufte die Ihnen sicherlich nicht unbekannte Firma Tishman Speyer den Japanern alle ursprünglichen Art-Déco Gebäude des Ensembles ab.
Tishman Speyer steht an der Spitze der globalen Immobilienindustrie, die Wurzeln der Firma gehen auf ein 1898 gegründetes Familienunternehmen zurück. Sie erwarb und entwickelte bis heute ein Portfolio von mehr als sieben Millionen Quadratmetern Fläche in den grössten Metropolen der U.S.A., in Europa und Lateinamerika, Gesamtwert: etwa zwanzig Milliarden US-Dollar!

Und das wird Sie auch freuen:

Täglich besuchen rund zweihundertfünfzigtausend Menschen den Rockefeller Plaza Komplex. Die Besucher von Top of the Rock betreten den Komplex durch die Ladeneingänge von der 50th Street, zwischen der 5th und der 6th Avenue, gleich neben der berühmten Ladenmarkise. Danach gelangen sie zu Fuss oder via Rolltreppe zur "Mezzanine"-Ausstellungshalle. Während sie dort auf einen der Aufzüge warten, können sie eine Multimedia-Show auf Plasmabildschirmen verfolgen, die von der Geschichte des Rockefeller Centers erzählt.
Die Besucher besteigen dann einen der Sky Shuttle Lifts, die man sich als Zeit- und Lichtkapseln vorstellen kann. Ein durchsichtiges Glasdach erlaubt den Insassen, ihre eigene rapide Beschleunigung durch den Schacht in Richtung Dach und Licht zu beobachten — eine vertikale Zufgahrt sozusagen.
Vier Videoprojektoren benutzen das Glasdach des Aufzugs als Projektionsfläche und präsentieren schnelle Sequenzen mit Bildern vom Rockefeller Center aus den dreissiger Jahren bis heute. Saphirblaue Lichter blitzen innerhalb des Schachts als Symbol für den Abschluss eines Jahrzehnts. Die Aufzüge bringen die Besucher in den "Grand Viewing"-Raum auf der siebenundsechzigsten Etage. Von dort haben sie dann eine absolut freie Aussicht auf die meisten berühmten Sehenswürdigkeiten der Stadt, vom Chrysler Building zur Freiheitsstatue, den gesamten Central Park und den Hudson River bis zum East River.
... nur die beiden Türme des World Trade Centers an der Spitze von Manhattan — sorry to say — gehören leider nicht mehr zum Panorama, Mr. Rockefeller ... Die beiden "Schwurfinger des Kapitalismus" — abgehackt!


"Unsinn! Nicht im World Trade Center gab es den für globale Kartell-Kapitalisten wichtigsten Raum der Welt, der befindet sich — nach wie vor — im Rockefeller-Center."

Was denn für ein Raum, Dag?

"Tatsächlich nicht bloss ein Raum ... die gesamte Fläche der Stockwerke fünfundfünfzig und sechsundfünfzig in diesem Gebäudekomplex heisst im Sprachgebrauch der Rockefeller-Dynastie Room 5600 ..."

Wichtiger als alle Räume in deinem Glaspalast am East River, Dag?

"In meinem Glaspalast? ... Er war nie meiner! ..."

Dieser Glaspalast am East River, Mr. Rockefeller, war er nicht schon Ihr zweiter Versuch, einer Art Weltregierung zu einer Bleibe zu verhelfen?

"Nun, kurz nach dem Ersten Weltkrieg da stiftete ich in der Schweiz, am Genfer See, einen Sitz für den neugeschaffenen Völkerbund, auch ‘Genfer Liga’ genannt. Diese Liga sollte sowohl die internationale Kooperation fördern, in Konfliktfällen vermitteln, als auch die Einhaltung von Friedensverträgen überwachen.
Ich weiss nicht, ob man das Weltregierung nennen kann, es war eher der Vorgänger der von Ihnen geführten Vereinten Nationen, Mr. Hammarskjöld ..."

Und es war ein Art-Déco Gebäude — ganz im Stil Ihres späteren Rockefeller-Centers in New York, nicht wahr? ...

"Es war der Stil jener Zeit, gewiss!"

Und die Idee für den Entwurf einer weltweiten kosmopolitischen Föderation, wie sie in diesem Gebäude am Genfer See ihren Anfang nehmen sollte, entsprach die auch dem Stil jener Zeit?

"Nun, Mr. Hammarskjöld wird doch wissen, dass diese Idee viel älter ist!"

"In der Tat! Der Mann, der diese Idee erstmals formulierte, hat am Anfang seiner philosophischen Abhandlung ein Bild beschrieben: Das Aushängeschild über einer holländischen Gastwirtschaft — in seinem Deutsch aus dem Jahr 1795."


REGIE! INTERNET-VERBINDUNG BITTE!


ZUM EWIGEN FRIEDEN
Ob diese satyrische Ueberschrift auf dem Schilde jenes holländischen Gastwirths, worauf ein Kirchhof gemalt war, die Menschen überhaupt, oder besonders die Staatsoberhäupter, die des Krieges nie satt werden können, oder wohl gar nur die Philosophen gelte, die jenen süßen Traum träumen, mag dahin gestellt seyn.

Der Mann war Immanuel Kant. Sein Werk ‘Kritik der reinen Vernunft’ kennzeichnete den zentralen Wendepunkt in der Philosophiegeschichte und den Beginn der modernen Philosophie. Die Schrift auf jenem Gasthausschild, das den ewigen Frieden von Toten auf einem Friedhof zeigt, wählte Kant als Titel seiner Begründung für einen Völkerbund.

REGIE! INTERNET-VERBINDUNG BITTE!


ZUM EWIGEN FRIEDEN
Ein philosophischer Entwurf
von
Immanuel Kant
Königsberg
bey Friedrich Nicolovius
1795


Nun, Dag, wir haben dir gerne zugehört, und Ihnen, Mr. Rockefeller auch ...
Wir entnehmen Ihrem Dialog, Sie beide kennen sich aus mit der Idee für den Entwurf einer weltweiten kosmopolitischen Föderation, von Immanuel Kant entworfen, von Ihnen, Mr. Rockefeller, unterstützt mit einer Gebäude-Spende für den ersten Versuch, 1920 einen Völkerbund zu gründen.
Haben wir soweit alles richtig verstanden?
Frieden auf Erden, das war das Ziel?


Dürfen wir auch ‘mal ‘was fragen, Mr. Hammarskjöld? ... Waren da eigentlich Afrikaner dabei?

"Liberia und Südafrika gehörten zu den Gründungsmitgliedern des Völkerbundes. Abessinien kam später hinzu ... im Rest von Afrika sassen zu der Zeit noch europäische Siedler und Kolonisten — allerdings nicht mehr Deutsche! Deren Kolonien waren ja an die Siegermächte des Ersten Weltkrieges gefallen.
Die Weimarer Republik wurde erst am 10. September 1926 Mitglied des Völkerbundes und trat am 14. Oktober 1933 unter Hitler wieder aus."


Der Völkerbund wurde 1946 aufgelöst — den Zweiten Weltkrieg hat er nicht verhindert! Mr. Rockefeller, Sie hatten doch in die Idee investiert — was ging schief?

"Nun, die Idee eines Völkerbundes kommt — wie wir gehört haben — von den Philosophen Europas, aus der Zeit, da das alte Europa die sogenannte Aufklärung erfasste. Immanuel Kants Schrift ‘Zum ewigen Frieden’ beschrieb erstmals die Idee einer durchgängig friedlichen Gemeinschaft der Völker.
Ein vergleichsweise konkretes Programm zur Umsetzung dieser Forderung fand sich dann, ausgelöst durch die Schrecken des Ersten Weltkriegs, im Vierzehn-Punkte Programm unseres Präsidenten Thomas Woodrow Wilson von 1918 ...
Unglücklicherweise trieb Wilson dann die Ratifizierung der Völkerbund-Satzung ohne Konsultation mit unserem Senat voran, der fühlte sich übergangen.
Die Satzung des Völkerbundes war Teil des Versailler Vertrages und dessen Ratifizierung wurde vom Senat im Gegenzug abgelehnt, deshalb wurden meine Vereinigten Staaten von Amerika leider auch nie Mitglied des Völkerbundes ..."


Ihr Vater brachte der Welt das Licht, Sie wollten ihr den Frieden bringen? Und dann dieser Management-Fehler?

REGIE! PROJEKTOR AN!

Was sehen wir auf diesem Schwarz-Weiss-Foto?
Eine triste Waldlandschaft mit laublosen Bäumen. Ein Schienenstrang führt in die Mitte des Bildes. Weit im Hintergrund treffen sich zwei Züge. Vom linken sieht man das Ende, offenbar geparkt in einer langen Linkskurve des Gleises, vom rechten sehen wir den Kopf mit einer Dampflokomotive; er muss kurz vor einer Weiche gestoppt haben, die auf das Hauptgleis führt ...
Was wir tatsächlich sehen, ist eine Weichenstellung der Weltgeschichte ... Wir sehen den Rahmen, in dem im Wald von Compiègne am 11. November 1918 der Waffenstillstand geschlossen wurde, der den Ersten Weltkrieg beendete. Links der Zug des französischen Marschalls Ferdinand Foch, rechts derjenige der deutschen Unterhändler unter der Leitung von Mathias Erzberger.

Und noch ein Bild, knapp zweiundzwanzig Jahre später, schon in Farbe — derselbe Schauplatz, derselbe Eisenbahnwagen ... Hitler hatte darauf bestanden.
Am 22. Juni 1940 wird in Compiègne der Waffenstillstand zwischen dem Deutschen Reich und Frankreich unterzeichnet. Beteiligte sind die Generäle Wilhelm Keitel auf deutscher sowie Charles Huntziger auf französischer Seite.
Was wir tatsächlich sehen, ist eine Weichenstellung in den "totalen Krieg", der — wie wir schon erfahren haben — unter anderem nützlich war für die ...


... Standard Oil und die Chase Bank, die beide von den Rockefellers kontrolliert wurden ...
Diese Geschäftsbeziehungen dauerten bis nach Beginn des Krieges an; Standard Oil lieferte noch 1942 über die Schweiz Benzin an die Nazis, arbeitete mit den I.G. Farben zusammen, die das Zyklon B für die Todeskammern der Nazis herstellten, und unterhielt ein Gummiwerk, in dem Sklavenarbeiter aus Auschwitz beschäftigt waren.


"Wir sind jetzt auf Seite 36, und ich möchte endlich wissen, woher diese Lautsprecher-Stimmen mit diesen ständigen Beleidigungen kommen!"

Geduld, Mr. Rockefeller — die Geister, die Sie riefen, Sie werden sie so schnell nicht los! ... Wir merken uns bitte das Stichwort "Auschwitz"!

REGIE!!! ACHTUNG:

TUNNELVERBINDUNG ZWISCHEN PUNKTEN DER GESCHICHTE!

Sagt Ihnen eigentlich der Name Carl Leonhard Reinhold etwas, Mr. Rockefeller?


"Ein Zeitgenosse Immanuel Kants!"

Natürlich kennen sie ihn!
Und Du, Dag, kennst ihn bestimmt auch — den grössten Förderer der Ideen Immanuel Kants?
· Ohne ihn keine weltweite Verbreitung der Idee von Friede, Freude, Eierkuchen!
· Ohne ihn keine weltweiten Verschwörer-Theorien — von Umberto Eco bis Dan Brown!

REGIE!! INTERNET-VERBINDUNG BITTE!



In Wien trat Reinhold 1772 in den Jesuitenorden ein. 1774 erfolgte sein Übertritt in den Barnabitenorden. Er studierte dort Philosophie und Theologie und wurde 1778 Lehrer für Philosophie im Barnabitenkollegium. 1780 wurde er zum Priester geweiht und damit Ordensgeistlicher. 1781 wurde er Mitglied der Freimaurerloge "Zur wahren Eintracht" in Wien. Im November 1783 floh Reinhold aus dem Wiener Kloster "St. Michael" nach Leipzig. Anschliessend reiste er nach Weimar. Hier fand 1784 sein Übertritt zum protestantischen Bekenntnis statt, was unter der Anregung und Aufsicht Johann Gottfried Herders erfolgte. Im Mai desselben Jahres lernte er Christoph Martin Wieland kennen und wurde Mitarbeiter an Wielands Literaturzeitschrift "Der Teutsche Merkur". Für diesen verfasste er ab 1786 die "Briefe über die Kantische Philosophie", die 1790 auch als Buch erschienen und wesentlich zur Popularisierung des Kantianismus beitrugen. 1785 heiratete er Wielands Tochter Sophie Katharina Susanne und wurde sachsen-weimarischer Hofrat. Bereits 1783 war er Illuminat mit dem Namen ‘Decius’ geworden und wurde 1787 "Präfekt" des Ordens in Jena.


Oh — oh!

Der Illuminatenorden (von lateinisch illuminati: die Erleuchteten) war eine am 1. Mai 1776 vom Philosophen und Kirchenrechtler Adam Weishaupt im bayerischen Ingolstadt gegründete Geheimgesellschaft. Sein Ziel war es, durch Aufklärung und sittliche Verbesserung die Herrschaft von Menschen über Menschen überflüssig zu machen.

Aufklärer Goethe, Aufklärer Herder, Aufklärer Knigge — sie alle waren Illuminati!
Goethe nannte sich Abaris nach einem skythischen Magier, Knigge — den meisten Europäern eher bekannt als Dozent gepflegter Umgangsformen — hiess Philo wie ein jüdischer Philosoph ... Decknamen wie eben bei geheimen Unternehmungen üblich!


REGIE!! INTERNET-VERBINDUNG BITTE!


Der Illuminatenorden wurde in Bayern 1784/1785 verboten und stellte seine Aktivitäten daraufhin ein.


Leider glaubt das keiner! Sie doch auch nicht, Mr. Rockefeller!

REGIE!! INTERNET-VERBINDUNG BITTE!


Zahlreiche Mythen und Verschwörungstheorien ranken sich um die angebliche Weiterexistenz des Ordens und seine vermeintlichen Tätigkeiten, wozu unter anderem die Französische Revolution, der Kampf gegen die katholische Kirche und das Streben nach Weltherrschaft gerechnet werden.


Genosse Trotzki, was sagen Sie denn dazu?
Die "rote Kirche" hat den Kampf ja irgendwie schon aufgegeben, jedenfalls in jenen Territorien, die einst zum Beispiel UdSSR oder DDR hiessen.
In allen realsozialistischen Staaten wurde seinerzeit das Wort "Kosmopolit" von den jeweiligen kommunistischen Parteien synonym für "Jude" verwandt. Kosmopolitismus galt als anstössige jüdische Ideologie.

... Ist Ihnen bekannt?


Bereits in der Volksfront-Ideologie der KPD-Führung in der Zeit des Nationalsozialismus war "kosmopolitisch" negativ mit Fiktionen des "Jüdischen" besetzte. Im Meyers Neues Lexikon der DDR hiess es:

Kosmopolitismus: 1. unwissenschaftliche, äusserst reaktionäre Ideologie der imperialistischen Bourgeoisie, die in verschiedenen Spielarten auftritt. Der K. verlangt den Verzicht auf das Recht der Nationen auf Selbstbestimmung, auf staatliche Unabhängigkeit und Souveränität ... Er wird bes. vom amerikanischen ... Imperialismus propagiert, deren Expansionsbestrebungen er apologetisch mit "allgemein menschlichen Interessen" zu verschleiern sucht. Der K. ist eine demagogische, historisch unwahre Kritik der angeblich "überlebten" und "egoistischen" Ideen der nationalen Souveränität ... Die Kehrseite des K. ist der bürgerliche Nationalismus. K. und Nationalismus sind dem proletarisch-sozialistischen Internationalismus und Patriotismus völlig entgegengesetzt ...

"Verzicht auf das Recht der Nationen auf Selbstbestimmung, auf staatliche Unabhängigkeit und Souveränität ..."
Als du deinen Job antratest, Dag, hast du dich da als Chef einer Art Weltregierung gesehen?


Jemand gab mir das Weberschiff in die Hand. Jemand hat die Fäden geordnet. (1)

... die Fäden geordnet? ... Aber nicht erst für deinen Einsatz, Dag, schon für einen Schweden, der vor dir im Dienste der Vereinten Nationen stand! Im September 1948 wurde Graf Folke Bernadotte, Neffe eures Königs, ermordet — in Jerusalem, von israelischen Terroristen ... Fünf Jahre danach warst du stellvertretender Aussenminister Schwedens, zuständig bei wirtschaftlichen Entscheidungen internationalen Charakters.
Da ereilte dich am 7. April 1953 die Berufung zum Generalsekretär der Vereinten Nationen. Zwei Tage später kamst du in New York an ... und erklärtest der Welt wie du deine Aufgabe sahst ...


... von innen her denjenigen helfen, welche die geschichtsformenden Beschlüsse fassen, lauschen und analysieren und versuchen, voll und ganz die Kräfte zu verstehen, um die richtigen Ratschläge zu erteilen, wenn die Situation es verlangt ... (1)

Doch die Ereignisse der folgenden Jahren lehrten dich, dass in den Machtzentren der Welt deine Ratschläge nicht gefragt waren.
· Sommer 1956: Suezkanal-Krise nach der Verstaatlichung des Wasserweges durch Ägyptens Nasser
· Oktober 1956: Aufstand in Ungarn; gleichzeitig rücken England, Frankreich und Israel in die Suez-Kanalzone ein
Du hast dir keine Freunde gemacht bei den Regierungen Grossbritanniens, Frankreichs, der Sowjetunion — diesen Ständigen Mitgliedern des UN-Sicherheitsrates!
Bei der Unterdrückung der Ungarn durch die Sowjetunion warst du noch machtlos, doch in die Suez-Kanalzone liessest du internationale Polizeikräfte der Vereinten Nationen einmarschieren.


Durch Unrecht — niemals Recht. Durch Recht — niemals Unrecht. (1)

In vier Jahren hattest du deine Lektion gelernt ... Am 26. September 1957 hast du es ihnen gesagt, Dag, auf ihrer Generalversammlung!

Ich glaube nicht, dass Mitgliedsstaaten vom Generalsekretär verlangen sollten, dass er handle — wenn weder aus der Charta noch aus den Entscheidungen der hauptsächlichen Organe der Vereinten Nationen Richtlinien für sein Handeln abgeleitet werden können; innerhalb dieser Genzen jedoch halte ich es für meine Pflicht, dass er von seinem Amt und ganz gewiss auch von der Maschinerie der Organisation so weit wie nur möglich und in dem vollen Umfang, welchen die praktischen Umstände in dem jeweiligen Stadium zulassen, Gebrauch macht. Andererseits entspricht es, so glaube ich, dem Sinn der Charta, wenn man vom Generalsekretär erwartet, dass er auch ohne solche Richtlinien handelt, sofern ihm das nötig erscheint, um irgendwelche Lücken zu füllen, welche in den der Sicherung des Friedens dienenden Systemen der Charta und der traditionellen Diplomatie auftauchen mögen. (1)

Das waren deine Worte, Dag, und dabei hast du im entscheidenden zweiten Teil — keiner hat’s gemerkt — jenen Mann zitiert, den wir nun schon kennen als den Begründer der Idee für den Entwurf einer weltweiten kosmopolitischen Föderation: Immanuel Kant. Wir ahnen jetzt, du hast ihn studiert!
In seinem alten Deutsch hatte Kant ja ‘ZUM EWIGEN FRIEDEN’ auch angemerkt — und wir vergleichen ihn mit deinen Worten ...


Der moralische Politiker wird es sich zum Grundsatz machen: wenn einmal Gebrechen in der Staatsverfassung oder im Staatenverhältnis angetroffen werden, die man nicht hat verhüten können, so sey es Pflicht, vornehmlich für Staatsoberhäupter, dahin bedacht zu seyn, wie sie, sobald wie möglich, gebessert, und dem Naturrecht, so wie es in der Idee der Vernunft uns zum Muster vor Augen steht, angemessen gemacht werden könne: sollte es auch ihrer Selbstsucht Aufopferungen kosten.

Versuchtest du, Ideen des Kosmopolitismus in Weltordnungspolitik umzusetzten, ohne zu begreifen, dass du bloss Werkzeug und nicht Gestalter sein durftest? Versuchtest du — auf eigene Faust — Lücken in den institutionellen Systemen der Friedenssicherung zu füllen?
Dein Amt hatte sich gewandelt! Mit ihm auch du?
Im November 1959 warst du im laotischen Vientiane, im Frühjahr 1960 hier in Afrika, die Rassenpolitik des südafrikanischen Apartheid-Regimes war zu verhandeln. Und so reistest du von Pretoria weiter in andere Hauptstädte Afrikas.
Der 30. Juni dieses Jahres brachte Belgisch-Kongo die unglückselige Selbständigkeit.
Schon in den ersten Julitagen hatten die vierundzwanzigtausend Mann der Kongo-Armee gemeutert, am 11. Juli hatte Moïse Tschombé die bodenschatzreiche Provinz Katanga für unabhängig erklärt — ohne Katanga kein lebensfähiger Kongo!
Tschombé — Kasavubu — Lumumba ... ein Dreieck, das sich auf den Kopf stellte — immer wieder auf einen anderen ...
Die UNO-Truppen, die du Mitte Juli nach Leopoldville schicktest, sie konnten den Frieden nicht bringen — sie konnten nicht einmal dich schützen, Dag!


"MORD AM GROSSEN FLUSS"

Oh, nein — Dag, der Titel bezieht sich nicht auf das Ende deines Lebens während deiner Vermittlung am Kongo. Er wurde ausgewählt als Buchtitel vom professionellen Beobachter eines Vierteljahrhunderts afrikanischer Unabhängigkeit...
... und für den bist du eine Randnotiz geblieben! Der Mann hat ein faible für reisserische Buch-Titel, zum Beispiel:
· "Mord am Grossen Fluss"
· "Der Tod im Reisfeld"
· "Den Gottlosen die Hölle"
· "Afrikanische Totenklage"
Wir rufen auf: Herrn Peter Scholl-Latour, deutscher Fernseh-Korrespondent, Welt-Erklärer und Bestseller-Autor — mit dem Recht, aus seinem eigenen Werk vorlesen zu dürfen — und ansonsten zu schweigen ...


"Das ist ungerecht!"

Nun gut, er darf — wenn er mag — uns zusätzlich erklären, ob und wie in seinen Medien-Produkten Sichtweise und Sprachgebrauch hinsichtlich ehemaliger Kolonialvölker in Asien und Afrika etwas zu tun haben mit seiner geistigen Prägung als junger Mann beim (zu lange) verschwiegenen zweijährigen Einsatz als Angehöriger des französischen Fallschirmjäger-Expeditionskorps ab 1945 in Indochina...
Herr Scholl-Latour, wenn Sie bitte für einen Moment von Ihrem französischen Rotwein lassen würden ...


Wer zahlt hier eigentlich die Spesen?

... um uns Ihre Kurz-Benotung des UN-Kongo-Eisatzes in Ihrem Bestseller "Mord am grossen Fluss" vorzulesen?

Die Dilettanten des UN-Kommandos hatten nicht einmal die Residenz des Katanga-Chefs umzingeln lassen. Das einzige Militärflugzeug, über das die Separatisten verfügten, ein französischer Fouga-Magister, das mehr zur Ausbildung als zum Kampfeinsatz taugte, stiftete unter den Blauhelmen Verwirrung ...
(Peter Scholl-Latour, dtv, München, 1986) = (2)

Und woher wissen Sie das, Herr Scholl-Latour?

Den ersten Katanga-Feldzug der Vereinten Nationen im September hatte ich aufgrund meiner Kriegsberichterstattung in Algerien verpasst. Dieses Mal wollte ich dabeisein. Die erste Maschine würde am nächsten Morgen starten. Ich buchte den Flug mit einer Gruppe meist britischer Kollegen.
An Bord kam ausgelassene Stimmung auf. Das Flugzeug wurde von Böen geschüttelt, und meine angelsächsischen Begleiter liessen die Whiskyflaschen kreisen, obwohl es noch Mittag war. Unter diesen Presseleuten von Fleet-Street, die durch ein Kontingent lang etablierter Afrika-Spezialisten mit Sitz in Nairobi oder Salisbury verstärkt waren, kam Jagdfieber auf. Das Katanga-Abenteuer, in das sie sich begierig stürzten, mochte für sie wie ein Schulausflug wirken. Diese selbstbewussten, oft skurrilen Männer hatten in der Mehrzahl den Zweiten Weltkrieg intensiv erlebt. Sie waren dabei gewesen, als die Schwarzhemden Mussolinis in Äthiopien kapitulierten, als die japanische Offensive sich in Burma totlief. Sie hatten in Nordafrika und Italien gekämpft. Rückblickend erschien ihnen diese Leutnantserinnerungen wohl als die ‘besten Jahre ihres Lebens’. In Katanga glaubten sie vielleicht, ein Stück ihrer Jugend wieder einzuholen.
Während des Flugs hatten sie mir ausführlich den Ablauf des ersten Katanga-Feldzugs der Vereinten Nationen im letzten September geschildert und sich — ob so viel militärischer Stümperei — vor Lachen auf die Schenkel geschlagen ...
(2)

Und, Herr Scholl-Latour, haben Sie sich wenigstens ein eigenes Bild von diesem Herrn hier machen können, vom Herrn der UN-Truppe damals, vom Generalsekretär der Vereinten Nationen?

Dag Hammarskjöld habe am Kongo eine unglückliche Hand gehabt, stellten die englischen Beobachter fest. Dieser nach aussen so kühle Mann, dem ein Reporter aus Salisbury paranoische Züge, ja — wie sich an seinen späten Dichtungen ablesen lasse — welterlöserische Ambitionen unterstellte, habe sich durch tief eingefleischte Antipathien leiten lassen. Lumumba sei ihm ein Greuel gewesen ... (2)

"Zeichen am Weg", die deutsche Ausgabe des Hammarskjöld-Nachlasses ist 1965 erschienen, einundzwanzig Jahre v o r der deutschen Ausgabe Ihres Buches, Herr Scholl-Latour! Haben Sie da ‘mal selber einen Blick reingeworfen?
Von "späten Dichtungen" kann keine Rede sein, da er doch schon als zwanzigjähriger Student begann, dieses Tagebuch zu führen. Das Manuskript fand man nach seinem Tod in seiner New Yorker Wohnung, zusammen mit einem undatierten Brief an den schwedischen Kabinettssekretär Leif Belfrage ... mit deiner Genehmigung, Dag?

Lieber Leif,
einmal habe ich Dir erzählt, vielleicht erinnerst Du Dich daran, dass ich trotz allem eine Art Tagebuch geführt habe. Ich wäre froh, wenn Du Dich irgendwann seiner annähmest. Hier ist es.
Begonnen wurde es ohne einen Gedanken daran, dass jemand es lesen sollte. Mein späteres Schicksal, mit allem, was über mich geschrieben oder gesagt worden ist, hat aber die Lage verändert. Das einzige richtige Profil, das man zeichnen könnte, ergeben diese Notizen. Darum habe ich in den letzten Jahren mit einer Veröffentlichung gerechnet, obwohl ich weiterhin für mich selbst und nicht für ein Publikum schrieb.
Wenn Du findest, dass sie verdienen gedruckt zu werden, so gib sie heraus — als eine Art Weissbuch meiner Verhandlungen mit mir selbst — und mit Gott.
Dag
(1)

"Lassen Sie’s gut sein — und dem Herrn seinen Rotwein ...
Ich habe gelernt: Nachrichten sind selten das Produkt journalistischer Recherche, sondern meistens das Produkt spezieller Gruppen-Interessen ...
Eine Methode zur Verschleirung tatsächlicher Zusammenhänge: Was wirklich vorgeht, wird von den Nachrichten-Machern so lange zerkleinert, bis uns einzelne bunte Steinchen faszinieren und das gesamte Mosaik im Dunkeln bleibt.

Weiter TAZARA-Index Ihr Beitrag

Fragen? radiobridge@aol.com

web page hit counter

web page hit counter